Sich mit 30000 Jahre alten Methoden in der heutigen Zeit gesund & fit ernähren? Das geht, dank der Paleodiät.

Es gibt, gefühlt und auch tatsächlich, einige tausend Diätvarianten. Mehr oder weniger effektiv wollen sie durch das Weglassen oder Verlagern auf Nahrungsgruppen, ungewöhnliche Portionen und Essrhythmen oder schlicht „FDH“ zur Wunschfigur verhelfen.

Dabei ignorieren die allermeisten Diäten jedoch, dass auch die moderne Frau sich, trotz sämtlicher Errungenschaften der Zivilisation, fast kaum von ihren urzeitlichen Vorfahrinnen unterscheidet. Und genau dort setzt die Paleodiät an.

Tief in der Geschichts-Kiste

Jede Leserin dürfte schon von der Steinzeit gehört haben, wissenschaftlich als Paläolithikum bezeichnet. Diese Epoche ist untrennbar mit dem Mensch verbunden. Denn schon ihr Populärname sagt aus, dass damals die Vorfahren in unserer menschlichen Ahnenreihe, genauer gesagt:

  • Homo heidelbergensis
  • Neandertaler
  • Cro-Magnon-Mensch

begannen, aus Stein gefertigte Werkzeuge zu nutzen. Doch was genau hat das nun mit dem Hüftspeck des Frühjahrs 2017 zu tun? Es ist einfach, unsere Vorfahren kannten weder das Prinzip von Ackerbau noch Viehzucht oder –haltung. Sie lebten als Jäger und Sammler von der Hand in den Mund.

Steinzeitige Speisekarte

So lecker sie wirkt, wäre diese Pfanne in der Steinzeit leer gewesen. Kartoffeln waren damals hier ebenso unbekannt wie Nudeln

Und damit kommen wir direkt zur Paleodiät. Unsere Vorfahren aßen nämlich im „Ursprungszustand“ des modernen Menschen nur das, was dort vorkam, wo sie siedelten. Sie kannten keine hochgezüchteten Getreidesorten, keine Südfrüchte, keine exotischen Gewürze aus fernen Ländern. Ihre tägliche Nahrung bestand aus:

  • Früchten der Saison
  • Blatt- und Wurzelgemüse
  • Nüsse
  • Kräuter
  • Fisch
  • Fleisch
  • Insekten

Entgegen der früher sehr weit verbreiteten Ansicht gehörten zu diesen sehr jahreszeitabhängigen Speiseplan jedoch auch Getreidesorten – allerdings ausschließlich Wildgetreide. So wissen Forscher heute, dass man schon vor 30000 Jahren die Körner zu Mehl verarbeitete und daraus eine Art Fladenbrot buk.

So mancher mag nun argumentieren, dass Steinzeitmenschen statistisch gesehen nicht sonderlich alt wurden. Allerdings ist das ein Trugschluss. Es stimmt zwar, dass Jäger und Sammler eine geringere Lebenserwartung als die ersten Bauern hatten. Allerdings resultiert das aus den allgemein größeren Härtnissen eines sollen nicht-sesshaften Lebens, etwa einer höherer Kindersterblichkeitsrate.

Nuss-allergisch sollte man für die Paleodiät nicht sein. Die knackigen Leckereien gehören zu sehr vielen Rezepten dazu.

In Wahrheit sieht es so aus, dass Urzeitmenschen, wenn sie es aus dem Kindesalter heraus schafften, durchschnittlich sowohl größer als auch schwerer waren, als die ersten Bauernkulturen. Sie wurden auch älter, bloß bleibt dies bei einem Blick auf rein statistische Lebenserwartungen naturgemäß unberücksichtigt.

Das alles lag daran, dass die Jäger und Sammler hochmobil waren. Sie konnten der Nahrungsversorgung hinterherreisen, sich überall dort niederlassen, wo das Angebot gut war. Die späteren sesshaften Bauern hingegen saßen buchstäblich fest und litten bei Missernten.

Übrigens weiß man heute durch Analysen von Knochenfunden auch, dass viele Krankheiten, die heute Gang und Gäbe sind, damals schlicht nicht existierten. Der Hauptgrund, die Ernährung.

Adieu Smoothies

Doch wie überträgt man diese Ernährungsweise auf die moderne Frau des 21. Jahrhunderts? Eins schon vorweg, es ist dank der Verbreitung von Naturkostläden, Biobauernmärkten und dem verbesserten Sortiment normaler Supermärkte wesentlich leichter als noch vor wenigen Jahrzehnten.

Innereien zu essen, ist eine reine Kopfsache, bereichert aber den Paleo-Speiseplan ungemein um zahlreiche Leckereien.

