Typisches Suchtverhalten und der Umgang damit

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Es gibt Zeiten, in denen man sich einfach nicht gut fühlt, und auf irgendeine Art versucht, dieses schlechte Gefühl zu kompensieren.

Manche greifen zum Glas Wein, andere versuchen, in einer finanziellen Schieflage per Glücksspiel ein wenig Geld dazu zu verdienen. Frauen sind zum Beispiel scheinbar ganz besonders anfällig für Essstörungen –  bis zu neunzig Prozent der von Anorexie oder Bulimie betroffenen Personen sind Frauen. Egal allerdings, um welche Sucht es sich handelt, meistens ziehen sie erhebliche soziale und gesundheitliche Konsequenzen nach sich. Doch was für Anzeichen für derartige Suchtkrankheiten gibt es überhaupt und wie kann man sie erkennen? Dieser Artikel hilft bei der Selbstbeobachtung oder der des Partners, um den man sich sorgt.

Erkennen von Alkoholabhängigkeit

Nach wie vor ist die Häufigkeit einer existenten Alkoholabhängigkeit bei Männern größer als bei Frauen. Dies hängt vermutlich auch damit zusammen, dass es immer noch als „männlich“ gilt, mehr zu trinken, als eigentlich gesund wäre. Definitiv heißt das aber, dass wir auf unsere Partner aufpassen müssen – und, innerhalb eines bestimmten Rahmens, auch auf uns selbst.

Für Alkoholabhängigkeit gibt es natürlich einige untrügliche Anzeichen, auf die man achten sollte. Gibt es mehrere parallel, sollte man Hilfe suchen. Ein typisches Anzeichen ist beispielsweise eine höhere Alkoholtoleranz. Nehmen wir an, wir gehen mit unserem Partner zum Abendessen, und danach gibt es das ein oder andere Glas Wein. Er trinkt zwar mehr als wir oder die anderen Leute, aber er erscheint viel weniger betrunken – ein untrügliches Zeichen für eine bereits erhöhte Toleranz dem Nervengift Alkohol gegenüber ist also sichtbar. Ein gewisser Kontrollverlust ist übrigens oft erkennbar: Die Süchtigen verlieren nämlich die Kontrolle über die Mengen des Konsums und ihr Ende.

Menschen die an einer Alkoholsucht leiden brauchen Hilfe, doch bis sie das begreifen, ist die Sucht oft schon weit vorangeschritten.

Doch es handelt sich nicht um das einzige Warnsignal. Dauerndes Verlangen nach einem Bier und der Wunsch, dieses oder andere alkoholhaltige Getränke zu sich zu nehmen, sind durchaus nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Zu diesem Verlangen passt auch, sich ständig einen „Vorrat“ im Haushalt unterbringen zu wollen, um immer versorgt zu sein. Aus dem „Können“ wird ein „Müssen“ – bekommen sie nicht, was sie vermeintlich brauchen, sind körperliche Entzugserscheinungen die Folge.

Versuche, den eigenen Konsum zu verbergen, sind für Süchtige übrigens typisch. Damit zeigen sie paradoxerweise ein Verhalten, das auf die Wahrnehmung des Problems schließen lässt, wollen jedoch verhindern, dass Andere dieses Gebaren auch sehen und versuchen, ihnen beim Durchbrechen des Teufelskreises zu helfen.

Sollte Frau selbst feststellen, dass sie ein Problem mit dem Konsum von Alkohol hat, sollte sie sich helfen lassen. Und auch der Selbsthilfeversuch beim Entdecken einer möglichen Sucht des Partners ist keine gute Idee, sollte die Alkoholkrankheit schon fortgeschritten sein. Dann ist es klüger, auf Angebote zum Beispiel von den Anonymen Alkoholikern zurückzugreifen.

Essstörungen – Wenn Essen kein Genuss mehr ist

Der Wunsch nach dem Traumkörper kann zu einem ernsthaften Problem werden.

Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht sind bei Frauen wesentlich weiter verbreitet als bei Männern. Das liegt daran, dass sie lange erheblich mehr unter dem völligen Druck bestimmter Schönheitsideale standen. Das Fett nur an den richtigen Stellen, aber bitte sonst kein Gramm zu viel. Besonders um die eigene Tochter macht man sich dann natürlich Sorgen. Man kann sie darin bestärken, dass sie keineswegs zu dick ist oder mit ihr über die medial transportierten Schönheitsideale sprechen.

Aber gerade in der Pubertät verlieren Eltern ein wenig die Kontrolle über ihre Kinder, zumindest in dem Maße, wie sie sie vorher hatten. Die Kinder werden unabhängiger, reifen zu Erwachsenen heran und gehen langsam ihre eigenen Wege. Trotzdem sollte man unbedingt darauf achten, verschiedene Warnsignale frühzeitig mit der gebotenen Vorsicht wahrzunehmen.

