„Für seine Kinder wünscht man sich eine heile Welt“

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Schon mit 14 Jahren entdeckte Kristin Franke (im Bild) ihre Liebe zum Schreiben. Bereits zwei Jahre später konnte sie ihre Texte einem großen Publikum präsentieren – als Jungredakteurin einer regionalen Zeitung.

Heute ist die Dreifachmama eine erfolgreiche Kinderbuchautorin und widmet sich in ihren Geschichten geheimnisvollen Figuren in phantasievollen Welten.

Parallel dazu entwirft sie Artikel für Kinder, die sie von regionalen Herstellern produzieren lässt. Woher die Unternehmerin, die Ihre Firma gemeinsam mit ihrem Mann von Leipzig aus führt, ihre Kreativität nimmt und den Alltag mit Familie, Beruf und Freizeit unter einen Hut bekommt, verrät sie im Interview:

FP: Zeichnen und Schreiben waren schon in Ihrer Kindheit große Leidenschaften. Gab es ein Schlüsselerlebnis, das Sie zu diesen Beschäftigungen führte oder kam die Begeisterung durch kindliches Ausprobieren?

KF: Ich male und zeichne tatsächlich, seit ich einen Stift halten kann. Ich habe so ziemlich alles gemalt, was mir sozusagen in den „Bildausschnitt“ kam. Blumen, meine Plüschtiere, Landschaften, Skulpturen von Rodin, Stillleben, Portraits. Kinderbücher zu illustrieren war aber tatsächlich eine neue Herausforderung und zwei Drittel aller Zeichnungen anfangs im Papierkorb gelandet.

FP: Waren Ihre Hobbys auch ausschlaggebend für Ihre berufliche Laufbahn?

KF: Mit etwa 14 Jahren entdeckte ich meine Liebe für´s Schreiben. Ich las sehr viele Bücher und hatte das Bedürfnis, auch selbst etwas zu Papier zu bringen.

Mit 16 Jahren habe ich angefangen, für die Sächsische Zeitung in meiner Heimatstadt Kamenz zu schreiben, und zum ersten Mal hatte ich eine große Zahl an Lesern. Das war unglaublich spannend und ausschlaggebend für die Wahl meiner Studienfächer: Germanistik und Philosophie.

FP:  Wann beschlossen Sie, sich ganz dem Schreiben und Illustrieren von Kinderbüchern zu widmen und in diesem Zusammenhang Ihr eigenes Business zu gründen?

KF: Es war eine Art Prozess. Den Wunsch, ein Kinderbuch zu schreiben und zu veröffentlichen, hatte ich schon einige Jahre. Vor eineinhalb Jahren habe ich die erste Bilderbuchgeschichte geschrieben und illustriert. Mittlerweile sind es sechs.

FP: Feen, Wichtel, geheimnisvolle Wesen – Ihre Kinderbücher dürften genau den Nerv von Kindern und Eltern treffen und kommen mit viel Phantasie daher. Wo und wie entstehen Ihre Geschichten, was inspiriert Sie?

KF: Ich habe drei Kinder und lese viel vor. Dadurch habe ich ein Gespür dafür bekommen, was Kinder im Vorschulalter und im Grundschulalter interessiert und thematisch beschäftigt.

FP: In mehreren Büchern, die Sie herausgebracht haben,  spielen zwei putzige Bären eine Rolle – Linus und sein Papa. Wie entstand die Idee zu diesen Figuren?

Ursprünglich wollte ich ein Fensterbild entwerfen und während des Malens entstand in meinem Kopf eine kleine Geschichte. Ich wollte eine Reihe von Bilderbuchgeschichten beginnen für Kleinkinder, die gerade anfangen, Bücher zu entdecken. Entsprechend einfach und kurz sind die Texte.

FP: Sie beschreiben Ihre Inhalte auch als ein Stück „Heile Welt“. Denken Sie, dass es an der immer rauer werdenden Gesellschaft und den weltweiten – oftmals verunsichernden – Umbrüchen liegt, dass Eltern verstärkt auf Kinderbücher setzen, die mit Geschichten aufwarten, in denen die Welt noch in Ordnung ist?

Ich glaube tatsächlich, dass es dahingehend einen Zusammenhang gibt.

KF: Unsere Welt ist kaputt, in erschreckender Regelmäßigkeit werden Terroranschläge verübt, und das nicht mehr weit weg, sondern vor unserer Haustür. Einer meiner Verwandten hat den Amoklauf in München 2016 in diesem Einkaufszentrum überlebt, weil er auf allen Vieren rausgekrochen ist. Und plötzlich gibt es einen persönlichen Bezug.