Allerdings gehört es dazu auch, dass man sich von so einigen liebgewonnenen lukullischen Tatsachen verabschieden muss. So mussten unsere urzeitlichen Vorfahren sehr viel härter zubeißen – und sie konnten es auch, weil ihre Kiefer, die Gebisse und die nötige Muskulatur viel kräftiger waren. Unsere Gebisse sind durch vorgefertigte Speisen und generell falsche Zutatenauswahl ziemlich verweichlicht.

Man muss sich also darauf einstellen, dass in den ersten Wochen die Kiefermuskulatur per Muskelkater protestiert. Keine Sorge, auch unterhalb der zarten Wangenhaut heilen Muskeln ebenso schnell wie im restlichen Körper und eine kantige Kieferlinie hat die Urmensch-Diät auch nicht zur Folge.

Aber man kann gerne bedenken, dass damals Tiere zur Gänze verwertet wurden – es wurden auch die Innereien von Leber bis Niere gegessen. Hier hängt es natürlich vom eigenen „Dschungelkamp-Faktor“ ab, ob man sich daran beteiligen will oder die Grenze bei den heute üblichen Fleischsorten zieht. Möglich ist es jedoch, denn beim gutsortierten Metzger bekommt man auch das Innenleben des Tieres.

Die goldenen Regeln der Paleodiät

Dabei ist die Steinzeiternährung von ihren Grundlagen sehr einfach einzuhalten, denn sie stützt sich auf einige wenige Regeln:

  1. No Sugar – Der einzige Zucker, den unsere Vorfahren kannten, steckte in Beeren und Früchten. Daher ist jede andere Form von Süßungsmitteln untersagt. Das gilt sowohl für Speisen als auch Getränke.
  2. Urgetreide – Manche Paleo-Diätratgeber raten dazu, gänzlich von Getreide Abstand zu nehmen. Hier kann man jedoch entgegnen: Kann man, muss man aber nicht. Wer an einer der drei Formen der Gluten-Unverträglichkeit leidet, eliminiert mit dieser Diät natürlich sämtliche Probleme von Gelenkschmerzen bis Autoimmunerkrankungen. Wer hingegen nicht auf Getreide verzichten mag, muss im Bioladen nach steinzeitlichen Wildgetreidesorten suchen, also Emmer, Einkorn, Dinkel, Gerste und Rispenhirse. Und: Unsere Vorfahrinnen aßen zwar Getreide, aber nur sehr selten und jahreszeitlich. Daran sollte man sich orientieren.
  3. Nur tierische Fette – Dieser Punkt steht konträr zu praktisch allen anderen Diäten, denn pflanzliche Fette sind bei der Paleodiät verboten. Die Steinzeitladies kannten schlicht nicht die nötigen Verfahren, um aus Sonnenblumen und Co. Öl zu pressen. Allenfalls in südlichen Gefilden war Olivenöl bekannt. Wohl aber kannten sie Schmalz aus dem Fett von erlegten Tieren. Und das ist nicht nur sehr gut zum Braten geeignet, sondern wiederum ein gutes Mittel für alle, die unter Laktoseintoleranz leiden.

    Unbedingt anschaffen sollte man sich ein Wildkräuterbuch, denn da draußen wächst vieles, das sehr gut würzt und voll paleo ist.
  4. Keine Milchprodukte – Steinzeitfrauen hatten nur Kontakt zur Muttermilch. Weder hielten sie Kühe, noch molken sie andere Tiere. Und erst recht kannten sie nicht die hochkomplizierten Verfahren zur Herstellung von Käse und anderen Milchprodukten. Folglich, das fand man vor einigen Jahren heraus, konnten Steinzeitmenschen Milchprodukte auch gar nicht verdauen. Ergo müssen auch sie vom Speiseplan gestrichen werden. Wer allzu große Probleme damit hat, sollte auf Schmand und Creme Fraiche setzen.
  5. Keinerlei Fertigprodukte – Alles was zur Gruppe der Convenience Foods gehört, ist bei der Paleodiät untersagt. Nicht nur, weil es sich dabei um eine neuzeitliche Erfindung handelt, sondern weil darin Gewürze und andere Zutaten stecken, die ebenfalls nicht zum Steinzeit-Speiseplan gehörten.
  6. Saisonal und regional – Wer mit den Jahreszeiten lebte, musste das essen, was er vor der Nase hatte. Beim Gemüse sollten also absolut nur Dinge auf dem Teller landen, die in unseren Breitengraden in der freien Natur (nicht im klimatisierten Gewächshaus!) hergestellt werden. Hier ist ein kleiner zeitgenössischer Fauxpas erlaubt, denn es sind natürlich auch Gemüsesorten gestattet, die erst später gezüchtet wurden (und das ist der überwiegende Teil). Beim Fleisch gilt indes, dass es während der Jagdsaison im Herbst gerne auch mal ein Stück Wild sein darf – absolut Bio, naturbelassen und sehr lecker.
  7. Water only – In der Steinzeit stillte man seinen Durst am nächsten Bachlauf oder einer zufällig in der Nähe sprudelnden Quelle. Dass Früchte ausgepresst wurden, um ihren Saft zu gewinnen, ist zumindest zu vermuten. Daher sind auch nur diese Flüssigkeiten als Getränk erlaubt. Aber, wie bei jeder Diät, viel und oft, denn Wasser unterstützt durch Ausschwemmen und Füllen des Magens.

