8. März – Frauentag: ideologisches Relikt mit sozialistischem Hintergrund

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„Frauentag – das erinnert mich immer irgendwie an den Kommunismus, damit kann ich nichts anfangen!“ So die Reaktion eines Bekannten, mit dem ich gestern kurz das Thema „Frauentag am 8. März“ streifte.

Ehrlich gesagt: auch ich kann mit diesem Tag wenig anfangen.

Ist die Rede vom „Internationalen Frauentag“, wie der Ehrentag fürs weibliche Geschlecht ja richtig heißt, tauchen vor meinem geistigen Auge – in meiner Erinnerung – Frauen in VEB-Betrieben zu DDR-Zeiten auf, allesamt in Kittelschürzen gehüllt und mit angesteckter Nelke über der Brust.

Eine für mich schon immer eher hässliche Blume, unabhängig vom Frauentag.

Da ich mich zu DDR-Zeiten nur in der Ausbildung in volkseigenen Betrieben herumtrieb und ansonsten in privaten Firmen arbeitete (wo dieser Tag, eben weil ideologisch besetzt, eher nicht gefeiert wurde), kann ich wenig mit dem 8. März als Feiertag für mein Geschlecht anfangen.

Zumal ist es immer fragwürdig, wenn Feierlichkeiten im Sinne einer bestimmten Ideologie stattfinden – als einstiges DDR-Kind bin ich da besonders gebrannt.

Und aus nichts anderem als einer kruden Ideologie ist der Frauentag ja entstanden – schon, dass er zu DDR-Zeit so huldigend begangen wurde, sollte Fans des 8. März stutzig werden lassen. Zumal der Tag einst auch als „Kampftag“ ins Leben gerufen wurde, was bei mir abermals negative Erinnerungen an krude DDR-Obsessionen wach ruft.

Wikipedia erklärt das so:

„Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin schlug auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vor, ohne jedoch ein bestimmtes Datum zu favorisieren. Die Idee dazu kam aus den USA. Dort hatten Frauen der Sozialistischen Partei Amerikas (SPA) 1908 ein Nationales Frauenkomitee gegründet, welches beschloss, einen besonderen nationalen Kampftag für das Frauenstimmrecht zu initiieren.“

Wie im Zitat bereits erklärt, drehte sich der Frauentag einst um das Frauenstimmrecht, das heute zum größten Teil Realität und Bestandteil des weiblichen Alltags – und zweifelsohne eine wichtige Errungenschaft! – ist.

Allerdings mischten in Sachen Frauentag von Beginn an Parteien mit.

Dass solche Vereinnahmungen mehr als fragwürdig sind, hat man in allen Zeiten der Geschichte gesehen und auch aktuell speist sich Bürgerunzufriedenheit allerorten auch daraus, dass man Verflechtungen zwischen Parteien, kommerziellen Unternehmen/Initiativen, Gewerkschaften, Medien & Co. als negativ und oft auch propagandistisch empfindet.

Weiter finden sich auf Wikipedia folgende Informationen zum ideologisch besetzen Charakters des 8. März, :

„Am 8. März 1917 – nach dem damals in Russland verwendeten julianischen Kalender der 23. Februar – streikten in Sankt Petersburg die Arbeiter- und Soldatenfrauen und erstmals auch Bauernfrauen der armen Stadtviertel auf der Wyborger Seite und lösten damit die Februarrevolution aus. Zu Ehren der Rolle der Frauen in der Revolution wurde auf der Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen 1921 in Moskau auf Vorschlag der bulgarischen Delegation der 8. März als internationaler Gedenktag eingeführt.

Nach anderer Darstellung war es nach Aufforderung von Alexandra Kollontaj und anderen Vorkämpferinnen Lenin, der in diesem Jahr, 1921, den 8. März zum „Internationalen Frauentag“ erklärte.“

Später dann, zu Zeiten des Nationalsozialismus, wurde der Frauentag am 8. März verboten, stattdessen wurde der Muttertag eingeführt.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der 8. März dann in beiden deutschen Staaten wieder begangen, wenn auch unterschiedlich.

In der DDR war es anfangs eine ideologisch hoch aufgeheizte Veranstaltung im Zeichen des Sozialismus, später dann – in den 80igern – nahm man das nicht mehr ganz so genau und beging zumindest den inoffiziellen Teil der Frauentagsveranstaltungen locker und fröhlich. Meist floss der Alkohol in Strömen und die Nelke am Revers fehlte freilich nicht.

Im Westen hingegen wurden die Themen Weltfrieden und Abrüstung in den Mittelpunkt des 8. März gerückt – eine so hohe Beachtung wie im sozialistischen Teil Deutschlands fand der Tag in der Bundesrepublik allerdings nicht.

Seit 1990 ist das wieder ein wenig anders, da sich feministische Bewegungen mehr und mehr mit dem Datum identifizierten und der 8. März von Aktivistinnen aus diesem Lager wieder mehr in die Öffentlichkeit gerückt wurde.

Allerdings haben sich Thema und Inhalt des 8. März inzwischen ganz auf Mainstream-Linie begeben, man widmet sich nun dem Kampf gegen Rassismus, Sexismus und der Glorifizierung des Feminismus, der aber in den letzten Jahren mehr mit abstoßenden Aktionen als mit wirklich sinnvollen Inhalten für ganz normale Frauen  von sich reden macht.

Ein spezielles Frauenthema ist eher nicht mehr zu erkennen, denn durch die „üblichen Verdächtigen“, die nun mitmischen (Gewerkschaften, feministische Frauenverbände, Parteien), sind die Themen identisch mit anderen politischen Kampagnen.

Gegen Rassismus, Sexismus und für Feminismus und Frauenquote (die Hauptthemen mittlerweile in Sachen Frauentag) ist das gleichgeschaltete politische und mediale Lager ja auf allen Kanälen, während es viel gebotener wäre, sich DEN Frauen zu widmen, die den Laden wirklich am Laufen halten:

alleinerziehenden Frauen, Frauen im Pflege- und Schichtdienst, Frauen, die – immer noch an vorderster Front! – Angehörige pflegen, Frauen, die mit viel Kraft und Energie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (die es ja eigentlich gar nicht gibt!) stemmen, Frauen, die in prekären, harten – oft stupiden –  Jobs arbeiten und Frauen, die sich ehrenamtlich für alte Menschen, (behinderte) Kinder, finanziell benachteiligte Familien, die Natur oder auch Tiere einsetzen.

Leider bleiben solche Frauen meist im Hintergrund, beklatscht werden hingegen obszöne Kampagnen selbsternannter Feministinnen, die mal eben mit nacktem Busen irgendwelche Veranstaltungen stürmen und sich dem Beifall der Mainstream-Medien sicher sein können.

Dass sie ideologisch einen Irrweg gehen, ist diesen Frauen nicht bewusst, aber warum sollte man missionieren? Jede, wie sie mag.

Insofern muss man Alice Schwarzer recht geben, die 2010 folgendes sagte:

„Im Jahr 2010 plädierte Alice Schwarzer für eine komplette Streichung des Tages: „Schaffen wir ihn […] endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März! Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer.“

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!

Bildnachweis: pexels.com

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