Vorurteile – wie häufig sie uns fehl leiten

Von  |  0 Kommentare

„Was für ein affektiertes Frauenzimmer“ oder „Das ist bestimmt so ein oberflächlicher Werbefuzzi…!“

So oder ähnlich hat doch bestimmt jeder von uns schon mal gedacht, wenn – auf der Arbeit, beim Hobby oder im Umfeld von Familie und Freundeskreiss – Personen in unseren Dunstkreis traten, mit denen bis dato zwar keine verbale Kommunikation erfolgte, über die wir aber bereits ein Vorurteil gefällt haben.

Oft sind es Optik und Gebaren, die uns ein erstes (Vor)Urteil über andere Menschen fällen lassen, obwohl wir von ihnen noch gar nichts weiter wissen.

Wie sehr aber die Angewohnheit vieler Leute, andere Personen erst mal in eine „Schublade“ zu stecken, falsch sein kann, möchte ich anhand eigener, selbst erlebter, Beispiele aufzeigen.

Da war zum Beispiel früher dieses hübsche Mädchen in unserer Kleinstadt. Sie ging nicht auf dieselbe Schule, wie ich, aber natürlich kannte man sich vom Sehen. Sie fiel schon deshalb auf, weil sie immer todschick in „Westklamotten“ (ich bin in der DDR aufgewachsen) herumlief und auch in Sachen Frisur immer wie aus dem Ei gepellt daherkam.

Wie erwähnt: ich kannte sie nur vom Sehen, viele Jahre lang, aber immer wenn ich sie sah, dachte ich: „diese eingebildete Pute schon wieder!“.

Ich bekam zudem mit, dass auch andere Mädchen und Jungen (wir waren ja alle noch im Teenie-Alter) dasselbe dachten und sie in die Schublade „arrogantes-verwöhntes Girl“ steckten.

Nun – irgendwann, ich weiß absolut nicht mehr, zu welchem Anlass, lernte ich Annalena, so hieß das Mädchen, kennen und kam mit ihr ins Gespräch.

Kurzum: wir wurden – ich hätte das nie für möglich gehalten – die besten Freundinnen! Selbst später, als ich mit 19 Jahren meinen ersten Freund hatte, verbrachten wir viel Zeit miteinander – zu viert, denn Annalena hatte dazumal auch einen festen Partner.

Das Ganze ging bis Mitte der 90iger Jahre – der Kontakt verlor sich nur, weil ich mit meinem damaligen Lebensgefährten aus beruflichen Gründen in eine andere Stadt, weit weg der Heimat, zog.

Diese Geschichte war mir von da an eine Lehre und ich versuchte, Leute, die ich aus irgendeinem Grund arrogant oder affektiert fand, nicht sofort in eine Schublade zu stecken – obwohl das nicht immer einfach ist.

Dass ich – wenn ich die „Schubladen“ aufmachte – immer mal wieder falsch lag mit meinem ersten Eindruck, erlebte ich immer wieder. Vor allem in meinem beruflichen Umfeld (Kreativszene), wo sich tatsächlich viele spinnerte und arrogante Leute tummeln.

Da kam es schon vor, dass ich von der einen oder anderen Person annahm, dass sie überheblich ist. Ich wurde allerdings SO oft eines Besseren belehrt, dass ich heute – auch wenn es schwerfällt – keine Vorurteile mehr über Menschen fälle, die ich nicht kenne! Zu oft hat mich meine erste Wahrnehmung fehl geleitet, zu oft habe ich mit eingestimmt, wenn auch andere Leute zu einer bestimmten Person (die sie aber nicht kannten) ein gehässiges Vorurteil abgaben.

Dass die erste Wahrnehmung hier tatsächlich falsch sein kann, habe ich bisher in meinem Leben gelernt, deshalb urteile ich nicht mehr vorschnell! Auch wenn sich  – das muss ebenso gesagt werden – immer mal wieder ein Vorurteil bestätigt, allerdings selten!

Zu diesem Thema habe ich auch noch eine lustige Episode parat – sie ist lange her, aber immer wieder berichtenswert:

auf einer Party, bei der zu fortgeschrittener Stunde die übrigen Gäste alle an der Bar standen, kroch ein junger Mann in Tresen-Nähe auf allen Vieren am Boden herum, hindurch durch die Beine der Umstehenden. Natürlich gab es ein großes Hallo und Gelächter, zotige Sprüche machten die Runde, denn auf alle Umstehenden wirkte der junge Mann natürlich hochgradig betrunken. So mancher schüttelte den Kopf, einige äußerten sich pikiert hinter vorgehaltener Hand, wie man sich denn nur so immens betrinken könne?

Einige Tage später sollte ich noch mal von dem Vorfall hören, ein Bekannter von mir, der mit dem jungen Mann, der auf allen Vieren herumkroch, auf der Party war, erzählte mir, was der Grund der skurrilen Situation war:

der Typ hatte ganz einfach nur eine seiner Kontaktlinsen verloren und sie am Boden gesucht…

Bildnachweis: pexels.com

Frauenpanorama unterstützen? Über eine Spende freut sich Frauenpanorama.de

Frauenpanorama unterstützen? Über eine Spende freut sich Frauenpanorama.de

Hinterlassen Sie ein Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.