Und das ist auch schon das gesamte Geheimnis hinter der Paleodiät. Neudeutsch würde man es als „reduce to the max“ bezeichnen, also eine Reduktion von allem Überflüssigen. Dabei sei aber betont, dass, auch wenn unsere Vorfahrinnen es nicht hatten, moderne Basic-Gewürze wie Salz und Pfeffer erlaubt sind.

Paleo-Diätplan – nicht vorhanden

Wer sich die Grundregeln aufmerksam durchgelesen hat, der hat mit Sicherheit festgestellt, dass einem dabei sehr viele Freiräume gelassen werden. Ganz richtig, denn auch darin spiegelt sich die geistige Verbindung zu unseren urzeitlichen Vorgängerinnen wieder. Die kannten keine Ernährungspläne, wussten meist morgens sogar nicht mal, was mittags in ihrem Sammelbeutel stecken würde.

Aus diesem Grund gibt es schlicht nicht so etwas wie einen „Paleo-Diätplan“, an den man sich sklavisch halten müsste wie bei anderen Diäten. Man kann sich seine Mahlzeiten frei einteilen und so zubereiten, wie es einem am besten schmeckt.

Paleo-Rezepte

Da es aber unfair wäre, die Leserinnenschaft mit knurrendem Magen zurückzulassen, fehlen natürlich zur Abrundung noch die passenden Rezeptideen – auch wenn unsere Vorfahrinnen weder feste Rezepte noch die heute kulturell etablierten Esszeiten kannten. Übrigens nicht wundern, die Paleodiät hat durchaus sehr deftige Ausprägungen.

Frühstück

Hier bieten sich zwei Wege an, der fruchtige und der herzhafte. Fangen wir mit ersterem an:

Das Urzeit-Müsli: Vier Rühreier braten und abkühlen lassen. Dann einen Apfel klein würfeln, 100 Gramm Trauben zerkleinern und nach Belieben mit gehackten Nüssen aller Art vermischen. Flüssig wird das Ganze durch die Zugabe von Hafermilch. Das ist zwar ein kleiner Cheat, aber trockenes Müsli schmeckt nun mal nicht

Urzeit-Speck: 50 Gramm Schinken werden kleingeschnitten und mit etwas Schmalz in der Pfanne angebraten. Dazu vier Eier schlagen und daraus einen Rührei-Schinken-Mix schlagen. Am Schluss mit Petersilie, Brunnenkresse und anderen lokalen Kräutern würzen. Wer mag, kann auch Knoblauch und/oder Zwiebel dazugeben.

Mittagessen

Auch für die Mittagszeit gibt es wieder zwei Varianten

Höhlensalat mit Ei: Ein Ei hartkochen und würfeln. Feldsalat, Endivie oder anderen lokalen Salat reinigen und rupfen. Mit Olivenöl, Salz und Pfeffer ein Dressing anrühren. Den Salat und das Ei dazugeben und gut vermischen. Dann Kräuter und Nüsse fein zerhacken und großzügig dazugeben. Wer es fruchtig mag, kann durch Hinzugabe von Beeren noch eine süßliche Note einbringen.

Schwarzwurzelwild:  Beim guten Metzger ein Stück Wild vorbestellen. Dies mit Salz, Pfeffer und gehackten Kräutern bedecken und dann in der Pfanne mit Schmalz braten. Die Schwarzwurzeln für 20 Minuten in mit Kümmel gewürztem Wasser kochen. Unterdessen mit Schmand und Kräutern einen Dip anrühren und alles servieren.

Abendessen

Zum Abendessen bietet sich indes ein sättigendes und doch nicht belastendes Gericht aus der Steinzeit-Speisekammer an, die

Urzeitsuppe: Beim Metzger Suppenknochen kaufen und diese in einem großen Topf mit Wasser und Kräutern für mindestens zwei Stunden kochen lassen. Erst danach mit etwas Salz nachwürzen. Nun Gemüse der Saison in mundgerechte Stücke zerkleinern und für eine weitere halbe Stunde köcheln lassen, bis sie die richtige Bissfestigkeit erreicht haben.

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