„Es beruhigt, dass auch andere ein buntes Leben haben!“

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Haben Sie sich schon einmal gefragt, wer sich eigentlich die unzähligen Rätsel, die nahezu in jeder Zeitung, in jeder Zeitschrift und in vielen Magazinen abgedruckt sind, ausdenkt?

Nachfolgend stellen wir Ihnen eine Frau vor, die sich beruflich genau damit befasst: mit Rätseln. Diese zu konzipieren, umzusetzen und sie den verschiedensten Zeitungen und Zeitschriften bereitzustellen, ist seit vielen Jahren der Job von Christine Reguigne (im Bild links).

Mit ihrer eigenen Agentur beliefert sie Medien im gesamten deutschsprachigen Raum.

Damit jedoch nicht genug, hat die energiegeladene Frau – die über einige Umwege zu ihrer heutigen beruflichen Tätigkeit gelangte – parallel auch ein Netzwerk für Frauen aufgebaut.

Es nennt sich „Desperate Workwives – von Verzweiflung keine Spur” und verbindet Frauen jeglicher Couleur.

Mit Hilfe dieses Netzwerkes können sich Frauen, die sich hier einklinken, untereinander austauschen, treffen, beraten und auch gegenseitig empfehlen. Nicht zuletzt generieren die Mitglieder auch Aufträge untereinander oder/und haben für berufliche oder private Belange schnell die richtige Fachfrau an der Hand.

Wie man sich das in der Praxis vorstellen kann, schildert Stefanie Boese-Bellach (im Bild), die bereits vor einigen Jahren zu der bunten Frauentruppe gestoßen ist.

Sie sagt:

„Ich erinnere mich an mein erstes DWW-Treffen vor vielen Jahren in Köln. Sehr gespannt war ich aus Hannover angereist und traf mich mit fast 30 Frauen, die ich bis dahin nur aus dem Internet kannte. Wir waren ein buntgemischter Haufen unterschiedlichsten Alters und unterschiedlichster Berufe. Wir verbrachten ein spannendes Wochenende miteinander, erkundeten die Stadt bei einer Ralley, trugen rote Nasen und „klüngelten“ bei gutem Essen und reichlich Wein bis spät in die Nacht.

Klüngeln ist Kölsch und heißt so viel wie „Wir kennen uns, wir helfen uns!“ und GENAU SO kann man dieses Netzwerk am treffendsten beschreiben. Ich bin beruflich im Bereich der Gesundheitsförderung engagiert und weiß, wie wichtig ein stabiles soziales Netzwerk zur Gesunderhaltung ist. In diesem Sinne sind die DWW für mich absolut gesundheitsfördernd!“

Mehr zu dem Netzwerk und ihrer Arbeit erzählt Christine Reguigne im Interview:

FP: Frau Reguigne – Sie befassen sich mit ihrer Agentur „Rätselschmiede“ beruflich mit Rätseln. Wie muss man sich das vorstellen und – vor allen Dingen – wie kommt man zu so einer Tätigkeit?

CR: Beruflich bin ich eine, an der sich jeder Bewerbungsmappentrainer die Zähne ausbeißen würde.

Bei mir lief alles kreuz und quer: von einer absolvierten Schneiderlehre zum Zimmermädchen, über Kundenkoordination bei einer Papierfabrik bis zur Arbeit bei einer Medienagentur, bei der ich unter anderem die Comics betreut habe.

Hier entstand auch 1999 der Plan der Selbstständigkeit. Und – nein – es sollte keine Medienagentur werden, sondern ein Café.

Mit einer Freundin zusammen habe ich Pläne geschmiedet, IHK-Kurse besucht, was man halt so macht, wenn man sich selbstständig machen will. Als die Freundin dann leider kurzfristig abgesprungen ist, ist mir der Gedanke der Selbstständigkeit einfach nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Aber ein Café alleine – nein, das wollte ich genauso wenig, wie weiterhin bis zur Rente als Angestellter ins Büro zu gehen. Also habe ich von heute auf morgen gekündigt, mir erst einmal einen Computer gekauft und geschaut, was ich denn damit so machen könnte.

Ich kann den Aufschrei der Existenzgründertrainer richtig hören – kein Businessplan, eigentlich überhaupt keinen Plan, aber ich springe ganz gerne in kaltes Wasser. Da kommen mir die besten Ideen.

