Alleinerziehenden-Verband SHIA bringt Familien und Politiker an einen Tisch

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„Ein wirklich tolles Format!“ Diese Worte aus dem Mund von Frau Dr. Doris Keim, die als Vertretung von Familienministerin Manuela Schwesig – anlässlich des zweiten Wirtschaftssozialgespräches bezüglich „Familiengerechter Arbeitszeitmodelle“ – nach Dresden gereist ist, sind wohl der Ritterschlag für die vom SHIA e. V. Sachsen konzipierte Veranstaltungsreihe!

Der Verein um Geschäftsführerin Brunhild Fischer (im Bild links mit dem sächsischen Staatsminister Martin Dulig) widmet sich bereits seit 2014 in Form von Veranstaltungen der Dauerbrenner-Thematik „Familiengerechte Arbeitszeitmodelle“ und hat deshalb diese Form einer Diskussionsplattform konzipiert.

Unter dem vollen Namen „Wirtschaftssozialgespräch – familiengerechte Arbeitszeitmodelle“ schafft es das engagierte Team, alle an einen Tisch zu bringen, die ein Wörtchen mitzureden haben in der Gestaltung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland.

Dass der Verein, der sich in erster Linie Alleinerziehenden und Familien in schwierigen Lebenssituationen widmet, schon über zwanzig Jahre für die Interessen dieser Menschen eintritt, ist spürbar.

Vor allem Brunhild Fischer lässt als Geschäftsführerin des SHIA e.V. kaum eine Gelegenheit aus, für „ihre“ Zielgruppe, der sie als alleinerziehende Mama zudem selbst angehört, zu trommeln.

Egal, ob auf politischen Veranstaltungen, gewerkschaftlichen Kongressen, familienpolitischen Diskussionen – lokal und bundesweit -: Brunhild Fischer und ihr SHIA e. V. Landesverband Sachsen mischen fleißig mit.

Vor allem durch ihre Arbeit an der Basis weiß das SHIA-Team, wo es „knackt im Gebälk“ – sprich: sich die größten Hürden, Familie und Beruf zu verbinden, auftun. Zudem geraten viele alleinerziehenden Frauen und Männer, die sich ratsuchend an den SHIA e. V. wenden, in die Armutsfalle. Sie haben oft nicht das nötige Auskommen und finden sich schnell als Kunden des Jobcenters wieder.

Auch die Tatsache, dass unsere Gesellschaft immer älter wird, wirkt sich auf Alleinerziehende und Familien in schwierigen Lebenssituationen belastend aus – pflegende Angehörige sind oftmals der Grund, dass Beruf und (gutes) Geld hinten runter fallen.

Als eines der reichsten Länder der Welt wartet Deutschland leider noch immer mit ungünstigen Bedingungen hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf.

Unflexible Arbeitszeiten und Arbeitgeber, unzureichende Betreuungskapazitäten und nicht selten auch fehlende Akzeptanz des Status „Familie“ (ganz gleich, ob es um „Ein“- oder „Zwei“-Eltern-Familien geht) lassen „good Old Germany“ auf diesem Parkett alt aussehen – auch wenn das eigentllich unfassbar ist.

Mit diesen Unfassbarkeiten hat das Team des SHIA e. V. Landesverband Sachsen aber leider täglich zu tun. Denn die Leipziger Geschäftsstelle in der Nähe der Oper ist für viele Alleinerziehende und Familien in schwierigen Lebenssituationen ein wichtiger Anlaufpunkt. Viele die kommen, klagen ihr Leid über die – oft noch alltägliche – Unvereinbarkeit von Familie und Beruf, über das Abgleiten in schwierige finanzielle Lebensverhältnisse.

Da der Klage-Tenor mit der Zeit immer mehr anschwoll initiierte der SHIA e. V. die Wirtschaftssozialgespräche zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf beim Sächsischen Sozialministerium und legte 2014 mit einer ersten erfolgreichen Veranstaltung in Leipzig los.

