Bürgerinitiative will private Silvesterfeuerwerke in München verbieten – so argumentiert sie

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Feuerwerk

Eine Minderheit in Deutschland möchte private Silvesterfeuerwerke verbieten.

Silvesterfeuerwerke sind vielen Menschen ein Dorn im Auge. Vor Jahren noch hingen die Argumente der Feuerwerksgegner zumeist mit dem Schutz der Tiere zusammen. Seit aber eine Minderheit der Meinung ist, dass wir alle schon zeitnah durch das Klima dahinsiechen (was absoluter Quatsch ist!), ist nun auch das gute alte Feuerwerk in den Fokus der Klimajünger geraten.

Feinstaub, Krach und Müll werden häufig ins Feld geführt, wenn es darum geht, ein Verbot von privaten Feuerwerken zu fordern.

Bürgerinitiative will private Silvesterfeuerwerke in Bayernmetropole verbieten

Eine Bürgerinitiative aus München ist hier in ihrem Element. Ein Aktivist der Initiative, die private Feuerwerke in München verbieten will, ist Alexander von Dercks von „Silvesterböllerei? Nein Danke!„. Der verstieg sich im SPIEGEL zu der Aussage, dass „private Feuerwerke nicht mehr in die Zeit passen“.

Zugegeben: Jeder der (kleine) Kinder hat, kennt das – Silvester ist oftmals heikel. Viele Eltern von Neugeborenen sehen der rauschenden Party-Nacht oft mit Sorge entgegen. Ebenso Tierhalter. Die treuen Fellnasen sind natürlich in solch einer Situation besonders gestresst und wissen nicht, was los ist. Aber: Das ganze Spektakel findet nur einmal im Jahr statt, in einer einzigen Nacht. Für wenige Stunden. Haben das Ereignis nicht schon Millionen von Kinder und (Haus)Tieren überlebt? Selbst wenn sie wach respektive unruhig geworden sind? Klar: Aggressive Knallerei ist auch alljährlich ein Thema, kaum jemand ist vor rabiaten Mitmenschen gefeit. Das – man muss das so sagen – war aber schon immer so. Selbst zu DDR-Zeiten gab es Idioten, die Knaller in Diskotheken so rücksichtslos in die Menge warfen, dass den Frauen die Strumpfhosen am Bein in Fetzen hingen.

Allerdings sind das Risiken, die man wahrscheinlich wohl nie ganz ausschalten kann. Und freilich eine Petitesse im Vergleich zu den wirklich drängenden Problemen, die wir in Deutschland (seit 2015) haben. Sagte nicht der ehemalige Innenminister de Maizière, dass wir Deutsche auch mit dem Terror-Risiko leben müssen? Natürlich sagte er das, seinerzeit im Tagesspiegel. Gegen diese echte Bedrohung geht natürlich kaum einer auf die Straße, im Westen Deutschlands schon fast gar nicht! Da lieber arbeitet man sich an Problemen ab, die keine sind. Und ein Silvesterfeuerwerk einmal im Jahr ist kein Problem. Wirklich nicht. Zumal die strahlende Knallerei auch zum deutschen Brauchtum gehört. Und bei Brauchtümern fragt man nicht, ob sie in die Zeit passen oder nicht, sie werden gepflegt. Oft über Jahrhunderte hinweg.

Warum sollten Silvesterfeuerwerke nicht mehr in die Zeit passen?

Und überhaupt: Wer bestimmt denn, dass Feuerwerke nicht mehr in unsere Zeit passen? Und: Wenn die private Knallerei tatsächlich verboten wird, wie verfährt man dann generell mit diesem Thema? Dürfen dann auch auf Hochzeiten oder bei Kirmes-Veranstaltungen keine Leuchtraketen mehr zum Himmel sausen, kein Glitzerfächer sich am Himmel öffnen? Wenn so ein Verbot salonfähig würde, weil man (kleine) Kinder und Tiere als Grund vorschützt, wie schaut es dann in anderen Belangen aus? Dürfen dann keine Sprengungen von Gebäuden mehr vorgenommen werden, weil ja vielleicht Kinder oder Tiere in der Nähe wohnen? Professionelle Sägearbeiten in der Nähe von Wohngebieten nicht mehr vorgenommen werden, weil auch hier Kind und Tier gestört werden könnten? Flugzeuge nicht mehr landen auf Flughäfen in Wohngebietsnähe? Nicht zuletzt: Ist nicht auch für ein Großteil der Kinder hierzulande ein Feuerwerk zu Silvester nicht auch ein tolles Highlight, auf das sie sich freuen?

Wollen wirklich eine Menge Münchner das Verbot?

Fragen über Fragen. Dazu gehört auch jene im Zusammenhang mit der kühnen Behauptung der Bürgerinitiative „Silvesterböllerei? Nein Danke!“, dass sie, die gegen das Feuerwerk in der Bayernmetropole über 6000 Unterschriften gesammelt haben, kühn konstatieren:

„Münchens Bürger haben sich eindeutig gegen privates Feuerwerk ausgesprochen(…).“

Zur Erinnerung: München hat über 1,5 Millionen Einwohner…

Nichtsdestotrotz hat natürlich die Initiative ihre Gründe, logisch! Wir haben deshalb mal direkt nachgefragt, wie die Aktivisten dazu kommen, zu meinen, dass Münchens Bürger sich gegen private Feuerwerke ausgesprochen haben.

