DDR mit Bananen?

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Altes Ventil EntlftungEin Kommentar von Lucie Gremmler. Kürzlich am Abend: eine heitere Veranstaltung, Stehempfang, mit Hussen verkleidete Tische, an denen man gepflegten Smalltalk führt. Aber in diesen Zeiten bleibt es dabei freilich nicht, die Gespräche kommen schneller auf die politische Lage, als der Sekt nachgeschenkt ist.

Ich komme mit einer Dame ins Gespräch, die in einer hochangesehenen, kulturellen Institution in Dresden arbeitet. Wir kennen uns erst wenige Minuten, aber schon nach kurzer Zeit vertraut sie mir eine Info an, die ich so nicht erwartet hätte. „Ja, sie sei dabei, jeden Montag, im Lager der Asylkritischen“ und „Ja, es gibt Anweisungen seitens der Geschäftsleitung, diese Demos, seit 2014 deutschlandweit bekannt geworden, nicht zu besuchen“. Per internen Mitarbeitermails werde das kommuniziert.

Ich bin baff und diese Information reiht sich ein in ein Gefühl der Fassungslosigkeit, das mich seit Monaten auf bedrückende Art fesselt.

Denn als „DDR-Kind“ fühle ich mich viele Monate schon so, als sei ich in eine Zeitreise-Maschine gestiegen und in einer Art neuen DDR wieder ausgestiegen. Nur, dass es konsumtechnisch an nichts mangelt. Die Geschäfte quellen über vor Plunder, Bananen gibt’s an jeder Ecke.

Aber politisch….!?

Politisch gesehen ist der Teufel los, seit die Bundeskanzlerin die irrsinnige „Wir-schaffen-das“-Parole, in Bezug auf die Asylkrise, ausgegeben hat. Die einen geben ihr recht, die anderen sehen das hundertprozentig anders.

Und während in Familien bittere Streitigkeiten losgehen, Freundschaften zerbrechen und viele sich auf der Arbeit nicht mehr trauen, ihre ehrliche Meinung zu sagen, wird dieses „Wir-schaffen-das!“ medial mit einer Vehemenz befeuert, wie ich sie nur aus der DDR kenne. Fast möchte ich meinen, dass es schlimmer geworden ist.

Mein mediales Repertoire als Jugendliche bestand aus dem Jugendmagazin „Neues Leben“ (wussten Sie, dass diese Magazine so knapp und begehrt waren, dass sie per Abonnement vererbt wurden?), der „Jungen Welt“, der GST-Zeitung, der „Für Dich“ und der „NBI“. Letztere las meine Mutter, ich schnupperte stets mit rein.

Als Tageszeitung hatte meiner Familie die „FREIHEIT“ abonniert, ein eigentlich irreführender Name, denn in der DDR waren wir alles andere als frei. Vor allem nicht in der privaten Meinung – es gab bei den meisten Familien immer eine für „draußen“ und eine „für die Familie“.

Unvergessen, wie mein Vater mir schon in Grundschulzeiten einhämmerte, dass ich auf die Frage: „Was schauen Deine Eltern für Nachrichten?“ bloß niemals mit „Tagesschau“ antworten solle! „Sag Nachrichten – und gut“! meinte mein Vater und ich habe mich an diesen Tipp immer gehalten. Denn: die infame Frage kam tatsächlich und ich antwortete so, wie mir mein Vater geheißen.

Erst die „Aktuelle Kamera“ und danach die „Tagesschau“, das war früher das Ritual meiner Eltern und die Titelmelodie der westlichen Nachrichtensendung war der Sound unserer alltäglichen Abende. Um die politischen Aussagen zu vergleichen, machte sich der Großteil der DDR-Bürger mittels beider Nachrichtensendungen sein eigenes Bild.

Auf dem DDR-Kanal waren immer die gleichen Menschen und Parolen zu hören und zu sehen, gemischt mit damaligen Prominenten, die blöde in die Kamera grinsten und dem Sozialismus huldigten. (Mehr) Privilegien im Staate Honeckers waren ihnen damit sicher.

Und heute? Empfinde ich es genauso. Denn: je lauter die Regierungsproteste aus dem Lager der Bürger schallen, desto vehementer verbreiten die etablierten Medien Nachrichten, die ich als „Propaganda“ empfinde.

So wie erst kürzlich wieder.

Zunächst glaubte ich an einen schlechten Scherz, als ich hörte, dass die Filmproduzentin Regina Ziegler mit Blumen ins Kanzleramt gegangen sei – um sie Bundeskanzlerin Angela Merkel zu überreichen.

„Blumen für die Kanzlerin?“, „Regina Ziegler?“ Hm.

Bis dato fand ich die füllige Film-Producerin eigentlich ganz sympathisch, sie strahlt so was mütterlich-fürsorgliches aus und nervte die Öffentlichkeit nicht mit „Rote-Teppich“-Gedöns. Machte ihre Filme und gut. Dachte ich.