In der vergangenen Woche folgte nun in der Dresdner IHK die zweite Veranstaltung und sie war prominent besetzt: neben den Vertretern aller Fraktionen im sächsischen Landtag – angefangen von der AfD, über die Grünen bis hin zu CDU und den Linken – nahmen Alleinerziehende und „Zwei-Eltern“Familien, sowie Experten und Firmenvertreter an dem Forum teil. Staatsminister Dulig (SPD) übernahm die Schirmherrschaft und war auch im Podium zugegen.

Die wichtigsten Gäste aber waren – neben geladenen Unternehmern, die familienfreundliche Modelle in ihren Firmen schon anbieten – freilich die Familien: Mütter, Väter, Großeltern, Tanten und Geschwister – alle waren in großer Zahl im Publikum vertreten, selbstverständlich fehlten auch die ganz Kleinen, die Kinder, nicht. Für sie war eigens eine kleine Spielecke und eine Betreuungsperson engagiert worden.

Ab der ersten Minute wartete die Veranstaltung mit spannenden Thematiken auf, vor allem die geladenen Ein-Eltern-Familien schilderten ihre schwierigen Situationen ohne Beschönigungen vor der anwesenden Politprominenz.

Später wurde sich in verschiedenen Workshops diversen Fragen und Problemen im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewidmet. Teilweise diskutierten die Politiker mit – so Herr Alexander Krauß (CDU) und André Wendt (AfD). Herr Krauß, selbst Familienvater, stellte sich als jemand heraus, der durchaus in der realen (und nicht abgehobenen) Welt lebt und Herr Wendt stellte zu Recht die Frage, ob es tatsächlich das oft diskutierte „Fachkräfteproblem“ gäbe, wenn genügend Betreuungsplätze für den Nachwuchs in den Betrieben und Unternehmen da wären?

Verschiedene Meinungen gab es auch in Sachen einer „24-Stunden“-Betreuung, womit aber natürlich nicht die Betreuung über einen so langen Zeitraum gemeint war, sondern die Möglichkeit der Kinderbeaufsichtigung für Leute, die in Jobs arbeiten, die jenseits von „nine-to-five“ sind, wie zum Beispiel Eventmanager, Krankenhausangestellte und so weiter.

Die Resonanz war eine Mischung aus Forderungen, dass all das besser werden MUSS und der Tatsache, dass sich viele Erziehungsberechtigte eben einfach so „duchwursteln“, mal mit und mal ohne Großeltern, mancher hat ein Netzwerk, mancher steht allein auf weiter Flur.
Nichts wirklich Neues eben – nur dass all diese Probleme bei den meisten Eltern tagtäglich an der Tagesordnung (und manche Politiker scheinbar immer noch im Tiefschlaf) sind.

Die anwesenden Politvertreter – den Eindruck hatte man – haben während der Veranstaltung verstanden, worum es geht und zeigten (natürlich!) auch Verständnis.

Ob die vom SHIA e. V. und den Familien (schon auf der ersten Veranstaltung) geforderten politischen Umsetzungen auf dem Gebiet der familiengerechten Arbeitszeitmodelle jedoch auch folgen werden, bleibt abzuwarten.

Wenn nicht – Geschäftsführerin Brunhild Fischer sitzt bestimmt schon an der dritten Auflage des Wirtschaftssozialgespräches und wird – so bleibt zu hoffen – nicht locker lassen, bis sich wirklich etwas ändert hinsichtich der Vereinbarrkeit von Beruf und Familie. Das muss in der Politik UND in der Gesellschaft geschehen, ganz klar! Denn solange Mütter gemobbt werden, weil sie – vermeintlich – bessere Schichten zugeteilt bekommen (wie eine anwesende Angestellte aus ihrem Joballtag in einem Krankenhaus schilderte) ist man noch lange nicht am Ziel!

Deshalb sollte sich jeder, der irgendwo eine Personal-, Führungs- oder eben Angestelltenverantwortung hat, selbst fragen, ob er nicht etwas (mehr) tun kann, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland positiv mit zu gestalten.

Wer mehr über den SHIA e. V. Landesverband Sachsen wissen möchte, schaut hier: www.shia-sachsen.de .

Unter dem Button „Wirtschaftssozialgespräch“ sind zudem alle Informationen und Ergebnisse des bisherigen Wirtschaftssozialgesprächs hinterlegt.

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