1-Euro-Haus in Italien als Auswanderer-Schnäppchen – Käufer erzählen, was sie erlebten

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Häuser in Mussomeli (Italien)

Der Traum vom Auswandern: Aktuell wird er von vielen Deutschen mehr denn je geträumt. Der Trend ist allerdings schon seit 2015 verstärkt zu erkennen. Konkret seit die damalige Kanzlerin Angela Merkel mit der Grenzöffnung für Glücksritter, Gestrandete, Betrüger und Kriminelle aus aller Welt eine historisch katastrophale Entscheidung fällte.

Und damit politisch Verantwortliche, die eigentlich dem deutschen Volk verpflichtet sind, fortan in ein „Wir schaffen das!“-Trance versetzte, aus dem die ganz „Überzeugten“ bis heute nicht mehr erwacht sind.

Mittelalter, Rückschritt und Schikanen: Viele träumen derzeit den Auswanderer-Traum

Aktuell liegt nun eine klebrige Lähmung über dem Land, in dem der Anschluss für alles Moderne verloren scheint. Mit dem hereingeholten Mittelalter, den irren Rückschritts-Ideen, doch lieber Lastenrad als Auto zu fahren und den schikanösen Gedanken vieler amtierenden Politiker hinsichtlich der Beschneidung der Freiheit, der individuellen Mobilität und dem Wohnen, so wie man es mag, geht gegenwärtig eine riesige Auswanderungswelle einher.

Vereinfacht gesagt kann man wohl sagen: Intelligenz geht, Dummheit kommt. Das wurde so ähnlich (nur eleganter ausgedrückt) schon 2019 geschrieben.

Auf Twitter kann man dafür täglich in diesen Tagen die Bestätigung sehen, es reicht, hierfür den Hashtag „auswandern“ einzugeben.

Allerdings ist Auswandern nicht billig und so suchen viele Bürger, die von Deutschland die Nase voll haben, nach bezahlbaren Möglichkeiten, sich woanders eine neue Existenz aufzubauen. Viele, die sich mit dem Fortgehen beschäftigen, werden deshalb sicher auch schon einmal auf die Schlagzeile: „1-Euro-Häuser in Italien zu verkaufen“ gestoßen sein.

Was hat es auf sich mit den 1-Euro-Häusern?

Solche Berichte kursieren seit wenigen Jahren im Web und sie betreffen spezielle Regionen in Italien. So zum Beispiel Sizilien.

Auf stern.de ist dazu am 19. Januar 2022 unter anderem folgendes zu lesen:

„(…)Italiens Dörfern gehen die Bewohner aus. Um das zu ändern, werden Häuser für Schnäppchenpreise verkauft. Doch mit einem Euro kommt man nicht weit. Denn die Städtchen brauchen Investitionen – und richtig gute Ideen, um überleben zu können.(…)Die Häuser sind Ruinen, Dächer sind eingebrochen, Böden aufgerissen. Es liegen tote Tauben herum, Ungeziefer ist in die Gemäuer eingezogen. Kaufinteressenten, die sich nicht vorher informiert haben, sind von den Bedingungen überrascht, sagte Toti Nigrelli, stellvertretender Bürgermeister von Mussomeli, zu „Washington Post“. „Wir sagen den Leuten, dass sie zuerst hierher kommen sollen, weil wir keine Überraschungen wollen. Wir möchten, dass sie wissen, worauf sie sich einlassen.“ Die Idee ist inzwischen rund zehn Jahre alt: Italiens Dörfer brauchen neue Bewohner, denn genau diese fehlen. Die Alten versterben, die Jungen verlassen die dörflichen Strukturen und ziehen in die Städte. Zurück bleiben die Immobilien, die zunehmend zu Ruinen verkommen. Also begann man die Häuser für kleines Geld anzubieten. Dann gingen die Aufrufe viral. Rund 34 Gemeinden in Italien suchen derzeit so nach neuen Bewohnern.(…)“

Sollte man so ein finanzielles Abenteuer als Auswanderer wagen? Erst einmal eine 1-Euro-Immobilie kaufen und dann weitersehen? Gute Frage…!

Da hilft es, wenn man auf Erfahrungen, die andere, die sich den Traum vom Auswandern mit wenig Geld erfüllten wollten, gemacht haben, zurückgreifen kann. Im Netz berichten etliche Leute, die ein 1-Euro-Haus in Italien gekauft haben, von dem, was sie erlebten.

Kurz gesagt ist die Bilanz ernüchternd.

Leider ist nicht alles (Beton)Gold, was glänzt…

Das jedenfalls geht aus einer Reportage von reisereporter.de hervor, die beleuchtet, was Käufer von 1-Euro-Häusern in Italien durchmachten. Dazu heißt es in einem Artikel auf dem Portal vom 8. März 2022:

„(…)Tonia Bauer und ihr Mann Steve lebten in den USA, ehe es sie nach Berlin verschlug. Dort hörten sie von den Mega-Schnäppchen in Italien und waren sofort begeistert. Sie buchten einen Flug nach Sizilien. „Wir sahen uns mehrere Ein-Euro-Häuser an und stellten fest, dass viel mehr Arbeit nötig wäre, als wir bewältigen wollten“, erinnert sich Tonia an den Beginn ihres Abenteuers. Kein Wunder: Vielen Schnäppchen-Häuser in Mussomeli fehlten nicht nur Steine an der Fassade, sondern sogar ganze Fußböden.(…)“

