Meissner Porzellan – Omas Traditionsgeschirr in Trümmern?

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Porzellanteller mit Zwiebelmuster der Firma Leander/China de Boheme/Karlsbader Zwiebelmuster [(c) J O E R G L A N T E LM É, GINSTERWEG 8, D-34125 K A S S E L (H E S S E N), T E L.: 0172-2801434, E M A I L: JOERGLANTELME@T-ONLINE.DE, W W W .FOTO-KREATIV-KASSEL.DE P O S T B A N K F R A N K F U R T BLZ.: 50010060; KTO.: 0278975604 USt-IdNr.: DE112979780]

Er scheint Luxus-Marken zu lieben – aber keine Strategie für das Führen selbiger zu haben, deshalb flog er nun wohl auch bei Porsche-Design raus:  Christian Kurtzke. Der smarte Manager, Typ: „ich-kann-alles-besser“, war von 2008 an, für sechseinhalb Jahre, Chef der traditionellen Meissner Porzellan-Manufaktur und lebte dort – erfolglos und mit satten Geldern vom Freistaat Sachsen – seine Spleens aus.

Meissner Porzellan in den Händen eines Spinners?

War die Marke bis dato für das bekannt, was sie auch als Wort im Namen trägt – für Porzellan – wollte Kurtzke das Unternehmen mit weiteren Luxusgütern aufpeppen.

Von Krawatten über Tücher und Schmuck bis hin zu Tapeten wollte er Produkten aus der Welt des Lifestyles den Luxus-Stempel „Meissen“ aufdrücken. Es wurde ein Desaster.

Nicht zuletzt, weil er auf Lieferanten und Partner setzte, die den hohen Qualitätsanforderungen eines Hauses „Meissen“ überhaupt nicht entsprachen. Dennoch schien er Narrenfreiheit zu haben.

Warum?

Narrenfreiheit beim traditionellen Porzellan-Hersteller?

Bekannt ist, dass Kurt Biedenkopf, einstiger Ministerpräsident Sachsens und lange Zeit Chef des Meissen-Aufsichtsrates, eine enge Beziehung zu Kurtzke gepflegt hat. Ein zu enge? Eine familiäre gar? Im Umfeld der Manufaktur wird gemunkelt, dass Kurtzke der Neffe von Biedenkopf sei. Erklärt sich so die Narrenfreiheit, die der – nach Medienberichten sozial inkompetente – Luxus-Verliebte genoss?

Viele „Otto Normalbürger“ jedenfalls nehmen mit Entsetzen und Befremden wahr, wie sich die 300 Jahre alte Traditionsfirma, die weltweit für exzellente Handmalkunst steht, derzeit wohl selbst zerlegt.

Denn mal ehrlich: die meisten von uns sind doch mit guten Stücken des Meissner Porzellans aufgewachsen – kaum einer, dessen Oma das gute Porzellan mit den zwei gekreuzten Schwertern als Marke nicht in der Vitrine stehen hat oder hatte. Benutzt wurde es ob seiner Kostbarkeit höchst selten – wenn, dann nur an hohen Feiertagen, wie Weihnachten oder Hochzeiten.

Lage ist ernst!

Und nun das! Die althergebrachte sächsische Handmalkunst aus Meissen ist in äußersten Schwierigkeiten und beschäftigte dieser Tage auch die Politiker in „Elbflorenz“.

Wie ernst die Lage ist, beschreibt die Freie Presse in einer Veröffentlichung vom 23.06.16, in der es um eine Debatte zu diesem Thema im sächsischen Landtag ging. Zitat:

„Der Ausflug in die Luxusbranche sei gescheitert, so Scheel. Es könne nur ein Zurück-zu-den-Wurzeln und damit zurück zum Porzellan geben. Doch das wird nicht leicht. Oft seien langfristige Lieferverträge nach Fernost abgeschlossen worden, die nicht ohne weiteres zu kündigen seien, ergaben Recherchen. Vielfach liegt die Produktion der Edelgüter außerhalb Sachsens, wo Qualitätsprobleme dem Ruf von Meissen zu schaffen gemacht hätten.“

Tja – verbrannte Erde. Wie so oft, wenn hochbezahlte, aber eben doch nicht fähige, Manager aufs falsche Pferd setzen. Dass Christian Kurtzke seine Spinnereien so lange ausleben durfte und –zig Millionen Miese verursachte – das alles zudem in einem Staatsbetrieb – ist eigentlich ein Skandal.

Ebenso, dass der jetzige Manufaktur-Chef eine Strategie für maschinell bemaltes Porzellan andenkt. Dann – das dürfte feststehen – hat das Ganze nichts mehr mit dem traditionellen Meissner Porzellan zu tun.

Ex-Manufaktor-Boss nagt sicher nicht am Hungertuch!

Ex-Manufaktur-Boss Kurtzke indes dürfte nicht am Hungertuch knabbern, auch wenn dieser Tage sein Rauswurf bei Porsche-Design bekannt wurde.

Oder kennen Sie einen glück- oder erfolglosen Manager, der je beim Jobcenter anstehen musste? Wohl kaum.

Bleibt zu hoffen, dass nicht die Belegschaft am Ende noch dran glauben muss. Und dass sich jemand Fähiges findet, der den sächsischen Traditionsbetrieb wieder auf Vordermann bringt.

Irgendwie ist das der Staatsbetrieb auch den „Meissen“-begeisterten Omas schuldig. Und DEN Käufern, die in den nachfolgenden Generationen – bis heute – ein Faible für das edle Geschirr aus sächsischen Landen haben!

Bildnachweis (Symbolbild): Fotolia, https://de.fotolia.com/id/38935343

Datei: #38935343 | Urheber: Jörg Lantelme

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