Alptraum Absturz – warum die Angst immer mitflog

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Girl in the airportEin Artikel von Mona.

Ich hatte nie Flugangst. Aber ein mulmiges Gefühl beim Fliegen – eigentlich immer. Unterschwellig und eher unbewusst. Ich war eher so der Typ, dem ein wohliges Glücksgefühl in alle Poren strömte, wenn das Taxi erst einmal gen Airport unterwegs war. Fernziele, Fernweh, ferne Welten – war ein Urlaub mit dem Flugzeug angesagt, dann verspürte ich in erster Linie Vorfreude.

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine konnte ich viele Nächte nicht wirklich schlafen, obgleich ich nicht betroffen war und keine Angehörigen bei der Katastrophe verloren habe.

Dennoch – und das geht wohl den meisten von uns in diesen Tagen so – ist dieser entsetzliche Absturz in den Alpen so ungeheuerlich und unfassbar, dass einen dieses Unglück doch arg beschäftigt.

Was mich viele Nächte kurz nach dem Absturz nicht schlafen ließ, waren diese unsäglichen acht Minuten, die sich die Maschine – laut Staatsanwaltschaft und Medien – im Sinkflug befand.

Ich frage mich, was ich gedacht, wie ich die Situation wahrgenommen hätte, wäre ich an Bord dieses Flugzeuges gewesen?

Hätte man selbst diesem Sinkflug Beachtung geschenkt, wäre es einem aufgefallen, dass die Maschine – trotz des Erreichens der Reiseflughöhe – wieder runtergeht oder hätte man sich locker-leicht gedacht „na, die wissen schon, was sie machen, da vorn im Cockpit!“?

Ganz ehrlich: ich denke, dass ich wohl letzteres geglaubt hätte.

Weil wohl die meisten von uns – auch die, die an und für sich keine Flugangst haben – die Ängste, die doch irgendwo im Unterbewusstsein sitzen, wenn es ans Fliegen geht, einfach verdrängen.

Wahrscheinlich ist das so, weil Flugzeugabstürze – im Vergleich zu anderen Verkehrsunfällen – doch relativ selten sind, zumindest in Deutschland, und man, wenn man eine Flugreise antritt (sofern man kein Vielflieger ist…) doch irgendwo meist in freudiger Erwartung ist. In Erwartung eines schönen Urlaubsziels oder – retour – in der Vorfreude auf Zuhause.

Dass auch ich wohl immer schon unterschwellige Flugängste hatte, zeigt sich darin, dass ich jedes Mal – wirklich jedes Mal! – sobald ich in einem Flieger saß, diese A-4-Seiten mit den Sicherheitsbestimmungen nicht einmal anschaute und auch den Sicherheitshinweisen der Crew nie folgte. Immer dachte ich „was für eine Absurdität – wenn der Vogel hier abstürzt nützt das doch alles nichts mehr…!“.

Mehr als einmal ertappte ich mich, wie ich mir sagte „so ein Riesending und das dann in der Luft…“. Dennoch mochte ich vor allem die Starts, wenn es mit Karacho so richtig abging und sich die Maschine Richtung Himmel bewegte. Auch war ich stets jemand, der gern am Fenster saß und neugierig aus dem kleinen Fenster hinausschaute, alles aufsog, was irgendwie unter dem Riesenvogel in Miniatur-Ausführung sichtbar wurde.

Einmal – auf einem nicht enden wollenden Flug von Asien zurück nach Deutschland – kam das Flugzeug, in dem ich saß, in ein schweres Gewitter, häufig blinkten die Anschnallzeichen auf. Ich weiß noch, dass ich fast verrückt wurde, dennoch stellte sich auch auf diesem Flug niemals Panik bei mir ein. Immer und immer wieder sagte ich mir im Stillen „die im Cockpit, die Piloten, die haben das im Griff, wissen, was sie tun, haben Erfahrung“.

Deshalb hätte ich mir wohl, hätte ich in der Maschine, die mutmaßlich absichtlich vom Kopiloten zum Absturz gebracht wurde, gesessen, wohl überhaupt keine Gedanken ob eines Sinkfluges, kurz nach Erreichen der Reiseflughöhe gemacht und darauf vertraut, dass die Jungs im Cockpit schon wissen, was sie machen.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass das vielleicht auch ein Großteil der Passagiere an Bord der Unglücksmaschine gedacht haben mag, obwohl das selbstredend nur eine Vermutung von mir ist.

Wie eingangs erwähnt, grübele ich viel über diese bitteren 8 Minuten nach, einmal habe ich mir in diesen Tagen sogar eine Stoppuhr auf diese Zeit eingestellt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie lang oder kurz das ist, wenn man einfach nur sitzt und nichts anderes macht.

Obwohl diese Zeitspanne zunächst mal gar nicht so kurz klingt, hatte ich das Gefühl, dass das eine verdammt kurze Zeitsequenz ist.

Und meine Gedanken fahren Karussell, kommen immer wieder an den Punkt, an dem ich vor meinem geistigen Auge die Passagiere in dem Flugzeug sehe, wie sie erkennen, dass sie den Bergen nah und näher kommen.

Genau dieses Kopfkino ist es, das sich seit dieser leidvollen Tragödie immer und immer wieder in mir abspielt.

Obwohl weit gereist und stets ohne fühlbare Flugangst geflogen, habe ich mir vorgenommen, erst mal nicht mehr in ein Flugzeug zu steigen. Obwohl es natürlich mehr als unwahrscheinlich ist, dass sich so eine Katastrophe zeitnah wiederholt.

Womöglich steigt ja die Wahrscheinlichkeit, dass man Teil eines solchen Unglücks wird, mit den folgenden Jahren und wäre in nächster Zeit eher nicht gegeben.

Keiner weiß es. Was bleibt, ist eine Fassungslosigkeit, die tief in unser Innerstes dringt. Weil es viele, viele von uns, die gern und häufig reisen (reisten…) auch hätte treffen können. Eine gnadenlose Zufalls-„Lotterie“, die keine Gewinner kennt.

Mein tiefstes Mitgefühl gilt den Angehörigen, die sich auf ihre Lieben gefreut und umsonst am Flughafen gewartet haben.

Zeit wird hier keine Wunden heilen.

Bildnachweis (Symbolfoto): Fotolia, https://de.fotolia.com/id/47626746?by=serie – #47626746 – © HappyAlex

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