Häufen sich zum Beispiel Ausreden, warum die gemeinsame Mahlzeit plötzlich ausfällt, ist das als erstes Warnzeichen zu deuten. Merkt man, wie die Kinder Essen geradezu moralisch nach „gut“ oder „schlecht“ bewerten oder mal sehr kontrolliert nur ganz bestimmte Lebensmitteln zu ganz bestimmten Zeitpunkten einnehmen, dann aber gelegentlich völlig maßlos übertreiben, entwickelt sich eventuell bereits eine Störung. Wenn die Kinder immer mehr Sport treiben, um abzunehmen und nicht etwa, weil ihnen der Sport solchen Spaß macht, liegt ein verzerrtes Selbstbild vor. Während Mädchen oft schlank sein wollen, denken Jungen eher in die andere Richtung: Sie wollen zwar wenig Fett haben, aber dafür viel Muskelmasse – deshalb ist die Pubertät bei vielen Kraftsportlern der Anfangspunkt für den Missbrauch von Steroiden.

Die Sucht nach dem perfekten Körper kann aber nur von Fachleuten, zum Beispiel in einer Beratungsstelle, durch einen Psychotherapeuten oder Arzt gestellt werden. Dazu muss man zuerst das Gespräch mit den eigenen Kindern suchen und ihnen behutsam und vorsichtig sagen, dass man Änderungen in ihrem Verhalten beobachtet hat. Dieses sollte auf keinen Fall in Vorwurfsform oder mit einem „Du bist krank“ beginnen, sondern mit der „Ich“-Botschaft, dass einem Änderungen aufgefallen sind. Vielleicht kann man sie dazu bewegen, einen Test zu machen, um ihr Essverhalten zu überprüfen.

Spielsucht – Zocken ohne Maß

Ähnlich wie die beiden anderen Themenkomplexe hat auch die Spielsucht eine komplexe Entwicklung vom gesunden hin zum pathologischen Spielverhalten hin. So lange man nur gelegentlich spielt, ist dies kein Problem – insofern man auch nur vertretbare Geldsummen setzt. Schleichend geht der Prozess dann aber vor sich: Die Spieleinsätze werden höher und risikoreicher, die Spielzeiten länger und der Bezug zum Alltagsleben geht langsam, aber sicher verloren.

Spielsucht ist indes ein häufigeres Problem, als man gemeinhin denkt. Denn die Betroffenen werden erst dann erfasst, wenn sie sich helfen lassen, und das sind immerhin 500.000 Personen. Die Dunkelziffer dürfte aber noch deutlich darüber liegen, zumal die Möglichkeiten zum Online-Glücksspiel eher noch einen Beitrag zur Verbreitung dieser Sucht geliefert haben – denn die Zugänglichkeit ist dadurch noch deutlich erhöht worden. Zwei Drittel der Betroffenen sind Männer, also hier verstärkt auf den Partner achten.

Die Ursachen für die Spielsucht sind vielfältig. Während sogar eine genetische Disposition eine gewisse Rolle spielen kann, sind oft schwierige Beziehungen zu den Eltern auslösende Faktoren. Hinzu kommen potenzielle Schwierigkeiten mit der eigenen finanziellen Situation, die man durch Spielen auszugleichen versucht – ohne dabei zu realisieren, dass man eventuell nicht nur sich selbst, sondern sein nächstes Umfeld gleich mit ruiniert.

Besonders verlockend ist für Spieler das Gefühl, nah am Sieg dran zu sein. Zudem wird durch die Nutzung von Jetons, Punkten und anderen Ersatztauschmitteln verstellt, dass es dahinter ganz klar um Geldwerte geht.

Beim Spielen ist den Süchtigen das finanzielle Risiko kaum noch bewusst

Wenn man gemeinsame Konten mit dem Partner führt, die er dazu missbraucht, seiner Spielsucht nachzugehen, hat man ihn praktisch schon entlarvt. Denn oftmals sind, so wie bei anderen Süchten, Verleugnungen und klare Lügen Teil der Symptome. Wenn Spielsüchtige spielen, ist ihnen praktisch irgendwann egal, von welcher Quelle sie das Geld beziehen. Es muss nur Geld zum Spielen da sein. Die nächste Runde und das nächste Spiel könnten das Geld ja wieder zurück bringen, glauben sie.

Dabei blenden sie völlig die Tatsache aus, dass Casinos, Spielhöhlen und Spielbanken gewinnorientiert sind und jedes Spiel wahrscheinlicher diesen Institutionen Geld bringen als den Spielern. Und selbst wenn die Spieler gewinnen, werden sie in einem fortgeschrittenen Stadium der Spielsucht so lange spielen, bis der Gewinn wieder weg ist.

Wieder ist der richtige Weg das Gespräch mit dem Menschen, den man für spielsüchtig hält, oder, ist man selbst betroffen, der Schritt, die Sucht zuzugeben. Dann gibt es zahlreiche Beratungsstellen, die man aufsuchen kann. Auch hier gibt es die Möglichkeit, online zu testen, ob man gefährdet ist. 

Das Eingeständnis ist der erste Schritt

Ohne das Eingeständnis, dass ein Problem existiert, ist keine Sucht zu bekämpfen. Man muss dieses Eingeständnis dann allerdings auch als solches behandeln und sofort Hilfe suchen, statt sich einfach amateurhaft in der Selbsthilfe zu versuchen – denn eine Süchtige oder ein Süchtiger kann sich selbst nicht therapieren!

Abbildung 1: fotolia.de © BillionPhotos.com #134776534

Abbildung 2: fotolia.de © fotoak80 #150069215

Abbildung 3: fotolia.de © Peter Atkins #48989693

 

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