Und nach und nach ist das entstanden, was heute als „Die Rätselschmiede“ eine Vielzahl von deutschsprachigen Publikationen mit Unterhaltungsmaterial versorgt. Inzwischen gibt es meine Agentur seit über siebzehn Jahren und vermittelt Material von einer bunten Palette von Künstlern an Printmedien. Ich arbeite mit verschiedenen Kooperationspartnern zusammen und habe einen großen Pool an sehr interessanten Rätselautoren und -illustratoren hinter mir. Und ich liebe meinen Job!

FP: In den letzten Jahren sind viele einstige Print-Nutzer ins Internet abgewandert. Hat sich diese Entwicklung auch in Ihrer Arbeit bemerkbar gemacht oder blieb es hinsichtlich der Nutzer der Rätsel konstant?  

CR: Ich bekomme schon mit, dass immer mehr Tageszeitungen Probleme bekommen und sehr sparen müssen. Andererseits kommen ständig neue, kleinere Magazine mit Spezialthemen auf den Markt. Auch die Kunden- und Mitarbeitermagazine werden immer mehr. Fast jedes Unternehmen möchte sich durch eine eigene Publikation zeigen. Und viele davon präsentieren Ihren Lesern ein auf Ihr Unternehmen zugeschnittenes Rätsel – oft mit einem Gewinnspiel.

Ich denke, dass man viele Informationen auch über das Internet beziehen kann, aber sich gemütlich auf die Couch zu setzen und mit einem heißen Tee in einer Zeitung oder Zeitschrift zu blättern, das wird wohl nie aus der Mode kommen. Viele von uns arbeiten schon den ganzen Tag am Bildschirm, da braucht man in der Freizeit einen Gegenpol.

Um die Printmedien mache ich mir keine Sorgen. Es wird sich verändern, keine Frage, aber ich denke, es wird immer welche geben.

FP: Wie gestaltet sich die Themenauswahl in Sachen Rätsel – wie geht Ihr Team hierbei vor?

CR: Wir bekommen jede Menge Bewerbungen von Rätselautoren. Oft sind es Leute, die selbst gerne rätseln und in ihrer Freizeit ein paar Rätsel erstellt haben. Leider können wir mit diesen Rätseln selten arbeiten, da es nicht nur um die Qualität des Rätsels geht, sondern auch um die Ausführung. Ein Rätsel, auf einem Blatt Papier gezeichnet, würde für uns bedeuten, dass wir dies graphisch erst einmal ausarbeiten müssten, bevor wir es anbieten könnten.

Und da wir nur Serien und keine einzelnen Rätsel anbieten, fallen viele Rätselkünstler hier leider auch raus. Eine Serie bedeutet, dass wir von einer Art viele ähnliche Rätsel auf Lager haben, so dass eine Zeitung es wöchentlich abdrucken könnte.

Aber es sind auch immer wieder kleine Goldstücke unter den neuen Rätselautoren, die auch vom Stil her zu uns passen. Da freue ich mich natürlich besonders. Auch für unsere Kunden.

FP: Was denken Sie, fasziniert viele Leute so am Auflösen von Rätseln?

CR: Eine gute Frage! Ich selbst kann an keinem Rätsel vorbei gehen, ohne direkt einen Stift zu zücken. Es macht einfach Spaß, seine Gehirnwindungen auf Trab zu bringen. Je schwieriger ein Rätsel, desto besser. Und manchmal fällt mir mitten in der Nacht eine Lösung ein, nach der ich den halben Tag gesucht habe. Ich würde sagen: Rätseln macht stolz!

FP: Gibt es in Ihrem Genre eigentlich Trends, sprich: welche Rätselarten sind die beliebtesten? Oder ist das gute alte Kreuzworträtsel noch immer unschlagbar?

CR: Das Kreuzworträtsel ist immer noch unschlagbar. Aber ich muss gleich sagen: Es ist gar kein Kreuzworträtsel, sondern ein Schwedenrätsel…!

Bei einem Kreuzworträtsel stehen die Definitionen außerhalb des Rätsels, bei einem Schwedenrätsel innerhalb des Rätsels in den kleinen Kästchen. Es kommen zwar immer neue Rätsel auf den Markt, aber die altbekannten wie Schwedenrätsel oder Sudoku sind immer noch die beliebtesten. Auch bei den Kinderrätseln gibt es noch die Rätsel, die wir als Kind schon gelöst haben. Labyrinthe, Zahlenrätsel, Schnurrätsel oder Suchbilder.

FP: Neben ihrem Job haben Sie ein Netzwerk für berufstätige Frauen gegründet – es nennt sich „Desperate Workwives“. Wie kam es dazu und worauf basiert der Name?

CR: Also – komplett heißen wir „Desperate Workwives – von Verzweiflung keine Spur“ – da bestehe ich drauf!

