Ernährung: regional besser, aber logistisch eine Herausforderung!

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Ein Gastbeitrag von Anke. Alle Welt redet immer vom – auch sehr wichtigen! – Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Von der Herausforderung, als Familie nicht Supermarkt-Ware zu konsumieren, sondern regionale Produkte (vom Erzeuger) spricht kaum jemand. Obgleich freilich gesunde Ernährung, vor allem mit Produkten vom Bauern, in aller Munde und auch total angesagt ist. In der realen Umsetzung allerdings ist das alles ein wirkliches Problem – sowohl logistisch, als auch zeitlich.

Aber am besten schildere ich  meine eigenen Erfahrungen dahingehend erst mal von vorn:

Nun – mich piept es lange schon an, dass viele Produkte aus dem Supermarkt nicht meinen Anforderungen entsprechen. Zu viele Stoffe, die mir nicht behagen, sind in vielen Lebensmitteln enthalten und in Sachen Fleisch und Wurst können noch so viele tolle Bio/Regional/Fair-Etiketten an den Verpackungen kleben – ich traue dem Frieden nicht! Und darf gar nicht darüber nachdenken, wieviel Tierleid es – trotz zahlreicher Initiativen – doch immer noch gibt.

Auch Tierskandale gaben den Ausschlag

Den Rest dahingehend gab mir letztens ein Posting des bekannten Bloggers Markus Hibbeler, der sehr emotional seine Teilnahme an einem Pressetermin schilderte, in dem eine Initiative grausamstes Tierleid aufdeckte. Soweit ich mich erinnere, war hier ein Stall im Spiel, der Wurst/Fleisch in den Handel liefert. Aber egal, ob das jetzt so in meiner Erinnerung richtig ist oder nicht: Tierskandale werden doch allethalben aufgedeckt – wer glaubt denn noch das Märchen von fairer Tieraufzucht, wenn es darum geht, Supermärkte mit Fleisch und Wurst zu versorgen? Also – ich nicht!

Deshalb muss eine Alternative her! So richtig bewusst wurde mir das wieder, als ich kürzlich auf einem Hoffest war. Ganz in meiner Nähe sogar, denn ich wohne ländlich. Ich kam mit der Familie, die den Hof betrieb, ins Gespräch und erfuhr, was sie so alles anboten. Fleisch, Wurst, Knochen…meist im 5-Kilo-Paket.

Ich fand das toll und recherchierte nach weiteren Produkten in meinem Umfeld, die regional und idealerweise gleich beim Erzeuger zu haben waren.

Denn auch für den Rest meiner Familie stand fest: wir wollen ganz umsteigen! Von Supermarkt auf regionale Produzenten. Soweit so gut und so sinnvoll.

Nur: die Problematik war und ist, dass ganz viele der Produzenten irre weit auseinanderliegen und teilweise auch noch spezielle Öffnungszeiten haben. Ein Haus- und Hof-Metzger in der Nähe öffnet beispielsweise nur Freitags und ein paar Kilometer zu fahren sind es natürlich bis dorthin auch.

Kartoffeln ab Hof sind auch zu haben, allerdings wieder in einer anderen Himmelsrichtung – circa 8 Kilometer von uns entfernt.

Verschiedene Öffnungszeiten und verstreute Lage schaffen logistische Herausforderung

Dann Eier, Milch und Joghurt. Diese gibt es auch in der Nähe und sogar direkt an der Bundesstraße. Direkt vorbei kommen wir dort nur einmal pro Woche, zum Extra-Hinfahren sind es um die 9 Kilometer.

Ein anderer kleiner Hofladen, der ebenso Eier (und auch selbstgemachte Marmeladen führt) hat sich sogar in der Nähe des Horts meines Kindes angesiedelt, allerdings sind auch hier die Öffnungszeiten gewöhnungsbedürftig. Also für uns…Mir ist schon klar, dass die Leute ja auch noch ihre Hauptarbeit stemmen müssen. Egal, ob auf einem eigenen Hof oder im Büro – so mancher, der auf dem Land lebt, macht das ja auch aus Idealismus…!

Aber: ich hole beispielsweise mein Kind um 15.00 Uhr aus dem Hort ab, dann fahren wir heim – immerhin auch 7 Kilometer.

Der Hofladen in der Nähe der Betreuungsstätte öffnet jedoch erst um 17.00 Uhr, man müsste dann also extra noch mal hin. Da der Ort sehr versteckt liegt, kommt man auch nicht mal ebenso daran vorbei, um die Einkäufe mit einer anderen Erledigung zu verbinden.

Dann sollten natürlich auch frisches Brot und Brötchen von Meisterhand – also vom Bäckermeister – gekauft werden und nicht abgepackt im Supermarkt.

Eine solche Bäckerei aber ist auch fast fünf Fahrkilometer von uns weg. Klar – fahren müssen wir ständig, darüber will ich gar nicht jammern, aber sämtliche verfügbaren regionalen Produkte vom Erzeuger einzukaufen, bedeutet eben auch, im Zick-Zack-Kurs über Land zu fahren und das mehrfach die Woche.

Die Suche nach der perfekten Tour auf Weg zu gesünderer Ernährung

Ganz ehrlich: bis heute habe ich hier noch keine Möglichkeit schaffen können, diese Touren in meinen Alltag zu integrieren, geschweige denn DIE effizenteste Tour überhaupt erst mal zu konzipieren. Lediglich zu dem Milch- und Eier-Hof schaffe ich es mehr oder minder regelmäßig.

Das liegt aber eben auch daran, dass mein Partner Vollzeit arbeitet und ich nach den sechs Stunden, die ich arbeite, das Kind hole, mich um Hausaufgaben und Haushalt kümmere, mit dem Kind häufig noch was unternehme (Reiten und Chor – auch alles mit Fahrerei verbunden, aber wiederum alles nicht in der Nähe regionaler Erzeuger) und natürlich auch alltägliche Besorgungen und Wege erledige (tanken, Bank, Baumarkt…).

Dies alles mit den Standorten und Öffnungszeiten der Anbieter von regionalen Erzeugnissen zu kombinieren, ist eine richtige Herausforderung! Und da habe ich über andere Produkte, die ich auch gerne regional einkaufen möchte (Säfte, Gemüse, Honig, Aufstriche, Back- und Kochzutaten….) noch gar nicht gesprochen.

So oder so – ein Plan muss her, denn ich bin fest entschlossen, mich den frischen, regionalen Produkten voll und ganz zu widmen und auch zu konsumieren.

Lieferservice wäre eine Option – gesunde Ernährung mit regionalen Produkten weiterhin das Ziel

Derzeit spiele ich auch mit dem Gedanken, einige Erzeugnisse liefern zu lassen – manche Anbieter offerieren das in meiner Region. Aber auch hier ist erst mal eine kleine Zeitinvestition angesagt, nämlich in die Recherche.

Man sieht: die Umstellung des Konsumverhaltens verlangt einem schon ab, wenn schon, denn schon, den Fokus auch vollumfänglich darauf zu richten.

Allerdings: ich denke, es lohnt sich! Einmal für die eigene Gesundheit und insbesondere natürlich im Hinblick auf das vielfache Tierleid.

Jeder, der hier Zeit investiert und den Mehraufwand auch in Kauf nimmt, zählt.

Bildnachweis: pixabay.com

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