Vereinbarkeit Beruf & Familie – was die Politik jetzt tun muss

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Child with megaphonFamilie und Job 2016: „einfach so durchwurschteln“! Vereinbarkeit klappt oft nicht!   

Liest man sich durch die üblichen, platten Frauenmagazine, die – trotz schwindelnder Auflagenverluste – noch immer meinen, den Ton angeben zu müssen, dann sind sie alle unter uns: die supertaffen Business-Frauen, die trotz Kind(er) und Kegel alles schaffen und ihren Job als Geschäftsführerin, Aufsichtsratsvorsitzende oder Start-up-Unternehmerin spielend mit dem Nachwuchs in Einklang bringen und eine tolle Vereinbarkeit von Familie und Beruf leben.

Und natürlich allabendlich raffinierte Gerichte auf den heimischen Abendbrottisch zaubern und sich morgens mit Yoga tiefenentspannt auf den Tag vorbereiten.

Viele porträtierte Frauen werden den „normalen“ Leserinnen als „Frauen von nebenan“ dargestellt, was nicht minder weltfremd ist als die Modeempfehlungen der einschlägig bekannten Frauenzeitschriften („Bluse: 600,00 €, Tasche: 870,00 €, Schuhe, 520,00 €..).

Tatsächlich nämlich sind das allermeist hochprivilegierte Frauen, wie zum Beispiel Sheryl Sandberg, Facebook-Millardärin oder Marissa Mayer, die als Google-Managerin ihre Millionen verdient. Oder prominente Frauen, die alle finanziellen Möglichkeiten haben. Nicht selten auch Frauen, die an der Seite sehr reicher Männer leben. Alles Lebenssituationen also, die mit dem „normalen Leben“ nichts zu tun haben.

Normale Mütter und Väter kämpfen täglich um Vereinbarkeit

Hört und liest man sich dagegen in authentischen Frauen-, Mütter- und Vätergruppen (online wie offline) um, sieht die Sache schon ganz anders aus.

Das ist irgendwie so, als wenn man den Blick, weg von einem Model in den oben genannten Zeitschriften, hin auf die wirkliche Frau „von nebenan“, – oder auch nur auf sich selbst – richtet!

Denn vom täglichen Zubereiten exotischer Gerichte oder gar der Möglichkeiten für allmorgendliche Entspannungsübungen sind berufstätige Mütter und Väter dieser Republik weit entfernt.

Die meisten müssen sich nämlich tagtäglich der Realität eines Landes stellen, das so gar nicht familienfreundlich daherkommt und in dem – trotz allen Fortschritts – ausgerechnet die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kaum bis gar nicht gegeben ist.

Landesfamilienverband Sachsen setzt sich für Vereinbarkeit ein!

Aus diesem Grund veranstalte der sächsische SHIA e. V. Landesfamilienverband Sachsen (ein Verein für Alleinerziehende und Familien in schwierigen Lebenssituationen) die Wirtschaftssozialgespräche zu familiengerechten Arbeitszeitmodellen (Frauenpanorama berichtete hier: https://frauenpanorama.de/alleinerziehenden-verband-shia-bringt-familien-und-politiker-einen-tisch/) und legte – unter anderem – Forderungen an die Politik, wie familiengerechte Arbeitszeitmodelle aussehen und umgesetzt werden sollen, vor.

Diese Forderungen seitens des SHIA e.V. sind klar:

es muss auch denjenigen Frauen und Männern, die in Berufen mit Schichtsystemen oder in künstlerisch-kreativen Berufen, wo eine „nine-to-five“-Arbeitszeit schlichtweg unüblich ist, arbeiten, möglich sein, ein ausgeglichenes und umfangreiches Familienleben zu führen.

Dass das gerade in den letztgenannten Berufsgruppen, die mit abendlichen und nächtlichen Arbeitszeiten einhergehen, bislang kaum oder nur mit hohem organisatorischem Aufwand möglich ist, wurde in den durchgeführten Wirtschaftssozialgesprächen von berufstätigen Müttern und Vätern ganz klar kommuniziert.

Und das ganz ungefiltert! Die unumwundene Kern-Aussage von Leuten, die in solchen Jobs arbeiten, war nämlich mehr als deutlich: „wir wurschteln uns so durch!“

Heißt im Alltag: die Familie bemühen, Oma und Opa einspannen oder/und auf ein Netzwerk aus Freunden oder professionellen Helfern zurück zu greifen, das die Betreuung des Nachwuchses oder/und pflegender Angehöriger absichert, wenn man selbst ins Krankenhaus zur Spät- oder Nachtschicht geht oder – zum Beispiel – in der abendlichen Veranstaltungs- oder Gastronomie-Szene seine Brötchen verdient.

