Reisen mit Säugling – ein Ego-Trip?

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Mother and baby on the boardExotische Länder, Wohnmobilrouten, asiatisches Niemandsland, Indien oder gar der Regenwald: heutzutage ist Eltern mit einem Säugling kein Weg zu weit. 

Der Hintergrund ist die Elternzeit, für die den Müttern und Vätern Elterngeld gezahlt wird. Was eigentlich dazu gedacht war, Menschen, die gerade ein Baby bekommen haben, in der Zeit, in der sie beruflich aussetzen, ein gewisses Budget zu bieten, nutzen immer mehr Eltern oder alleinerziehende Mütter oder Väter zum Reisen.

Aber nicht etwas ins Kinderhotel 80 km weiter – nein, exotisch, weit weg und wenn möglich gleich die ganze Weltreise soll es sein!

Das liest man immer wieder – von SPIEGEL über Brigitte Mom bis hin zu entsprechenden Blogs im Web und man hört es auch im eigenen, persönlichen Umfeld. Und diese Berichte häufen sich.

Mit Säugling in der Elternzeit reisen – das wird immer beliebter

Ebenso freilich die Stimmen, die derlei Reisen mit einem so kleinen Kind sehr skeptisch gegenüber stehen.

Offen gestanden gehöre auch ich zur Fraktion der Skeptiker. Auch wenn fast alle Berichte überzuschäumen scheinen vor Emotionen. Von „toller gemeinsamer Zeit“ ist die Rede, von „inniger Nähe“ und, und, und…

Man hört von vielen der reisenden Eltern, dass sie gern, wo nun das „Kind noch klein ist“ entsprechende Reisen machen möchten und nicht erst (wieder) im Alter ab 45plus. Viele argumentieren zudem, dass es doch „super entspannend“ ist, weil das Kind, wenn es denn erst kurz auf der Welt – was bei den meisten der Fall – ist, viel schläft.

Und – auch das ist ein immer wiederkehrendes Argument solcher reisenden Eltern – dass es doch egal ist, wo man sich mit dem Kind aufhält, Hauptsache man ist zusammen.

Warum in die Ferne schweifen?

Nun, das ist alles nicht abwegig, aber:

warum tut es nicht auch ein Kinderhotel, was binnen einer Stunde erreichbar ist? Wenn denn nun unbedingt weg gefahren werden muss…Warum muss es die große weite Welt, die ferne Exotik sein? Tut man damit den Kindern wirklich ein Gefallen? Man möchte meinen, dass es wohl auch nicht schlecht sein sollte, mit einem Säugling zunächst das „Beieinandersein“ in den heimischen vier Wänden zu genießen. Das Nest, in dem man nun mit einem neuen Familienmitglied lebt.

Ganz abgesehen von den medizinischen und hygienischen Dingen, die wohl für die allermeisten frisch gebackenen Eltern Priorität haben. Ich für mein Teil verstehe Eltern nicht, die z. B. nach Indien fahren oder – in meinen Augen noch schlimmer – eine Weltreise wagen. Natürlich MUSS nichts passieren, aber was, wenn doch? Ganz abgesehen davon, dass in viele ferne Länder Impfungen vonnöten sind. Sollen auch dem so jungen Erdenbürger gleich pharmazeutische Stoffe verabreicht werden? Und wie kann es sein, dass manche locker-fluffig per Wohnmobil durch karge Wüstenstraßen reisen, wo man im Ernstfall vielleicht nicht mal eben eine Arztpraxis ansteuern kann?

Lange (Flugreisen) für Säugling & Co. eine Zumutung

Auch finde ich – das ist meine persönliche Meinung – dass man keinem Kind, dass gerade „frisch“ aus Mamas Bauch auf der Erde „gelandet“ ist, gleich eine lange Flugreise zumuten sollte. Ganz zu schweigen von vielen nicht so idalen Bedingungen für Säuglinge, die an manchen Orten der Erde eben herrschen.

Leider scheint es so, dass bei vielen Eltern – Tendenz steigend – eine ruhige, beschauliche Kuschelzeit im eigenen Zuhause während der ersten Lebensmonate nicht mehr angesagt ist. Fernreise statt heimischer Krabbeldecke, exotische Orte statt der beschauliche Park in der Heimat.

Ich kann das nicht nachvollziehen und in meinen Augen gibt es keinen einzigen Grund mit einem Säugling in ferne Länder zu reisen. Für mich zählt auch kein Argument, das FÜR eine solche Reise spricht und dessen sich solche Eltern oft bedienen, kopfschüttelnd nachzulesen gern hier.

Es ist in meinen Augen schlichtweg nur eines: ein Ego-Trip der Eltern. Die – das ist die ganze Wahrheit – einfach nur eben mal ausreichend Zeit und auch das Geld haben, derlei Reisen anzutreten. Und diese Möglichkeit halt nutzen.

Die Zeit und – bei Besserverdienern – auch das (Eltern)Geld sind da. Also wird gereist. Dass seitens der Eltern wirklich an jede etwaige Situation, die auf langen und fernen Reisen mit einem Baby passieren können, gedacht wird, darf sehr bezweifelt werden.

Dieser Ego-Trip ist auch ein Stück weit verantwortungslos

Und damit handeln solche Eltern auch ein Stück weit verantwortungslos. Auch deshalb, weil man gerade in diesen Zeiten sieht, wie schnell sich Dinge auf der Welt zum negativen verändern können. Und auch die gebildetsten Eltern können nicht wissen, was für Tücken auf einer solchen Reise lauern. Gleichwohl jetten sie natürlich dennoch zu allen möglichen Fernzielen.

Kuschelcouch im Reihenhaus wäre wohl auch zu langweilig.

Für das Kind aber wäre es eines ganz bestimmt: die fantastische Möglichkeit, zuhause anzukommen.

Bildnachweis: Fotolia, http://de.fotolia.com/id/45003235 – © Arkady Chubykin

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