Die „Blumen“-Nummer entsetzte mich deshalb sehr.

Vor meinem geistigen Auge sah ich die blutjunge Katarina Witt vor mir, wie sie Honecker Blumen überreicht. Bilder, die – archiviert – heute im Web zu sehen sind. Die Privilegien einer Katarina Witt zu DDR-Zeiten waren bekannt.

Zudem schien sie wohl irgendwann so abgehoben gewesen zu sein, dass sie – zu einer Zeit, als die DDR schon bröckelte – dem damaligen DDR-Jugendsender „elf99“ ein Statement gab, das sich mir einbrannte und mir die Witt auf immer – bis heute – als unsympathische Tussi erscheinen lässt. Sie sagte nämlich – sinngemäß – „dass sie kein Verständnis für die aus der DDR über Ungarn nach Westdeutschland fliehenden Menschen hat.“ Dabei lehnte sie in einem Spitzenkleid an der Bande einer Eisfläche, noch ein wenig außer Atem vom Schlittschuhlaufen. Ich saß dazumal vor unserem RFT-Fernseher und war entsetzt über diese Frau.

Und heute? Tauchen in schon erwartbarer Regelmäßigkeit mehr oder weniger prominente Personen in den Medien auf, die ihr Loblied auf die zu uns kommenden „Flüchtlinge“ singen. Oder ihre Abscheu kommunizieren, über Leute, die Merkels Politik sehr kritisch sehen. Und dies auf Demos und mit Aktionen kund tun.

Als gäbe es jemanden, der genau hierfür ein PR-Plan geschrieben hat, taucht mit schöner Regelmäßigkeit und in gebührenden Abständen ein anderes bekanntes Gesicht in den Medien auf. Und schimpft wahlweise über kritische Bürger, Demonstranten oder Wähler anderer Parteien als die alteingesessenen („Pack“, „Nazis“, „Wutbürger“, „Abgehängte“).

Das fing an mit dem unsäglichen Til Schweiger, ging weiter mit Roland Kaiser, über Jan Böhmermann, Mario Barth, Oliver Kalkofe, Carolin Kebekus, Campino – bis hin zu Udo Lindenberg. Selbst Leute wie Howard Carpendale taten kund, dass Deutschland den „Flüchtlingen“ gefälligst helfen soll.

Ein Kai Niemann durfte kürzlich sogar in der „Leipziger Volkszeitung“ behaupten, dass ein Großteil der AfD-Wähler „kriminell“ sei. Es wundert mich, dass das offenbar folgenlos blieb.

Und nun: Regina Ziegler. Spaziert – flankiert von Volker Schlöndorff – mit einem Riesen-Blumenstrauß ins Kanzleramt. Medial freilich bestens in Szene gesetzt, besser hätten das auch die DDR-Medien nicht hinbekommen.

Nicht bekannt wurde, wie die selbstherrliche Kanzlerin darauf reagierte, aber das ist eigentlich auch egal.

Auffällig dagegen war, dass nach der Blumenstrauß-Aktion ein Tatort mit der immer ein wenig zu glubschäugig drein schauenden Heike Makatsch über Gebühr erwähnt wurde. Vor allem im Web gab es kaum ein Medium, dass den von Ziegler produzierten Streifen im Vorfeld nicht prominent lancierte und blumig lobte.

Zufall?

Nun, natürlich wird nicht die Bundeskanzlerin diejenige sein, die sich ihren Hintern in Redaktionsstuben platt drückt und Inhalte abnickt – das wissen wir alle.

Eher darf davon – und das ist das fatale – ausgegangen werden, dass wohl der Großteil der Redakteure wirklich an die Dinge, wie sie dem gemeinen Bürger „verkauft“ werden sollen, glaubt.

Davon waren im Übrigen auch im DDR-Sozialismus nicht wenige betroffen. Es gab durchaus Leute, die diese Staatsform als Übergangsstadium zum Kommunismus sahen und felsenfest an diese Ideologie glaubten.

Aber dennoch war es anders – so richtig kann ich es gar nicht beschreiben.

Ja, die Zeitungen und TV/Hörfunkstationen waren voll mit Propaganda, aber ab einem gewissen Punkt war es dann auch mal gut. Vor allem die Kabarett-Szene war ein Hort freier Gedanken – gelang es doch den Akteuren immer wieder, die modrige, politische Kaste durch den Kakao zu ziehen – humorvoll, entspannte Stunden waren somit garantiert!

Abseits der Propaganda wurde nämlich vieles nicht ganz so genau genommen. Beim Pfingstreffen der Jungend in Berlin – ich war bei dem letzten, kurz vor der Wende, dabei – ging es mehr um Feiern, Flirten, Tanzen und Spaß. Und selbst der überzeugteste FDJ-Sekretär saß sonntags gern bei einer Tasse Jacobs Kaffee – übersandt von der Verwandschaft im Westen – und ließ Honecker Honecker und Sozialismus Sozialismus sein.

