Der Landesfamilienverband Selbsthilfegruppen Alleinerziehender (SHIA) e.V. LV Sachsen fordert, die Bekämpfung und Prävention von Kinderarmut umgehend zur politischen Aufgabe höchster Priorität zu machen.

Mit Blick auf die alarmierenden Daten der aktuellen Sozial-, Bildungs- und Jugendberichte, zuletzt des 5. Armuts- und Reichtumsberichtes der Bundesregierung vom 12.04.2017, appelliert SHIA an die Sächsische Staatssregierung, das im Koalitionsvertrag abgegebene Bekenntnis der Regierungsparteien CDU und SPD im Freistaat Sachsen – „bessere Rahmenbedingungen für Familien in ihrer Vielfalt schaffen“ und dabei den „Bedürfnisse[n] von Alleinerziehenden […] gezielt Rechnung tragen [zu] wollen“ – umgehend umzusetzen. SHIA fordert die Sächsische Staatssregierung dazu auf, einen Landesaktionsplan zur Verbesserung der Lebenssituation von Alleinerziehendenfamilien und ihren Kindern in Sachsen vorzulegen, da ein Großteil der von Armut betroffenen Kinder in Alleinerziehendenhaushalten leben!

„Den Worten müssen endlich und sofort Taten folgen“, so Brunhild Fischer, Geschäftsführerin des SHIA e.V LV Sachsen (im Bild).

“Ein sozial-, bildungs-, beschäftigungs- und wohnungsbaupolitischer Landesaktionsplan, welcher der sozialen Schieflage, der strukturellen Benachteiligung von Kindern aus Alleinerziehendenfamilien und der Diskriminierung Alleinerziehender entgegenwirkt, ist längst überfällig.“

Seit 2005 ist die Armutsquote von Alleinerziehendenfamilien um 6,6 Prozent gestiegen, während sie im gleichen Zeitraum in Paarfamilien um 11 Prozent zurückgegangen ist.

Dass die Teilhabe der Kinder an Bildung, Mobilität, Kunst, Kultur, Sport und Freizeit maßgeblich vom Einkommen der Alleinerziehenden abhängt, zeigt sich beispielsweise darin, dass 39,6 Prozent aller Ein-Eltern-Familien in Deutschland sich eine einwöchige Urlaubsreise mit ihren Kindern nicht leisten können, wie das Europäische Statistikamt Eurostat jüngst feststellte.

Was die Politik zu sofortigem Handeln drängen muss, ist die Tatsache, dass sich das deutsche Bildungssystem zunehmend durch eine soziale Selektivität auszeichnet, welche aus einkommensarmen Familien stammende Kinder bereits im Kleinkind- und Vorschulalter und später in der Schule und weiterführenden Ausbildung benachteiligt und diskriminiert – mit gravierenden Folgen für deren gesamten Bildungs- und Entwicklungsweg.

Verstärkt werden diese Disparitäten durch eine Mietpreisentwicklung in Großstädten, wo der überwiegende Anteil der Alleinerziehendenfamilien lebt: Alleinerziehende sind gezwungen, mehr als ein Drittel, zum Teil sogar die Hälfte ihres Haushaltseinkommens für die Miete auszugeben – Geld, das ihnen für die Bildung und Förderung ihrer Kinder fehlt, ganz zu schweigen von ihren eigenen Rechten.

„Jedes Kind und jeder junge Mensch soll zu jeder Zeit unabhängig von seiner Herkunft in seiner Entwicklung gefördert werden“, heißt es im Koalitionsvertrag der Sächsischen Landesregierung.

Die Realität in sächsischen Kindertagesstätten und Schulen ist von diesem Ziel weit entfernt. Der SHIA e.V. fordert daher eine nachhaltige Armutsprävention und eine umfassende Strukturreform des Bildungssystems: Weg von der sozialen Selektion in Abhängigkeit von Einkommens- und Vermögensverhältnissen der Eltern – hin zu einer inklusiven Pädagogik! Alle Kinder und Jugendlichen sollen gerechte gesellschaftliche Teilhabe und die beste ihren individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten entsprechende Bildung und Förderung erfahren.

Dazu gehört, dass allen Kindern und Jugendlichen das Recht zu gewähren ist auf:

  • kostenfreien Zugang zu allen Schulen und Bildungseinrichtungen, eine unentgeltliche qualitativ hochwertige Kinder- und Hortbetreuung, Schul-, Lehr- und Lernmittelfreiheit, eine kostenfreie qualitativ hochwertige musische, kreative und sportliche Förderung, uneingeschränkte Mobilität und eine unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Personennahverkehr,
  • freien Eintritt zu öffentlich geförderten kulturellen Einrichtungen, Museen, Theatern, Bibliotheken, Bädern    und Sportanlagen und Sportanlagen,
  • ein kostenfreies gesundes Mittagessen in Kindertageseinrichtungen und Schulen,
  • sowie eine vollumfängliche kostenfreie Gesundheitsversorgung.

Der SHIA e.V., der sich seit mehr als 25 Jahren für die politisch korrekte und gleichberechtigte Behandlung von Alleinerziehendenfamilien und für chancengerechte Teilhabestrukturen für alle Kinder engagiert und dafür in diesem Jahr mit dem 17. Frauenpreis der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag ausgezeichnet wurde, bietet der Sächsischen Landesregierung seine basisnahen Erfahrungen, Erkenntnisse und seine Mitarbeit bei der umgehend erforderlichen Erstellung und Umsetzung des Landesaktionsplanes zur Überwindung der Kinderarmut in Sachsen an.

Weitere Informationen zur politischen Arbeit, Projekten, Aktionen und Veranstaltungen sowie zu Beratungsangeboten des SHIA e.V. finden Sie unter www.shia-sachsen.de

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