„Unerzogen leben“ – traumtänzerische Erziehungsstile schuld an Deutschlands Bildungsdesaster?

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Ungezogen leben – eine traumtänzerische Vorstellung!

„Adolf Hitler gründete die DDR.“ Dass einige junge Leute in der Tat so unwissend in deutscher Geschichte sind, ist leider fakt. Dieses Zitat entstammt einem WELT-Artikel vom  5. September 2016, der ein Interview mit Professor Gerhard Wolf aus Bayreuth enthält, es geht darin um die Frage, wie fit Deutschlands Schüler sind, wenn sie an die Universitäten kommen.

Der Professor, der unter anderem Germanistik lehrt, offenbart hierzu Haarsträubendes.

In Sachen Erziehungsstile offenbart Professor Haarsträubendes

So tätigt er beispielsweise Aussagen wie:

So stoßen Sie in Klausurarbeiten auf Sätze wie: „Ein Epos ist ein Gedicht mit klagendem Unterton, welches Leid vermitteln soll“, „Goethes ,Faust‘ gehört zur Gattung des Lustspiels“, „Böll hat den Roman ,Die Blechtrommel‘ verfasst“ et cetera. Es ist ein Trugschluss zu meinen, Faktenwissen habe sich mit Wikipedia und dem allwissenden Netz erledigt. Fehlt es aber an Wissen, füllt man die entstandene Leere mit Emotionalisierung. Das Ergebnis ist dann jene Art von Geschwätzigkeit und Gefühligkeit, die man aus vielen Talkshows kennt und die einen intellektuell nicht weiterbringt.“

Oder:

„Ich sage: Dümmer sind sie nicht als die früheren Generationen. Nach der Intelligenzforschung nimmt der IQ eher zu. Aber viele der Studienanfänger haben noch nicht erkannt, wofür sie in ihrem Leben am besten geeignet sind. Das müssen sie noch herausfinden. Ich hüte mich auch vor Aussagen zur Intelligenz, sondern sage meinen Studierenden: „Sie beherrschen die deutsche Grammatik nicht, weil Sie zu dumm sind, sondern zu wenig lesen oder sich nie systematisch damit auseinandergesetzt haben.“

Nun – sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, erkennen, wofür man im Leben gut geeignet ist: das hat auch was mit der Erziehung im Elternhaus zu tun.

Dass bei der heutigen jungen Generation schon so manches erzieherische Auge zugedrückt wurde, sieht man einerseits in Reportagen wie der eingangs erwähnten, andererseits aber auch in aktuellen gesamtgesellschaftlichen Debatten, wo sich junge Leute nicht selten als sehr unwissend entpuppen.

Fehlendes Wissen um Zusammenhänge ist gefährlich

Oder sich – freilich auch aufgrund fehlenden Wissens um Zusammenhänge – für fragwürdige politische Ziele einspannen lassen.

So kann zum Beispiel – um ein sehr aktuelles Beispiel aus der Politik anzuführen – für komplett offene Grenzen eines Landes (für immer!) nur sein, dem das Wissen fehlt, was dies über kurz oder lang zur Folge hätte. Oder nehmen wir ein Beispiel aus den Untiefen des Online-Datings.

Millionenfach wird hier – von Frauen UND Männern  – darüber geklagt, dass der Datingpartner nach einiger Zeit des intensiven Kennenlernens, des Zusammenseins einfach abtaucht.

Einfach so. Und nie wieder von sich hören lässt. „Ghosting“ heißt dieses verhasste Phänomen.

Vielleicht liegt die Verbreitung des Phänomens auch daran, dass die Leute, die es anwenden, als Kind oder Jugendlicher niemals beigebracht bekommen haben, was Anstand ist, was die Grundlagen der zwischenmenschlichen Kommunikation, wie man Empathie lebt?

Kurzum: vielleicht fehlte in ihrem Elternhaus die Vermittlung von Werten?

Auch mangelnde Intelligenz bei jungen Leuten gibt immer wieder Anlass zum klagen – unter anderem lassen Verbände wie die Handwerkskammer  oft durchblicken, dass es um das Wissen junger Berufsanfänger nicht sehr gut bestellt ist.

Viele Menschen sind verblendet und erziehen ihre Kinder entsprechend

Stichwort Intelligenz: auch hier kann auf ein aktuelles Beispiel verwiesen werden, da es exepmlarisch für vieles steht, was im Land schief läuft und mit mangelner Bildung zu tun hat:

viele hunderte junge Frauen verbündeten sich vor kurzem digital und auch offline mit Gina-Lisa Lohfink, die angeklagt war, in Sachen Vergewaltigung eine Falschbehauptung aufgestellt zu haben. Sie hatte Sex mit zwei Männern, dabei wurde gefilmt. Viele Tage nach diesem amourösen Dreier ging sie zur Polizei und gab an, vergewaltigt worden zu sein.

Eine krude Story, die das Gericht per Urteil als Lüge bewertete.

Ein halbwegs intelligenter Mensch konnte sich das im Vorab von selbst zusammenreimen. Ein Blick auf Gina-Lisa selbst – die die personifizierte Mediengeilheit zu sein scheint – und in etliche seriöse Zeitungsartikel hätte genügt.