Das Netzwerk wurde geboren, als mein Lieblings-Internet-Frauennetzwerk seine Pforten schloss. Da ich alleine im Büro arbeite, liebe ich den Austausch mit anderen Frauen, die ich einfach über den Computer erreichen kann. Es musste also ein neues Netzwerk her und da kam der Gedanke schnell auf, dass ich selbst eines eröffne.

Als diese Workwives 2010 auf der Business-Plattform Xing gegründet wurden, gab es lange Überlegungen über den Namen. Irgendwas mit Frau, irgendwas mit Beruf oder Netzwerk. Vielleicht “Frauennetzwerk Deutschlandweit” oder “SüdNordOstWest Frauenpower”?

Nein, wirklich nicht! Wir sind eine vielfältige und lustige Truppe (siehe Bild) und der Name sollte das auch widerspiegeln. Und damit “Desperate Workwives” nicht allzu verzweifelt klingt, gehört immer der Zusatz “Von Verzweiflung keine Spur dazu”.

Manche lieben den Namen, manche finden ihn ganz grausig. Die Reaktionen zu beobachten macht immer wieder Spaß.

Da Xing sich seit geraumer Zeit neu positioniert und die Möglichkeiten für Gruppen und Mitglieder ständig verschlechtert werden, habe ich im April 2017 eine eigene Plattform für die Workwives entwickelt. Wir nennen sie „Das Hauptquartier“. Hier kann man gegen einen geringen Mitgliedsbeitrag eine Workwife werden, mitdiskutieren, Events besuchen und einfach Teil der Gemeinschaft werden.
FP: Ihr Netzwerk ist bundesweit aufgestellt – was für Frauen haben sich eingeklinkt und wie organisieren Sie sich in den einzelnen Regionen, was für Veranstaltungen/Treffen gibt es?

CR: Jede Deutsch sprechende Frau kann mitmachen, auch wenn sie gerade in Japan arbeitet. Wir haben auch Mitglieder aus Österreich und der Schweiz. Wir sind bunt gemischt in allen Altersgruppen, mit oder ohne Job, angestellt oder selbstständig, Führungsfrauen und Studentinnen. Wir haben Mamis, Omas und auch Frauen ohne Kinder.

Starre Organisationen gibt es nicht, es läuft alles nach dem „Lustprinzip“. Wenn jemand in München Lust auf ein Treffen hat, dann wird im Forum rundgefragt, wer mitmachen möchte. Und meist finden sich schnell eine Handvoll Damen, die dann einen interessanten Tag miteinander verbringen.

Wir versuchen, zwei große Treffen im Jahr anzubieten. Diese werden von den Mitgliedern der Region selbst organisiert, so dass jedes Treffen einzigartig wird. Wir waren schon Golf spielen in Münster, haben in Hannover im Park gepicknickt, in Willingen waren wir im Schnee und in Norddeich gab es eine Piraten-Ralley mit Augenklappe. Diese Treffen gehen über ein ganzes Wochenende und sind immer etwas ganz Besonderes. In diesem Herbst waren wir in Leipzig und sind alle verliebt in die Stadt.

Wir haben auch schon große Pläne für 2018. Im Frühjahr geht es an den Bodensee und im Herbst wird in der Eifel gemeinsam in den Advent gestartet. Mit jeder Menge Weihnachtsstimmung.

FP: Was machen – aus Ihrer Sicht – Frauen beim Networking anders als Männer?

Leider haben mich die Jungs noch nie in ein Männernetzwerk reingelassen, aber was ich so mitbekomme, ist die Art der Kommunikation einfach anders. Nicht ganz so offen und eher darauf bedacht, immer gut dazustehen.

Das ist bei uns Frauen anders. Keine hat immer eine gute Zeit, mal geht es hoch, mal geht es runter. Und wir machen auch Fehler oder sind verzweifelt. Dafür fliegen wir am nächsten Tag vor Energie und Kreativität bis zum Mond.

Eine der schönsten Seiten der Workwives ist in meinen Augen, dass es eben nicht darum geht, dass man die Beste, Schönste, Tollste ist, sondern ein ganz normaler Mensch mit vielen Facetten.

Und es beruhigt, dass andere auch ein buntes Leben haben und es nicht nur ständig nach vorne geht.

FP: Welche positiven Aspekte hat das Netzwerk wie und für wen bereits gebracht?

CR: Was erst privat anfängt, indem man über Gott und die Welt plaudert, endet oft darin, dass man die andere sympathisch findet. Und wenn man sowieso gerade eine Anwältin, eine Steuerberaterin oder eine Rätselfrau sucht, dann liegt es nahe, dass man zuerst in seinem Netzwerk fragt.