Die Vorstellung, dass nachts kleine Feen und Wichtel zu uns kommen und Schutz und Rat versprechen, spricht in der Tat auch Eltern an. Für seine Kinder wünscht man sich eine heile Welt.

FP: Neben Kinderbüchern kann man auf der Website Ihres Unternehmens tinyfoxes auch ausgefallene Artikel für Kinder erwerben – Elfenpuppen, Wichteltüren, Kinderschürzen und mehr.  Wer kreiert diese Artikel und wo und wie lassen Sie produzieren?

Alles, was Sie in meinem Onlineshop finden, habe ich entworfen. Sowohl die Türchen als auch die Puppen lasse ich regional produzieren. Ich schaue mir die Produktionsstätten vorher an und habe einen persönlichen Kontakt zu meinen Herstellern.

Absprachen sind so unkompliziert, die kurzen Transportwege schonen die Umwelt und die Qualität dieser Handarbeit spricht für sich.

FP: Sie sind Mutter von drei Kindern. Dass der Nachwuchs eine  große, kreative Inspirationsquelle für Ihre Arbeit ist, steht sicherlich außer Frage. Wie konkret aber beeinflussen die Kinder Ihre Kreativität? 

Wir basteln viel. Jedes meiner Kinder, auch die 5-Jährigen, haben schon eine Werkzeugkiste inklusive Säge, Hammer, kleiner Bohrmaschine. Sie schnitzen, bauen kleine Kreisel und ich freue mich, dass ich meine Begeisterung für das Selbermachen offensichtlich weitergegeben habe. Insofern glaube ich, dass meine Kreativität eher meine Kinder beeinflusst.

Sie sehen mich ja auch zu Hause zeichnen, setzen sich dann daneben und machen mit.

FP: Wie bringen Sie als Mutter Familie und Beruf unter einen Hut?

Mein Mann und ich sind ein wirklich gutes Team, ansonsten wäre das mit drei Kindern und zwei Firmen nicht zu schaffen.

Es ist anstrengend, aber machbar, und es wird leichter, je älter und selbstständiger unsere Kinder werden. Wenn bei uns nicht gerade mal wieder Scharlach oder die Noroviren ausgebrochen sind, nehme ich die Kinder zum Teil auch stundenweise mit ins Büro, um das wichtigste zu erledigen. Wir haben dort eine Spielecke eingerichtet.

FP: Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag bei Ihnen aus?

Der Wecker klingelt 6.30 Uhr, das ist moderat. Wir frühstücken alle zusammen und verlassen das Haus halb acht.

Im Wechsel bringen wir die Kinder zur Schule und in den Kindergarten. Danach freue ich mich auf unser Büro. Wir sind alle noch recht jung und es ist fast immer gute Stimmung. Nachmittags hole ich alle Kinder ab und spiele Taxi, damit sie ihren Hobbies nachgehen können.  Mein ältester Sohn besucht zum Beispiel einmal in der Woche einen Kunstkurs.

Hausaufgaben müssen erledigt und kontrolliert, für Klassenarbeiten geübt werden. Dazwischen der Haushalt mit seinen Wäschebergen. Ein normaler Familienalltag eben wie bei anderen auch. Trotzdem liebe ich es.

FP: Man darf davon ausgehen, dass Ihre freie Zeit knapp und der Familie vorbehalten ist. Wenn Sie aber doch einmal ein paar Stunden nur für sich haben – gibt es Hobbys oder andere Aktivitäten, bei denen Sie entspannen und neue Kraft tanken?   

KF: Ja. Ich nehme seit ein paar Jahren Klavierunterricht. Ich liebe dieses Instrument einfach, schon immer, und ich wollte es unbedingt auch selbst können. Andere machen Yoga, ich spiele Yann Tiersen und Chopin.

Hin und wieder fahre ich in die Sächsische Schweiz zum Wandern. Das strengt zwar auch an, aber bekomme den Kopf dabei frei. Diese beeindruckende Natur, das Wandern und Klettern zwischen diesen urtümlichen Felsformationen, der Blick vom Gipfel, das satte Grün – das relativiert jedes kleine Alltagsproblem.

Ich kann das nur empfehlen!

FP: An welchen Projekten arbeiten Sie gerade – sind neue Bücher oder/und Produkte in Planung? Können Sie uns dahingehend schon etwas verraten?

KF: Ich arbeite momentan an einem Roman für Kinder ab acht Jahren, das wird mich länger in Anspruch nehmen. Geplant sind auch weitere Accessoires für Kinder. Ich habe Spieluhren genäht und werde sie in Serie gehen lassen.

Mehr zu Kristin Franke, ihren Büchern und den Produkten für Kinder finden Sie unter www.tinyfoxes.de

Bildnachweise: Kristin Franke

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