Stattdessen mischten sich sogar der aktuelle Justizminister sowie Familienministerin Schwesig in die Debatte ein und verlangten, auch aufgrund des Falls „Gina-Lisa“, ein härteres Sexualstrafrecht.

Dass es ein solches Gesetz geben muss, ist klar, aber ausgerechnet einer Gina-Lisa Aufmerksamkeit zu schenken, ließ Menschen mit Verstand nur mit dem Kopf schütteln.

Frau Schwesig – wie ihr Parteikollege Maas nicht unbedingt ein Intelligenzbolzen – wurde sogar aus hohen juristischen Kreisen heraus für ihre Unkenntnis und ihre Einmischung in diesen Fall gerügt.

Und da sind wir wieder beim „gebildet sein“.

Anti-Pädagogischer Erziehungsstil geht meist schief

Wird über dieses Thema im Zusammenhang mit Kindern oder Jugendlichen debattiert, wird oft festgestellt, dass viele Kinder bei denen Bildungs- und „Social-Skills“-Defizite bestehen, oft nur eine unzureichende – oft sogar eine antipädagogische – Erziehung (gewollt von den Eltern oder eher unbewusst) genossen haben. Die PISA-Studien sind dafür ein Beleg unter vielen.

Und dass es zukünftig noch schlimmer kommen wird – davon gehen Experten aus.

Dass sie bitter recht haben könnten, beweist ein kleiner Surftrip durchs Internet.

Nicht nur fragwürdige Müttermagazine und – blogs, die wie Pilze aus dem Boden schießen, propagieren oft den antiautoritätren bzw. antipädagogischen Führungsstil (oder auch eigenes Unvermögen, das aber in derlei Medien als cool und hip gefeiert wird), nein: eine ganze Szene hat sich zu diesem Thema bereits entwickelt.

Es ist verstörend und erschreckend, was hier teilweise propagiert und empfohlen wird.

Die Internetseite unerzogenleben.com dürfte hierbei den Vogel abschießen. Vor einigen Tagen geisterte – lanciert von diesem Medium – ein Artikel im Netz, der mir auffiel, weil viele Frauen und Mütter ihn bejubelten. Was mich befremdete.

Aus Interesse schaute ich auf der Website vorbei – es ließ mir die Haare zu Berge stehen und bestätigte mich in meinen Beobachtungen, dass im Land in Sachen „Erziehung“ Unheilvolles passiert.

Deutschland verblödet…!

Würde ich am Stammtisch sitzen, würde ich frei von der Leber weg sagen: “Deutschland verblödet“.

Hier eine kleine Kostprobe aus dem Konzept „unerzogen leben“. Na dann (diesen unerträglichen Schwachsinn lancierte übrigens eine „Ruth“, die selbst von sich sagt, dass ihre Kollegen ihre Ausführungen als „sehr geile Scheiße“ bezeichnen – hierauf allein wird sich jeder intelligente Mensch seinen Reim machen…)!

Auf der Website, wo es sich um die Erziehung – bzw. was die Betreiber des Blogs als Erziehung ansehen – handelt, finden sich folgende Aussagen:

„Was ist jetzt eigentlich so schlimm an Erziehung? Vieles. Vor allem auf der psychischen Ebene wirkt sie sich aus. Alice Miller hat dazu viele Jahrzehnte geschrieben und geforscht. Sie kommt zu dem Schluss, dass Erziehung an sich ein Verbrechen am Kind ist.“

Oder:

„…aber sie müssen doch auch mal lernen, dass…?! Keineswegs. Aber sie tun es trotzdem. Immer. Warum Gehorsam hinderlich beim Lernen ist und schreckliche Folgen in der Psyche eines Menschen hat, schildert der großartige Arno Grün in Wider den Gehorsam.“

Und auch:

„Mein Kind muss aber später mal in die Schule/arbeiten. Das Leben ist kein Ponyhof! Keineswegs muss irgendjemand irgendetwas.“

Mehr muss man gar nicht lesen, alle „Ratschläge“ gehen in diesem haarsträubenden Stil weiter.

Kruder Erziehungsstil findet viele Anhänger

Nun könnte man meinen, die Anhänger solch kruder Erziehungsmethoden sind nur Frauen, die in Walle-Walle-Kleidern, in bunten Großtstadtkiezen welt- und realitätsfremd ihren vegangen Tee mit Gleichgesinnten schlürfen und wahrscheinlich schon selbst keine Erziehung mit Regeln mehr genossen haben.

Aber weit gefehlt!

Auch in der Welt der Wirtschaft ist man für fragwürdige Erziehungskonzepte durchaus offen, wie das Beispiel von Titus Dittmann zeigt.

Dittmann kommt im SPIEGEL, Ausgabe 35/2016, zu Wort.

Das Magazin widmet sich in dieser Ausgabe der Benotung von Kindern und plädiert dafür, dass „Noten nicht alles sind“. Kaum verwunderlich in einer Zeit, in denen man das Bildungsniveau am liebsten noch drei Stufen herabsenken und auf das Level der Kinder der – meist illegal – Zugewanderten herabstufen würde. Der SPIEGEL ist bekannt für seine Inhalte, die nicht selten die diskreditieren, die im eigenen Lande für eine gewisse Ordnung und für hohe Standards in vielen Bereichen plädieren.

