Tafel e. V. lehnt Spende für Obdachlose ab – Bürger und Unternehmer organisieren Hilfe selbst!

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obdachlosigkeit_aktuellMenschen, die auf der Straße leben – jetzt im Herbst rücken sie wieder verstärkt in den Fokus.

Denn vor allem in der kalten Jahreszeit wird vielen Menschen bewusst, dass es Leute gibt, die kein Dach über dem Kopf und ein wohliges Zuhause haben.

Konkrete Zahlen, wie viele Menschen in Deutschland auf der Straße leben, gibt es nicht – zu sehr definieren Schwankungen diese Entwicklung.

Die BAG Wohnungslosenhilfe e. V. schreibt dazu: „Keine Wohnungslosenstatistik in Deutschland – nur Schätzung möglich“.

Und weiter heißt es auf der Homepage des Vereins: „Die BAG Wohnungslosenhilfe (BAG W) ermittelt einen drastischen Anstieg der Wohnungslosigkeit in Deutschland: 2014 waren ca. 335.000 Menschen in Deutschland ohne Wohnung – seit 2012 ist dies ein Anstieg um ca. 18 %.“

Damit nicht genug, wagt der BAG Wohnungslosenhilfe e.V. eine Prognose, die schockiert. So steht auf der Homepage auch das:  „Prognose bis 2018: bis zu 536.000 wohnungslose Menschen in Deutschland“.

Zahlen die aufhorchen lassen und Anlass dazu geben, sich mit dieser Thematik zu beschäftigen.

Nicht zuletzt, weil es vor diesem Hintergrund irritiert, dass in solchen Zeiten, Menschen, die Obdachlosen helfen möchten, brüsk zurück gewiesen werden. So geschehen in Dresden – einer Stadt, die zwar pure Opulenz ausstrahlt, aber nicht einmal ein Obdachlosenheim besitzt.

Wie viele Wohnungslose in „Elbflorenz“ leben, ist nicht konkret zu belegen. Nach einem Bericht der Dresdner Neuesten Nachrichten von 2015 wird die Zahl nur vage mit „Hunderte“ angegeben.

„Hunderte zu viel“ – das dachte sich Ingolf Knajder und gründete in Dresden den „Dresdner-Bürger-helfen-Dresdner-Obdachlosen-und Bedürftigen-e.V.“.

Ein Verein, dessen Ziele wohl kaum erklärungsbedürftig und unmissverständlich sind – sollte man meinen.

Leider weit gefehlt – denn kaum hatte Knajder den Verein gegründet, eine Menge Mitstreiter gewonnen und begonnen, sich mit großem Engagement seinem Anliegen zu widmen, gab es auch schon Ärger.

Und zwar mit dem Geschäftsführer der Dresdner Tafel e. V. – einem Verein, der diejenigen beköstigt, die gar nichts haben. Dass Vereine dieser Art meist mit klammen Kassen zu tun haben und über jede Spende erfreut sind, ist bekannt.

Die Spende der Dresdner Bürger-Initiative jedoch lehnte Andreas Schönherr, Geschäftsführer der Dresdner Tafel e. V., rundheraus ab.

Was es mit dieser Ungeheuerlichkeit auf sich hat, wie der Verein darauf reagierte und wer sich in Dresden so alles für Wohnungslose engagiert, erzählte uns der Dresdner Vereinsgründer Ingolf Knajder (der bereits in DDR-Zeiten gegen ungerecht-infame Machenschaften rebellierte), selbst:

FP: Herr Knajder, Sie haben einen Verein gegründet, der Hilfe für Obdachlose organisiert – wie kam es dazu?

IK: Ich habe über 15 Jahre in Berlin gelebt und gearbeitet, und dadurch die Initiative für Obdachlose von Frank  Zander kennengelernt, sowie diese auch mit Spenden unterstützt.

In den vergangenen 2 Jahren habe ich mit Freunden, Bekannten und Geschäftspartnern gesprochen und für meine Idee gewinnen können. Diese lautet: hier in Dresden einen Verein zu gründen, der den Ärmsten der Armen hilft und diesen Menschen zeigt, dass sie nicht allein sind und wir, die Dresdner Bürger, sie nicht vergessen haben – uns um sie kümmern.

Ich bin wirklich sehr stolz auf alle meine Freunde, Bekannten und Unterstützer, die sich der Sache und dem Verein angeschlossen haben.

Die Hilfsbereitschaft ist enorm! Es zeigt sich auch, dass hier in unserem Verein auch wieder Menschen zu einer Gemeinschaft finden und was Gutes bewegen – auch wenn sie politisch vollkommen unterschiedlicher Meinung sind.