Alles unter einen Hut zu bekommen, ist schwer

Voraussetzung dafür ist freilich, dass man Familie oder/und Freunde und andere hilfsbereite Menschen in seinem sozialen Umfeld hat.

Das ist – bedingt durch unsere extrem mobile Gesellschaft, in der man heute oft fernab der Heimat einen Job gefunden hat – nämlich ganz oft nicht der Fall! Dann gestalten sich die Verrenkungen, alles unter einen Hut zu bekommen, freilich noch schwerer.

Natürlich haben schon viele Unternehmen reagiert und bieten familiengerechte Arbeitszeitmodelle an. Die zwischenmenschliche Kommunikation macht diesbezüglich im Übrigen viel aus. Denn wo miteinander kommuniziert wird, finden sich auch Lösungen!

Schleppender geht’s da schon in der großen Politik zu – von flüssiger Kommunikation ist hier wenig zu spüren. Nicht zuletzt deshalb, weil die Altparteien sich untereinander zerreiben und oft nur überflüssige Streits ohne Lösungen das tagespolitische Geschäft dominieren.

Die geladenen Politiker aus allen Fraktionen des sächsischen Landtages auf den erwähnten Wirtschaftssozialgesprächen, die dort nicht wenige salbungsvolle (und durchaus einleuchtende) Statements verlauten ließen, bekamen in diesen Tagen nun die vom SHIA e.V. Landesfamilienverband Sachsen zusammengestellten „Forderungen an die Politik“ (im Zusammenhang mit der Schaffung familiengerechter Arbeitszeitmodelle) zugestellt.

Es bleibt abzuwarten, was wann davon umgesetzt wird – und somit spannend!

Der SHIA e.V. LV Sachsen wird definitiv dranbleiben!

Forderungen zur Vereinbarkeit

Für Sie, liebe Leserin, lieber Leser, haben wir diese Forderungen nachfolgend zusammengestellt:

1.) Lebens-/Arbeitszeitkonten

Da Mitarbeiter_innen die berufliche Tätigkeit, wenn der Nachwuchs oder/und pflegende Angehörige betreut werden müssen, nur eingeschränkt wahrnehmen können, müssen Lebens-/Arbeitszeitkontengeschaffen werden.

In diese können Mitarbeiter_innen ihre Arbeitsleistung (Arbeitskraft) in Zeiten, in denen keine Familienangehörigen versorgt/gepflegt werden müssen „einzahlen“, um in Zeiten, in denen sie kürzer arbeiten müssen, daraus zu schöpfen bzw. in einer späteren Lebensphase mit ihrer Arbeitsleistung wieder einzuzahlen. Ein voller Lohnausgleich wäre hierbei nur gerecht. Die Schaffung einer Familienkasse muss in den gesetzlichen Fokus rücken.

2.) Reduzierung der Arbeitszeit / 25 bis 30-Stunden-Woche

Eine Reduzierung der Arbeitszeit auf 25 bis 30 Stunden, bei vollem Lohnausgleich, muss das Ziel einer familienfreundlichen Politik sein (siehe auch→Lebens-/Arbeitszeitkonten)

3.) Keine Nacht- und Schichtdienste

Nacht- und Schichtdienste dürfen für Arbeitnehmer_innen mit Kind(-ern) oder/und pflegebedürftigen Angehörigen nicht gelten

4.) Finanzielle Entlastung von Familien

Teilhabe in Form von gängigen Freizeit- und Kreativangeboten muss kostenfrei gestellt werden, ebenso wie das Essengeld und finanzielle Aufwendungen für Bildung und Mobilität.

Frauen und Männern, die auf einen Heimarbeitsplatz zurück greifen, sollte der Internet- und Telefonanschluss seitens des Arbeitgebers bezahlt werden.

Zudem sollte seitens der Arbeitgeber 1 x monatlich ein Pflege-/Behördentag gewährt werden.

Die Altersabsicherung muss auch bei einer generationsübergreifenden Pflege gewährleistet sein, ebenso wie die Gesundheitsvorsorge.

5.) Anerkennung des Status`“Kind“ bis zum vollendeten 18. Lebensjahr

Bis ein Kind volljährig ist, also bis zum 18. Lebensjahr, sollte dafür der Status „Kind“ gesetzlich verankert sein.

6.) Beratungsangebot für Unternehmen

Angesiedelt bei Wirtschaftsverbänden muss es Beratungsstellen, Beratungsangebote, Beratungs-Hotlines geben, die Unternehmen zu familiengerechten Arbeitszeitmodellen beraten. Auch eine Vor-Ort-Beratung in Unternehmen muss gewährleistet sein.

Bildnachweis: Fotolia, https://de.fotolia.com/id/69885820 – Datei: #69885820 | Urheber: Coloures-pic

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