Hut ab, wer sich als Auswanderer an ein solches Projekt, das finanziell und auch zeitlich ziemlich zehren dürfte, heranwagt! Doch nicht immer muss das gut enden…

Dazu liest man in dem Beitrag zu den italienischen  Schnäppchenhäusern (zu denen nicht nur 1-Euro-Häuser gehören):

„(…)Deswegen entschied sich das Paar kurzerhand für eines der sogenannten „Premium“-Häuser in Mussomeli. Diese werden von einer Agentur verwaltet und befinden sich bereits in besserem, aber noch immer stark renovierungsbedürftigem Zustand. Kaufpreis: 7000 Euro. Tonia berichtet: „Ein Zimmer hatte Trockenfäule im Boden und es gab große Probleme mit den Wasserleitungen.“ Sie und Steve investierten weitere 7000 Euro, um die gröbsten Schäden zu beheben. Dann war das Haus bewohnbar – für insgesamt 14.000 Euro.(…)“

Letztlich wurde das amerikanische Paar mit seinem Schnäppchen in südlichen Gefilden nicht glücklich, Zitat:

„(…)Doch glücklich wurden die zwei in ihrem Schnäppchenhaus nicht. Für die Komplettrenovierung hätten sie noch einmal weitere 25.000 Euro zahlen müssen, hinzu komme die lange Wartezeit auf Handwerker. Nach dem Lockdown 2021 trafen Tonia und Steve daher die Entscheidung, das Haus wieder zu verkaufen.(…)“

Eiskalt erwischt hat es – aber auf eine andere Art – einen Australier, der im sizilianischen Mussomeli tatsächlich ein 1-Euro-Haus kaufte. Hierzu heißt es im Bericht:

„(…)Australier Danny McCubbin verliebte sich in eines der Ein-Euro-Häuser, kaufte es – und zog dort nicht einmal ein. „Das Haus war 15 Jahre lang verlassen und es gab Wasserschäden, weil das Dach undicht war. Es gab kein Badezimmer, nur eine Toilette auf dem Treppenabsatz“, erinnert sich Danny. In der Immobilie hatte der gelernte Koch nicht nur leben, sondern auch „The Good Kitchen“ eröffnen wollen – eine Art Treffpunkt, an dem er für sozial schwache Menschen kochen wollte. Zuvor hatte er 15 Jahre für den britischen TV-Koch Jamie Oliver gearbeitet. Über eine Crowdfunding-Plattform generierte Danny Spenden für sein Projekt. Doch als er genügend Euro zusammenhatte, fand auch er keine Handwerker. „Sie waren alle mit der Renovierung anderer Ein-Euro-Häuser beschäftigt“, sagt Steve. Als er endlich doch ein Unternehmen gefunden hatte, folgte der Schock. „Die geplanten Renovierungskosten waren inzwischen erheblich gestiegen.(…)“

Am Ende musste der engagierte Mann aus Down Under passen:

„(…)Am Ende habe ich es dann zurückverkauft“, sagt Danny. „Jetzt gehört es einem argentinischen Ehepaar. Den großen ehemaligen Stall haben sie in ein Atelier verwandelt.“ Und er selbst? Hat genau wie Tonia und Steve ein „Premium“-Haus gekauft. Kostenpunkt: 8000 Euro, plus 5000 Euro für die Renovierung.(…)“

Diese Auswanderer-Erfahrungen zeigen, dass vieles, was auf den ersten Blick als Verlockung erscheint, auf den zweiten Blick schon der absolute Flop sein kann. Insofern dürfte die „1-Euro-Haus“-Kampagne in Italien vielleicht doch eher eine PR-Kampagne zur Belebung der betroffenen Örtchen sein.

Auswanderer bringen sich in die neue Region ein

Was ja am Ende sogar positiv ist, denn wenn letztlich Auswärtige kommen und Häuser zu einem höheren Preis (die immer noch absolute Schnäppchen sind) nehmen und sich sogar – wie Australier Danny – ins Dorfleben einbringen, ist einiges gewonnen.

Und danach sieht es zumindest bei dem australischen Auswanderer aus, Zitat:

„(…)„Ich habe 23 Jahre in London gewohnt. Ich wusste immer, dass ich eines Tages weggehen und an einem friedlicheren und ruhigeren Ort leben will. Diesen Frieden habe ich hier in Mussomeli gefunden“, sagt Danny McCubbin. Er arbeitet inzwischen in Teilzeit als Digital- und Social-Media-Berater und kocht in seiner Freizeit ehrenamtlich in „The Good Kitchen“.(…)“

Wer also seinen Frieden, ein entschleunigteres Leben oder vielleicht auch nur seine innere Mitte sucht, findet schon innerhalb Europas diverse schöne Fleckchen dafür! Nur den Mut zum Risiko: Den muss man mitbringen! Und Realitätssinn natürlich auch – damit am Ende nicht der große Schock kommt. Alles schon passiert…!

Recherche-Nachweis:

reisereporter.de vom 8. März 2022, stern.de vom 19. Januar 2022

Bildnachweis: stock.adobe.com / George

 

 

 

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