Die persönliche Einstellung jedes Einzelnen wird hier hinten angestellt, es wird sich ausschließlich der guten Sache verschrieben.

Das macht mich besonders stolz, denn es zeigt, dass wir in Dresden ein großes Herz und viel Menschlichkeit haben.

FP: Seit kurzer Zeit ist Ihre Initiative in aller Munde – weil Ihre Spende von der „Tafel“ in Dresden abgelehnt wurde – was ist passiert?

IK: Der derzeitige Geschäftsführer der Dresdner Tafel e.V., Andreas Schönherr, hat mir in einem persönlich Gespräch mitgeteilt, dass er von unserem Verein keine Hilfe annehmen wird, da er uns Ausländerfeindlichkeit und Rassismus unterstellt – einfach weil wir ausdrücklich Obdachlosen und Bedürftigen helfen wollen.

Es stimmt, wir haben klar definiert, das wir keinen Asylanten und Flüchtlingen helfen wollen, da diese Menschen auch keiner Hilfe bedürftig sind, denn diese Menschen sind in einem Rundumservice versorgt, der seinesgleichen sucht.

Ich nenne da nur einige Beispiele:

kostenlose Vollverpflegung nach ihren Wünschen, kostenlose Unterkunft, kostenlose ärztliche Vollversorgung, kostenlose Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und Einrichtungen, kostenlose Taxifahrten zu Behörden, kostenlos WLAN sowie kostenfreie TV- und Radionutzung.

All das zeigt ganz klar, dass diese Menschen keine Hilfe in unserer Form benötigen. Wir helfen aber selbstverständlich ausländischen Mitbürgern, die unverschuldet obdachlos oder mittellos geworden sind und vorher hier gelebt haben.

Uns deswegen zu unterstellen, wir wären ein fremdenfeindlicher, ausländerfeindlicher und rassistischer Verein, ist eine bodenlose Frechheit und Verleumdung!

FP: Wie ist nun der Stand der Dinge?

IK: Seit ich das Gespräch mit dem Verantwortlichen der Dresdner Tafel e.V., Herrn Andreas Schönherr, öffentlich bekannt gemacht habe, ist die Spenden und Hilfsbereitschaft enorm gestiegen und es hat sich die Zahl der Mitglieder in der Facebook-Gruppe verdoppelt.

Viele Unternehmer und bekannte Dresdner Bürger haben uns kontaktiert und uns ihre Unterstützung zugesagt.

FP: Die Vereinsarbeit stemmen Sie sicher nicht alleine – was für Leute unterstützen Sie?  

IK: Nein, alles kann man bei so einem Projekt gar nicht allein stemmen, wir haben natürlich einige Mitstreiter. Darunter Frau Heike Kühn-Hanisch, die Geschäftsführerin des Hyundai Autohauses Heike Hanisch GmbH, die sich im Verein, als Kontrollorgan, um Presse und Kassenkontrolle des Vereins kümmert. Sie ist meine Chefin und diejenige, die es mir überhaupt erst ermöglicht, mich so aktiv und zeitintensiv einzubringen. Sie lässt mir freie Hand und hält mir auch zeitlich den Rücken frei. Sonst wäre das Engagement in dieser Form gar nicht möglich.

Weiterhin unterstützten uns auch prominente Bürger, wie zum Beispiel Christine Ostrowski, ehemalige Bundestagsabgeordnete der Partei Die Linke, Bärbel Lässig, ehemalige Stadträtin in Dresden, die Großbäckerei Emil Reimann und die Spedition Jörg Baumann GmbH Dresden, die uns in Sachen Logistik und Transport unterstützt – um nur einige zu nennen!

Wir sind sehr froh, solche namhaften Bürger und renommierten Unternehmen als Unterstützer gewonnen zu haben.

Zudem verzeichnen wir fast täglich neue Unterstützer, allein gestern bekam ich – durch die Lancierung unseres Projektes in den sozialen Netzwerken – 50 neue Anfragen von Leuten, die sich einbringen möchten. Darunter viele aus anderen Städten, außerhalb Sachsens.

FP: Seit neuestem – so heißt es – ist auch ein prominenter Gastronom bei Ihnen an Bord, können Sie uns Näheres dazu sagen?

IK: Ja, der Geschäftsführer vom Ballhaus Watzke, Herr Unger, unterstützt unser Projekt auf ganzer Linie und ist mit seinem Team voller Begeisterung bei der Sache.

Wir werden als erste große Veranstaltung in diesem Jahr das 1. Weihnachtsessen für Obdachlose und Bedürftige im Ballhaus Watzke, in Dresden, durchführen. Auch eine große Kleiderspende wird es innerhalb der Veranstaltung geben.