Dass diese auf dem Terrain von Schule und Bildung arg bröckeln, ist für jeden, der es sehen möchte, ersichtlich.

Man muss sich nur mal den Irr- und Wahnsinn mit den Schulklassen anschauen, in denen sowohl Inklusion als Integration gelebt werden sollen. Erst kürzlich beklagte sich im MDR eine Mutter, dass nun Bildungspläne (es ging um Sachsen, nach NRW sollte man gar nicht erst schauen!) geschaffen wurden, die das wirklich Wichtige hinten runter fallen lassen.

Lehrer sprechen davon, ob dieser wahnwitzigen Verordnungen kaum Zeit mehr für die Kinder zu haben, die auf einem ganz normalen Lernlevel – oder darüber hinaus – sind.

Aber zurück zu Herrn Dittman im SPIEGEL.

Skateboardfahren als Qualifizierung für spätere Arbeit?

Herr Dittmann hat eine bekannte Skateboardfirma aufgebaut und gleicht auch vom Aussehen her noch einem jugendlichen Skater. Man kann ihn sich gut vorstellen auf „Eine-Welt“-Demos, aber auch auf Pegida-Gegendemonstrationen.

Der Skateboard-Enthusiast erklärt im SPIEGEL seine Vorstellung von Bildung anhand eines Skatebords, das ein Junge in Afghanistan fuhr. Das Skateboard ist schrottig und kaputt.

Aber natürlich sagt der Mann jetzt nichts darüber, dass ja vor diesem Hintergrund sogar eine Parallele zur deutschen Bildungslandschaft gezogen werden könnte – nein, nein!

Er erzählt von dem afghanischen Jungen, der das Brett fuhr und gar nicht wieder hergeben wollte. Allein darin sieht er „eine sinnstiftende Komponente, im Bezug auf kindliche Begeisterung“. So weit, so gut.

Dann aber leitet er eine These her, die man gut und gerne als verschroben-krud bezeichnen kann – er meint nämlich, „dass das Skateboard fahren Kinder Fähigkeiten an die Hand gibt, die später Arbeitgeber schätzen.“

Das „ewige Fahren, Hinfallen und Wiederaufstehen, ohne dass Lehrer, Trainer oder Eltern etwas vorschreiben, ohne Zwang…“ ist für ihn das Nonplusultra in Sachen kindlicher und jugendlicher Bildung.

Auch Indoktrination der Politik hat ihren Anteil

Bei gebildeten Menschen, die ihren Kindern sehr wohl eine liebevolle Erziehung mit „Grenzen aufzeigen“, „Konsequenzen an den Tag legen“ und „Werte vermitteln“ angedeihen lassen (wollen), mögen sich die Nackenhaare aufstellen, aufgrund der im Artikel aufgezeigten Meinungen und Erziehungsstile.

Aber sie sind Realität!

Und diese wird täglich weiter vorangetrieben, auch durch eine in die völlig falsche Richtung gehende Politik. Mit Politikern, bei denen mancher Bürger ein gewisses Mitdenken respektive Weitsicht doch mehr und mehr vermisst und die auf dem Sektor der Bildung – wenn es so weitergeht – verheerendes anrichten wird.

Irgendwann läuft das ganze Ding gegen die Wand. Mit vollem Karacho und – mit Sicherheit! – mit der Geschwindigkeit eines Skateboards!

Bildnachweis: Fotolia, https://de.fotolia.com/id/60756895

Datei: #60756895 | Urheber: Finanzfoto

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Nadine Haberlandt
Nadine Haberlandt
2 Jahre zuvor

.. Sehr oberflächlich(auch antifeministisch..ganz nebenbei, aber das wollten Sie ja wohl nicht sein: feministisch oder sonstwie fortschritttlich)- Ihr Statement. „Antiautoritär“ wird mit „BEziehung statt Erziehung“in einen Topf geworfen, Vernachlässigung und sich nicht ums eigene Kind kümmern mit bewusstem Verzicht auf Manipulation, Belohnen , Bestrafen usw. Es gibt durchaus Menschen, die z.B.konservativ sind und trotzdem klassische Erziehung kritisiert haben, wie z.B. Ekkehard von Braunmühl ( „Gleichberechtigung im Kinderzimmer“, „Antipädagogik“..)Wir haben Meinungsfreiheit, o.k, insofern dürfen Sie natürlich Ihre Meinung haben, leider gibt es nur eine Kehrseite von ERZIEHUNG, und die heisst durch die Jahrhunderte: Gewalt an Kindern ( „Lyod de Mause: hört Ihr die Kinder weinen?“)-Adolf Hitler und Co waren salopp gesagt KEINE UNERZOGENEN FREIE PERSONEN , sondern durch „Erziehung“ gebrochene Wesen( damals noch Züchtigung mit Schlägen, z.B Ruten. siehe besagte Alice Miller „Am Anfang..“)

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