Promis & Normalos im Auswanderer-Fieber: Was zieht die Deutschen in die Ferne?

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Sarah Kern

Zog es nach Malta: Sarah Kern

Die TV-Doku „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“ erfreut sich nicht nur großer Beliebtheit, sondern wird auch von jenen gern geschaut, die ebenso im Auswanderer-Fieber sind. Derzeit dürfte wohl in so jedem Freundeskreis mindestens eine Familie vorhanden sein, die zumindest schon mal an das Auswandern gedacht hat. Nicht wenige Menschen indes kennen Leute, die schon konkrete Pläne für einen Weggang aus Deutschland haben.

Die Gründe derer, die auswandern, sind vielfältig.

Aktuelle Gegebenheiten in Deutschland spielen Rolle beim Auswandern

Während in der TV-Doku auf VOX kaum gesellschaftliche oder politische Gründe eine Rolle zu spielen scheinen (meist reden die Protagonisten von „Abenteuer“, „Sonne“, dem „Fernweh“ oder dem Traum, in die USA zu gehen), spielen die aktuellen Gegebenheiten in Deutschland bei anderen Auswanderern durchaus eine Rolle.

Natürlich wird es auch immer den einen oder anderen geben, der nach einer Krankheit oder einer Insolvenz im Ausland neu anfangen will, so wie aktuell Sarah Kern, die in einer der letzten Folgen von „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“ zu sehen war. Das einstige Glamour-Girl, das mit Designer Otto Kern verheiratet war, ist laut eigener Aussage in eine finanzielle Schieflage geraten und will nach der Insolvenz auf Malta mit ihrem jüngsten Sohn neu anfangen.

Freilich steht die prominente Frau nicht für die Mehrheit der Auswanderer, aber auch ihre Abwanderung beweist, dass das Schweifen in die Ferne sowohl Prominente als auch Normalos beschäftigt.

Aktuelle Zahlen sprechen für sich

Wie sehr, das zeigen aktuelle Zahlen, die fast schon ein wenig erschreckend sind. So zeigte der Autor Josef Kraus unter der Überschrift „Deutschland ist längst ein Auswanderungsland geworden“ in einem Beitrag vom 10. Mai 2019 für das Magazin Tichys Einblick harte Fakten auf.

Die da wären:

  • „2018 wanderten rund 165.000 aus, 2019 dürfen es wohl 180.000 werden. Das ist die Größenordnung kleinerer Großstädte wie Würzburg oder Heidelberg.
  • Das Durchschnittsalter dieser Auswanderer ist 32 Jahre; zu zwei Dritteln sind es Fach- und Führungskräfte.
  • Seit 2001 sind knapp eine Million Bundesbürger ins Ausland gegangen, zu erheblichen Teilen in die USA und in die Schweiz, zunehmend übrigens auch nach Österreich und Ungarn.
  • 68 Prozent erwarten im Ausland einen attraktiveren Job und mehr Geld.
  • Als Gründe für die Auswanderung werden zudem häufig genannt: die Steuerlast und die überbordende Bürokratie. (Ob auch das miefige politische Klima in Deutschland ein Grund ist, danach wurde wohlweislich nicht gefragt.)“

Wie die Zahlen belegen, hat das Heer der Auswanderer aus Deutschland tatsächlich schon beträchtliche Ausmaße angenommen. Und dass die Abwanderung weitergeht, dürfte so klar sein wie das Amen in der Kirche. Dazu reicht auch ein Blick in die verschiedenen Gruppen auf Facebook, wo sich Auswanderer und Auswanderwillige austauschen. Was Europa anbetrifft, so stehen Ungarn und Kroatien für eine Auswanderung hoch im Kurs. Bei den Fernzielen dürften die USA und Kanada bei Auswanderern mit die gefragtesten Länder für einen Neuanfang sein.

Entspannterer Lebensstil lockt viele Auswanderer

Viele Auswanderer, die sich diese Länder als Lebensmittelpunkt ausgewählt haben, geben in den Gruppen an, dort den Lebensstil gefunden zu haben, der einst in Deutschland Standard war. Damit ist oft gar nicht der wirtschaftliche Lebensstil gemeint, sondern zumeist die Tatsache, in anderen Ländern abends noch unbehelligt auf die Straße gehen zu können, ohne überfallen, vergewaltigt oder ausgeraubt zu werden. Auch die Abwesenheit von Messermännern und Pollern in Innenstädten und auf Weihnachtsmärkten genießen viele mit ihrem neuen Leben im Ausland.

Nicht zuletzt lohnt sich eine Auswanderung  für gut Ausgebildete, die ihrer deutschen Heimat den Rücken kehren, auch finanziell. So schreibt die WELT in ihrer Online-Ausgabe vom 05.12.2019 folgendes:

„Finanziell lohnt sich der Schritt ins Ausland in den meisten Fällen. So geben 60 Prozent aller Befragten an, dass sich ihr Einkommen seit dem Wegzug erhöht habe. In der Befragung zeigte sich, dass der monatliche Nettoverdienst von Vollzeitbeschäftigten zwischen den letzten Monaten vor der Auswanderung und dem Zeitpunkt der Befragung im Ausland im Schnitt um stolze 1186 Euro pro Monat angestiegen ist. Das entspricht einem Gehaltsplus von mehr als 14.000 Euro pro Jahr.“

Diese Beispiele zeigen einmal mehr: Die Gründe für eine Auswanderung sind so vielfältig wie die Auswanderer selbst. Ob man diesen Schritt in Erwägung zieht oder gar wagt, muss jeder selbst entscheiden. Fakt ist: Einerseits gibt es auch in anderen Ländern Probleme unterschiedlicher Art, andererseits sind die aktuellen Zustände in Deutschland mancherorts so unerträglich geworden, dass man vollstes Verständnis für jene hat, die hier ihre Koffer packen.

Auch auf ebay macht sich Auswandererbewegung bemerkbar

Wer einen weiteren Beleg für die konstante Auswanderungsbewegung aus Deutschland hinaus haben möchte, sollte mal auf ebay.de vorbeischauen. Das Angebot an hochwertigen Möbeln von offensichtlich gut situierten Menschen dürfte selten so hoch gewesen sein, wie aktuell. Und oft wird der Grund für die Versteigerung des Mobiliars gleich noch mit dazu geliefert – nämlich dann wenn es in der Auktion heißt:

„Wegen Auswanderung zu versteigern“.

Daheimgebliebene Schnäppchen-Jäger profitieren mitunter also auch von den Auswanderern!

Bildnachweis: TVNOW / Seema media / www.tvnow.de

 

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