Es haben sich schon viele geschäftliche Kooperationen gebildet. Ich selbst arbeite mit einigen zusammen, die für mich texten, zeichnen oder andere Arbeiten übernehmen.

Und nicht nur geschäftlich tut sich einiges. Es haben sich auch Freundschaften entwickelt, die weit über eine Internetbekanntschaft hinausgehen. Auch muss keine in einer schwierigen Lebenslage alleine da stehen. Wir hüpfen bei Bedarf in unsere „Virtuelle Tasche“ und unterstützen mit guten Gedanken, Briefen oder falls nötig auch mit Schokolade, dem Allesheiler.

FP: Wer kann bei dem Netzwerk mitmachen und wie klinkt man sich am besten ein?

CR: Einklinken kann man sich jederzeit. Und mitmachen darf jede Frau über 18, die sich gerne austauscht. Einzige Voraussetzung ist, dass sie sich mit ihrem Realnamen und einem erkennbaren Bild zeigt.

Wir haben keine Spitznamen, man weiß immer, mit wem man es zu tun hat.

FP: Durch Ihr alltägliches Engagement haben Sie sicher wenig Zeit. Gibt es dennoch Hobbys bzw. was machen Sie, wenn mal nichts anliegt?

CR: Hier liegt nie nichts an…! Aber das Wochenende verbringe ich gerne damit, unser sehr altes Haus zu sanieren. Gerade bin ich am fliesen eines alten Stalles, den wir zu Wohnraum umwandeln. Vor 10 Jahren hätte ich mir nicht zu träumen gewagt, dass ich mal verputzen, Fliesen legen oder Decken abreißen kann. Es macht richtig Spaß, vor allem, wenn man das Endergebnis sieht und ganz stolz sagen kann: Das habe ich gemacht.

Und wenn mal Gäste kommen, steche ich Sterne aus Karotten aus, forme Marzipanwalnussaprikosenpralinen und kaufe so viel Essen ein, dass 40 Leute davon satt werden könnten. Und packe meine neue Popcornmaschine aus!

FP: Was ist beruflich bzw. in Sachen Netzwerk in nächster Zeit geplant? Können Sie schon etwas verraten?

CR: Da bin ich gar nicht so der Planer. Mir fällt morgens etwas ein, was ich gleich nachmittags umsetzen möchte. Aber wenn ich mir etwas wünschen darf, wären das viele neue tolle Frauen bei den Desperate Workwives, die frischen Wind mitbringen.

Achtung: eigens für die FRAUENPANORAMA.de-Leserschaft hat Frau Reguigne ein Rätsel konzipiert, Sie sehen es im Bild links. Die Lösung wird Ende des Monats hier veröffentlicht.

Fotos:

DWW Gruppenbild – © Desperate Workwives

Stefanie Boese-Bellach – © Privat

Christine Reguigne – © Privat

Schwedenrätsel – © Raetselschmiede

Mehr Infos:

Desperate Workwives – Von Verzweiflung keine Spur

DWW Frauennetzwerk

Königsteiner Str. 11 •  61389 Schmitten Oberreifenberg

Tel 06082 – 929 99 35  •  Fax 06082 – 929 99 37

www.desperate-workwives.net

info@desperate-workwives.net 

DIE RÄTSELSCHMIEDE

Königsteiner Str. 11 •  61389 Schmitten Oberreifenberg

Tel 06082 – 929 99 33  •  Fax 06082 – 929 99 37

info@raetselschmiede.de

http://www.raetselschmiede.de

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3 Kommentare

  1. Kinderbuchautorin Sandra Schindler

    8. November 2017 at 10:01

    Tolles Interview. Freu mich, dass Christine und Stefanie unser Netzwerk hier auf eine so sympathische Art präsentieren. Und aufs Eifeltreffen freu ich mich auch ganz besonders. 🙂

  2. Jo Jansen

    8. November 2017 at 12:10

    Ein schönes Interview mit einer interessanten Frau. Ich freue mich sehr über Christines Engagement, denn die DWW sind mir schon längst meine liebsten virtuellen Arbeitskolleginnen im Homeoffice geworden. Und den Satz mit dem bunten Leben unterschreibe ich sofort. 😊

  3. Stefanie

    8. November 2017 at 13:25

    Eine spannende und vorallem authentische Frau! Der berufliche Werdegang und ihre Energie sind wirklich inspirierend und die Gründung der DWW war eine geniale Idee, die vielen Frauen extrem viel Rückhalt und Spaß schenkt 🙂

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