Klar – man konnte wegen einem politischen Witz nach Bautzen kommen, die Kinder konnten einem abgenommen werden, auch wurde mancher Kritiker im Gefängniss schikaniert und gefoltert.

Nur war aber die Zeit vor der Wende, als es losging mit den friedlichen Demos der Bürger, im Miteinander so ganz anders, als es sich heute gestaltet, die Gesellschaft war nicht gespalten.  Ganz im Gegensatz zu heute.

Da gibt es aggressive Gegendemos gegen friedliche Bürger, Autos gewaltloser Demonstranten werden angezündet, auch Prügel musste so mancher unschuldige, asylkritische, Bürger vom gegnerischen Lager schon einstecken! Wobei – was heißt gegnerisches Lager?

Ich selbst komme häufig mit Leuten zusammen, die gemeinhin als „sehr links“ eingordnet werden. Es gibt hitzige Diskussionen und Streitgespräche, aber am Schluss: immer einen gemeinsamen Nenner und gute, gleichgesinnte Ansichten. Ausgenommen ist eben nur das Asylthema. Ich glaube, das ist vielen gar nicht bewusst, denn auch die Dresdner „Spaziergänger“ sind ja gegen den Gierkapitalismus, ebenso wie die „Linken“.

Erst kürzlich unterhielt ich mich meiner einer sehr links eingestellten Dame und wir stellten fest, dass wir schon auch Grund hätten, GEMEINSAM auf eine Demo zu gehen. Gegen so Ausbeuter wie den Mode-Riesen PRIMARK zum Beispiel.

Insofern: würde man sich jetzt noch auf einen halbwegs gemeinsamen Standpunkt in Sachen „Asyl“ einigen – die Tage der feisten Regierung wären sicherlich gezählt!  Aber das nur am Rande. Zurück zum Thema:

Kaum eine Unterhaltungs- oder Humorsendung kommt gegenwärtig ohne den erhobenen Zeigefinger in Richtung Asyl- und Regierungskritiker aus, Kabarettsendungen und –aufführungen sind lange schon im Schlamm der politischen Correctness versunken.

Neuestes, beschämendes Beispiel hierfür ist der Comedian-Zwerg Bernhard Hoëcker. Lange hat man von ihm nichts gehört, nun tat er sich mit einem besonders peinlichen „Rechenbeispiel“ in Sachen „Flüchtlinge“ hervor. Wahrscheinlich schwört er selbst auf den Mist, den er da via TV verbreitet – vielleicht glaubt ja der bemitleidenswerte Gnom wirklich an seinen publizierten Schwachsinn, eventuell möchte er auch nur durch Selbstdarstellung wett machen, was an Körpergröße fehlt. Leider absolut daneben gegangen!

Sollte er Fans haben, dann sind jetzt sicher einige verprellt. Aber das soll meine Sorge nicht sein!

Ich warte auf Prominente die – wie in der DDR 1989 – ehrlich sind und mit den Bürgern „Seit-an-Seit“ gehen, ihren Bekanntheitsgrad nutzen und ihn eben nicht einbringen in die – zur Propaganda verkommenen – Berichterstattung, die uns durch die „etablierten“ Medien minütlich erreicht.

Ob mein Wunsch erfüllt wird? Ich hoffe es sehr. Einen kleinen Anfang hatte ja letztes Jahr Peter Maffay gemacht. Er schlug vor, dass jedem „Flüchtling“ das Grundgesetz zur Unterschrift vorgelegt werden sollte. Ein tolles Statement! Im Gegensatz zu den Äußerungen der „Systemtrompeten“ lief diese Meldung nur gefühlte zwei Tage über den Ticker, das war es – leider. Jetzt ist er neu verliebt und es scheint fraglich, ob er, dessen Worte Gewicht haben und der eine schiere Masse damit erreichen könnte, noch mal dahingehend von sich reden macht.

Oder müssen wir eher damit rechnen, dass Katarina Witt sich zeitnah wohlwollend über „Flüchtlinge“ äußert? Derzeit taucht sie ja vermehrt wieder auf, ein regierungstreues Statement würde zu ihr passen.

Warten wir es ab. Als in der DDR geborene Frau hoffe ich jeden Tag, dass die Dinge sich richten, normal denkende Menschen Gehör finden und  die Misere mit gesundem Menschenverstand gelöst wird. Meine Hoffnung aber ist auch: nicht mit dieser Regierung und nicht mit den derzeit etablierten Medien.

Die können von mir aus in der Bedeutungslosigkeit versinken. Und die „Noch“-Prominenten gleich mit.

Denn: sowohl in der Medienszene als auch im kreativ-künstlerischem Bereich gibt es viele frische, intelligente Leute, die Potential genug mitbringen.

Für die allererste Reihe!

Bildnachweis: Fotolia, https://de.fotolia.com/id/101621287

Datei: #101621287 | Urheber: animaflora

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