Von Böhmermann bis „Perioden“-Blut – Medien im freien Fall?

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9f5e02f1-ad6e-4f28-9835-8046d1b7789aDenjenigen, denen anspruchsvolle Inhalte in den Medien nur ansatzweise etwas bedeuten, ist es schon lange aufgefallen: das sprunghafte Abdriften des Niveaus etablierter Titel.

Ob im Internet oder im Fernsehen – überall werden dem User und dem Zuschauer primitivste Inhalte und Formate als „ganz normal“ offeriert.

Dabei ist es alles andere als das…Gestern zum Beispiel machte im Web ein Foto die Runde, das eine Frau zeigt, die liegt und an ihrer Hose einen Fleck, verursacht durch ihre Periode, zeigt. Die meisten renommierten Frauentitel im Netz zeigten das Foto. Mal war es ohne „Retusche-Balken“ zu sehen, mal mit. Vermeintlich seriöse Titel wie BRIGITTE.de sprangen denn hierbei auch auf den unsäglichen „Trend“ eines „Journalismus“ á la BUZZFEED auf.

Der da – meist in der Überschrift – (sinngemäß) lautet: „wenn Du dies hier siehst, wirst Du staunen“ (wahlweise auch: „schockiert/entsetzt sein“). Die Strategie zielt logischerweise nur auf den schnellen Klick ab, journalistisch relevant oder gar anspruchsvoll sind derlei Beiträge nie.

Allerdings werfen diese primitive Inhalte, die früher nur in so unsäglichen Portalen wie das bereits erwähnte BUZZFEED auftauchten und nun auch die einst mehr oder weniger niveauvollen Titel erreichen, die Frage auf, warum das sein muss?

Denn – sind wir ehrlich – weder haben diese Themen eine Relevanz, noch wird kaum jemand danach gieren, sich so was anzuschauen bzw. über derlei Primitivitäten zu lesen.

Klickt man sich durchs Netz hat man nicht selten den Eindruck, dass alles, was „früher“ medial noch halbwegs seriös daherkam, heute nur noch unterstes Trash-Niveau ist.

Derzeit ist das auch gut im TV zu beobachten. Da werden Leute wie Jan Böhmermann und Caroline Kebekus als die absoluten neuen „Talente“ gehypt, von WELT über Focus bis hin zum SPIEGEL überschlagen sich Magazine mit höchstem Lob über diese beiden.

Dabei ist Kebekus nichts anderes als eine sich vulgär und primitiv ausdrückende Frau, die – warum auch immer – irgendwann den Weg ins Fernsehen geebnet bekam. Dasselbe bei Böhmermann, der gleich mal alle, die ihm nicht in den Kram passen, als „Idioten“ bezeichnet. Dabei sollte er, der schon rein optisch und vom Habitus ein Unsympath allererster Güte ist, sich zunächst selbst mal hinterfragen. Und die Öffentlichkeit am besten gar nicht mit seinen Ergüssen behelligen, das trifft auch auf Kebekus zu.

Bleibt die spannende Frage, ob die Verantwortlichen wirklich der tiefsten Überzeugung sind, dass derlei Personen „Potential“ haben oder ob die Gier nach Klicks und Quoten die Macher dazu treibt, nur noch absurde Niveaulosigkeit unters Lese- und Zuschauer-Volk zu streuen? Abgestimmt nur auf den schnellen Klick und die nur zeitweise hochschnellende Quote.

Denkbar – und absolut vorstellbar – ist aber auch, dass sich sowohl in den Produktions- als auch in den Redaktionsstuben ein Wechsel vollzieht. Dass da aktuell Leute in verantwortlichen Positionen sitzen, die an die schwachsinnigen „Inhalte“, die sie aufwendig produzieren, selbst glauben. Die in Böhmermann und Kebekus tatsächlich Talent sehen. Das ließe tief blicken, wäre aber auch irgendwo logisch, da ja die Journalisten mit Klasse, Stil und Niveau nach und nach abdanken bzw. das schon getan haben.

Wo gibts heutzutage beispielsweise noch jemanden mit dem Format eines Hans-Joachim Friedrich, der einst in der ARD „zuhause“ war?

Haben die Leute, die nun als Journalist_innen nachrücken oft nur den Intellekt einer Fliege oder/und eine Weltsicht, die in der eigenen Wahrnehmung als „elitär“ erscheint? Und deshalb eben auch eine Hose, die mit Regelblut verschmiert ist, als Ansage „das ist Kunst / eine Botschaft“ unters Volk bringen?

Mit der Erwartungshaltung, dass das nun ein großer Teil derer, die das zu Gesicht bekommen, das auch als gut und anspruchsvoll befinden sollen – weil es angeblich kultiviert und gebildet ist?

Das Gegenteil ist der Fall, was auch unschwer an den Kommentaren solcher unsäglichen Artikel abzulesen ist. Die Mehrheit scheint es anzuwidern und nicht die Bohne zu interessieren, der Klick oder der Zuschauer sind am Anfang freilich zunächst garantiert.

Tragfähig aber sind solche Inhalte auf Dauer nicht.

Fragwürdig ist auch, ob die Verantwortlichen das merken (wollen). Oder ob sie weiter krampfhaft gegen den Strom schwimmen und ihre kruden Botschaften unters nicht interessierte Volk bringen wollen.

Selbstredend soll und muss Journalismus kritisch sein, hinterfragend, niemals anbiedernd.

Aber prinzipiell an der Befindlichkeit eines Großteils der Bevölkerung vorbei zu schreiben, – ja – sich auch noch anzumaßen, zu diktieren, was bitte anspruchs- und humorvoll zu sein hat, wer bitte als öffentlich medial bekannte Person zu vergöttern ist – das ist zum Scheitern verurteilt. Definitiv.

Weil es nicht zuletzt an Diktaturen wie einst die DDR erinnert, deren mediale Handlanger seinerzeit dem Volk vorschreiben wollten, was „gut“, „aktuell“ und „anspruchsvoll“ zu sein hat.

Die – vereinfacht gesagt – alles das gehypt haben, was die Masse ablehnte, kritisch sah oder schlicht nicht interessierte. Nur konnten damals und können Medien das auch heute durch ihre (Noch)Kanäle Inhalte so darstellen, als wenn alle anderen genau DAS (das befremdliche) als gut und regulär erachten.

Das funktionierte jedoch damals nicht und wird auch heute nicht funktionieren. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann das große Einsehen (oder Einknicken) kommt.

Wahrscheinlich bedarf es bis dahin noch weiteren Medienmüll mehr. Wie wäre es zum Beispiel mit – Entschuldigung!!! – Bildern einer „durchfall-getränkten“ Unterhose?

Leute wie Kebekus und Böhmermann würden wohl auch dann der breiten Öffentlichkeit noch vorgaukeln wollen, dass das intellektuell anspruchsvolle Kunst ist.

Und sich damit schrittweise selbst ins Aus schießen – auf dem besten Weg dahin sind sie schon jetzt, an der entsprechenden Erkenntnis mangelt es aber derzeit noch.

Bildnachweis: Fotolia, https://de.fotolia.com/id/76944989 – #76944989 – © Yeko Photo Studio

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