Herr von Dercks antwortete uns wie folgt

„Sehr geehrte Frau Vehlen,
entschuldigen Sie die verzögerte Beantwortung Ihrer Mail! Beide von Ihnen uns zugeschriebenen Aussagen sind richtig. Was nicht stimmt ist der Bezug aufeinander.
Wir haben uns von Anfang an bewusst für eine „händische“ Sammlung von Unterschriften entschieden. Internet-Abstimmungen mit „Klick“ gibt es zuhauf, sie sind sehr anonym und wir haben sie als nicht passend zu unserem Anliegen empfunden. Und Ziel und unsere damit auch gemachte Erfahrung war, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und so in Erfahrung zu bringen, warum und wie stark sie ihre Meinung vertreten. In so fern ist die Zahl von 6.000 Unterschriften auch ganz anders zu sehen als  6.000 Unterschriften per Klick. Es war verdammt viel Arbeit, für so ein Gespräch investieren Sie schon mal 15 oder 20 Minuten.
Auf diese Gespräche fußt also unsere erste Einschätzung – dass nämlich die überwiegende Anzahl der von uns Angesprochenen zum Teil sogar ausgesprochen positiv reagierte. Antworten wie „Endlich tut mal jemand etwas dagegen“ waren und sind an der Tagesordnung, abweisende Antworten eher die Ausnahme.
Der 2. Teil unserer Einschätzung beruht auf den Abstimmungen in den Bürgerversammlungen. Wenn man in 24 von 27 besuchten Bürgerversammlungen problemlos und ohne Vorarbeit so einen Antrag durchbekommt dann ist das ein ganz klares Votum. Dass wir in 3 Versammlungen nicht die Mehrheit hatten lag u.a. an Faktoren wie schlechtem Vortrag oder später Uhrzeit.
Was mich persönlich zusätzlich überrascht und erfreut hat war die Stimmung im KVR-Ausschuss des Stadtrats, der die Einschränkung für Silvester 2019/20 beschlossen hat. Dort gab es über alle Parteien (mit Ausnahme der Bayernpartei) hinweg Zustimmung – und zwar so deutlich, dass ich mir sicher war, es wäre auch ein Verbot jeglichen Feuerwerks im gesamten Stadtgebiet beschlossen worden, wäre hierfür die rechtliche Grundlage vorhanden. Die Vorsitzende sinngemäß: „Aber ich frage mich schon, warum wir das Verbot nur auf die Innenstadt beziehen, gerade in den angrenzenden Gebieten wohnen doch die meisten Menschen und leben die meisten Tiere“.
Sie sehen, unsere Schlüsse sind nicht aus der Luft gegriffen. Bitte lassen Sie uns wissen, wenn Sie weitere Informationen brauchen.
Mit freundlichen Grüßen
Alexander v. Dercks
Bürgerinitiative „Silvesterböllerei? Nein Danke!““
Da wir ein freies Land mit freien Meinungen sind, sei der Initiative ihre Meinung natürlich tausendprozentig zugestanden. Und dass sie sich um Tiere und Kinder sorgt, ist total nachvollziehbar. Dennoch dürften die Aktivisten eine Minderheit sein, auch wenn sie es sicher gern anders darstellen. Und wie das so ist mit Minderheiten, so bleiben hoffentlich diese Forderungen das was sie sind: Forderungen. Natürlich hat die eine oder andere Stadt schon Zonen eingerichtet, in denen Feuerwerksverbote herrschen – die Deutsche Umwelthilfe lässt grüßen.

Dass Deutsche Feuerwerke lieben, zeigt die Summe, die sie dafür investieren

Allerdings dürfte dies – wie gesagt – kaum im Interesse der Mehrheit der deutschen Bevölkerung sein. Nicht bei Summen wie zum Beispiel den 137 Millionen Euro, die Leute für Feuerwerksartikel 2017 ausgegeben haben, wie auf dem Online-Portal der FAZ im Dezember 2017 zu lesen ist.
Schon vor diesem Hintergrund dürften die Feuerwerksverbotszonen in manchen Städten denn auch nicht in Stein gemeißelt sein. So was lässt sich eines Tages schnell wieder rückgängig machen. Als einstige DDR-Bürgerin weiß man, wovon man redet!
Und was den Müll betrifft, den Feuerwerke hinterlassen: Wir alle zahlen in Deutschland genug Steuern und Müllgebühren, weswegen man es durchaus erwarten darf, dass die Hinterlassenschaften der Feuerwerke am 1. Januar von der örtlichen bzw. städtischen Müllabfuhr beseitigt werden.
Der Spaß davor für die paar Stunden darf deshalb gern genossen werden!
Bildnachweis: pexels.com

 

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