FP: Gibt es Reaktionen seitens der Obdachlosen selbst – wenn ja, welche?

IK: Ja, die Obdachlosen und einige Bedürftige wurden schon auf unsere Veranstaltung aufmerksam. Ab November 2016 werden unsere Flyer für das Weihnachtsessen verteilt, sie dienen gleichzeitig als Eintrittskarte.

FP: Kritiker werfen in Debatten zum Thema oft das Argument in die Runde, dass „jeder Obdachlose in Deutschland von Amts wegen eine Wohnung gestellt bekommt und nicht obdachlos sein müsste“.  Was sagen Sie denen?

IK: Das ist so nicht richtig, denn es gibt für diese Menschen kaum Wohnraum und die meisten Obdachlosen scheitern an den bürokratischen Hürden, die sie überwinden müssen, um wieder ein geregeltes Leben führen zu können.

Diesen Menschen steht leider keine „24-h-Rundum-Sorglos-Betreuung“ zu.

FP: Sie selbst stammen aus der ehemaligen DDR und sind seinerzeit in den Fokus der Diktatur geraten – erzählen Sie uns doch kurz etwas dazu!

IK: Ich habe in meiner Jugend nur für den Sport gelebt und wuchs in einer typischen DDR-Familie auf. Meine Eltern waren beide überzeugte Genossen, meine Mutter hat 40 Jahre im DDR-Militärhandel gearbeitet und mein Vater hat 31 Jahre bei der Volkspolizei seinen Dienst geleistet.

Durch die Republikflucht meines Bruders wurde ich vom Sportclub suspendiert, durfte an keinen nationalen Meisterschaften und Wettkämpfen mehr teilnehmen.

Dadurch brach für mich eine Welt zusammen und fortan hinterfragte ich das gesamte System DDR. Ich stellte fest, dass es für mich keinen Lebensinhalt mehr in der DDR gab und somit stellte ich einen Ausreiseantrag.

Damit verbunden waren für mich und meine Eltern viele Repressalien.

Meinen Eltern wurde nahegelegt, sich von mir und meinem Bruder loszusagen -wegen unserer „staatsfeindlichen“ Aktivitäten.

Mein Vater wurde nach über 30 Dienstjahren grundlos in Unehren aus der Volkspolizei entlassen und meine Mutter wurde in ein normales HO-Geschäft versetzt (Anmerkung der Redaktion: HO-Geschäfte waren einfache Lebensmittel-Läden).

Von da an wurde ich zu einem der größten Kritiker der DDR- Diktatur in Dresden leistete und mit Flugblatt- und anderen Aktionen Widerstand gegen das diktatorische Regime.

Jeden Dienstag ging ich auf das Amt für Innere Angelegenheiten und erneuerte meinen Willen auf Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland.

Dann wurde ich Mitte der 80iger Jahre, innerhalb von 24 Stunden, ausgebürgert und lebte dann 15 Jahre in Bielefeld.

Durch die familiäre Sippenhaft und die Repressalien die meine Familie und ich erleben mussten, habe ich auf Antrag einen „Verfolgten- und Vertriebenen“- Ausweis der Bundesrepublik Deutschland erhalten und bin anerkannter Verfolgter und Vertriebener nach Genfer Konvention.

FP: Was ist derzeit seitens Ihres Vereins geplant und wie können sich interessierte Bürger in das Engagement einklinken?

IK: Neben dem erwähnten Weihnachtsessen für Obdachlose in Dresden, planen wir den Aufbau eines Begegnungshauses mit Schlafplätzen für Obdachlose und Bedürftige, da die Stadt Dresden bislang über kein Obdachlosenheim verfügt.

Unterstützen kann uns jeder, indem er auf unsere Facebook-Seite (https://www.facebook.com/groups/1143322839011827/?fref=ts) geht und sich über uns und unsere Projekte informiert. Jederzeit kann sich finanziell oder mit Sachspenden eingeklinkt werden.

Für alle, die uns finanziell unterstützen wollen – hier die Kontodaten des Vereins:

Empfänger:

Dresdner Bürger helfen Dresdner Obdachlosen und Bedürftigen e.V.

Konto-Nummer:

IBAN-Nr.: DE 82 8504 0000 0141 7427 00

BIC-Code: COBADEFFXXX

Bank: Commerzbank Dresden

Bildnachweis (Symbolbild): www.pexels.com

Bildnachweis Posting Facebook: Fotolia, https://de.fotolia.com/id/97979175  © zinkevyc

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