Statt Fellnase aus Tierheim: Sächsisches Paar lässt für 100 000 Dollar verstorbenen Hund klonen

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Hund

Einen tierischen Gesellen klonen – das ist für gutsituierte Privatleute möglich!

Ein Haustier klonen für 100 000 Dollar: Wohlstandsverwahrlosung in Reinkultur oder eine faszinierende Möglichkeit, ein verstorbenes Haustier durch ein genetisch identisches Tier zu ersetzen? Das ist eine gute Frage!

Die aufkommt, wenn man von dem Fall des Unternehmerpärchen aus Sachsen liest, der auf welt.de porträtiert wird. Es geht um den verstorbenen Hund des Pärchens – Simone und Sven – den die beiden in Korea haben klonen lassen. Dabei stellt sich noch eine weitere Frage, nämlich die der Ethik. Ist es ethisch vertretbar, sich ein Haustier, das verstorben ist, als exakte Kopie klonen zu lassen?

Nach Recherche auf Firma gestoßen, die Hund klonen könnte

Auf welt.de ist über das Paar, das von jetzt auf gleich seinen Hund – eine englische Bulldogge – verlor, folgendes zu lesen:

„Für die beiden ist es ein Schock: „Er wurde so plötzlich aus unserem Leben gerissen.“ Ihre früheren Hunde waren an Krebs gestorben, so blieb genügend Zeit, sich von ihnen zu verabschieden. Sven und Simone holen Marlons Leiche, bringen sie zu einem Tierbestatter in Berlin. Dann suchen sie Zerstreuung auf einem Trödelmarkt. Sie treffen eine Bekannte, die ihnen von Barbra Streisand erzählt, der amerikanischen Schauspielerin, die ihren verstorbenen Hund hat klonen lassen. Sven und Simone horchen auf. Wäre so etwas denkbar? Sie beginnen zu recherchieren und stoßen auf die Seite von Sooam Biotech.“

Sooam Biotech hat seinen Sitz in Seoul, Südkorea, und ist auf das Klonen von Tieren spezialisiert. Verantwortlich dafür zeichnet der Forscher Hwang. Das Paar wird dort vorstellig. Auf welt.de wird über Herrn Hwang wie folgt berichtet:

„Ende der 90er, kurz nachdem Klonschaf „Dolly“ geboren worden war, erarbeitete sich Hwang seinen Ruf als „König des Klonens“. Wissenschaftler hatten Mäuse, Katzen, Rhesusaffen, Schweine vervielfältigt, nur Hunde erwiesen sich als besonders schwierig. 2005 gelang Hwang das Kunststück und er präsentierte der Welt „Snuppy“, den ersten geklonten Hund. Zeitgleich sorgte Hwang für Schlagzeilen mit der Behauptung, den ersten menschlichen Embryo geklont und daraus Stammzellen gewonnen zu haben. Es stellte sich heraus, dass diese Ergebnisse gefälscht waren. Zudem hatte Hwang seine Mitarbeiterinnen unter Druck gesetzt, dass sie für seine Forschungen ihre Eizellen zur Verfügung stellen. Hwang fiel tief. Aber Snuppy war echt. Das half Hwang Jahre später, sein Comeback als Klonkönig einzuläuten.“

Wie man weiterhin liest, gehören zu den Kunden des „Klonkönigs“ auch Polizeibehörden. Denn: Einen erstklassigen Spürnasen-Hund hier klonen zu lassen, ist möglich und darauf greift man auch von Behördenseite offenbar gern zurück. Ebenso ist von einem Kunden der Klon-Firma die Rede, der sich für verschiedene Wohnsitze dasselbe Tier hat klonen lassen.

Vorgang des Klonens befremdet

Was befremdlich und abstoßend klingt, setzt sich fort, wenn man liest, wie der Klon-Vorgang vonstatten geht. Nachdem auf welt.de eingehend dargestellt wird, in welchem Zustand das verstorbene Tier des Paares (das im Bericht Marlon I genannt wird) sein musste, bevor es ans Klonen gehen konnte und was für „Handstände“ die beiden machten, um eine Klon-Version ihres verstorbenen Lieblings zu erhalten (Marlon II), steht dort folgendes geschrieben:

„Der Raum, in dem Marlon II vor anderthalb Jahren erzeugt wurde, liegt hinter einer Luftdusche, die Besucher von Staub, Bakterien und Hautzellen befreit. Jong Yun Lee wartet bereits an seinem Mikroskop, vor sich ein Schälchen mit Hunde-Eizellen. Sie wurden vor Kurzem einer Leihmutter entnommen. Über einen Bildschirm kann man den Klonprozess live beobachten. Jong demonstriert es uns an Zellen von Rindern: Er sticht die Eizelle an und saugt den Zellkern mit dem Erbgut der Mutter ab. Mit einer noch feineren Glaspipette bugsiert Jong dann eine der Zellen des zu klonenden Tieres in die Eizelle hinein. Die Sooam-Wissenschaftler nehmen die ganze Zelle, nicht nur den Zellkern. Zum Schluss versetzt Jong der Eizelle einen kurzen Stromstoß, um die Teilung in Gang zu setzen – fertig. Jong erzeugt 59 weitere Embryonen auf diese Weise.

Mit ihnen im Schälchen geht es dann ein Stockwerk tiefer, in den OP. Heute steht keine Operation an, aber normalerweise warten dort drei „vorbereitete“ Leihmütter, wie Jae Woong Wang eindrücklich schildern kann: mit grünen Tüchern bedeckt, betäubt, den Unterleib aufgeschnitten. Hwang setzt die Embryonen direkt in den Uterus ein. Der Grund: „Der Geburtskanal des Hundes ist gewinkelt“, erklärt Jae. „Wenn man die Embryonen intravaginal einspülen würde, könnte man die Leihmutter leicht verletzen.“ Nur zehn Minuten dauert die Operation. Erst nach 30 Tagen kann man sagen, ob die Schwangerschaft geglückt ist. In diesem Falle kommt weitere 30 Tage später der Klon zur Welt. Meistens per Kaiserschnitt.

Spätestens jetzt, wenn man im Operationsraum steht, fragt man sich, wie sehr die Leihmütter leiden. Jae Woong Wang kennt die Kritikpunkte, die regelmäßig von Tierschützern, aber auch Wissenschaftlern vorgebracht werden: Die Leihmütter würden mit Hormonen vollgepumpt, die Öffnung des Uterus und der Kaiserschnitt seien schmerzhaft und belastend für die Tiere. Klonen sei ineffizient und „verbrauche“ viele Eizellen und Embryonen. Zudem litten die Klone an gesundheitlichen Schäden. Die Antworten spult Jae routiniert ab: Die OP sei nur ein kleiner Eingriff, die Leihmütter erhielten keine Hormone, ihre Eizellen würden bei der natürlichen Ovulation einmal im Jahr „geerntet“. Und jede Leihmutter würde maximal drei Klone zur Welt bringen, danach ginge sie zurück an den Züchter, der dafür Geld erhalte.“

Leihmütter-Hunde, geklonte Hunde, teure Hunde – man kommt schon ins Grübeln, wenn man das so liest.

Vor allem dann, wenn man im Hinterkopf die Bilder der Tiere hat, die tagtäglich von Tierheimen und Hilfsorganisationen in den sozialen Netzwerken vorgestellt werden. Arme Geschöpfe sind das oft – gepeinigt, gequält, ausgesetzt und misshandelt.

Parallel hoffen unzählige Tierhilfsorganisationen auf die Liebe von Tierfreunden

Die Hilfsorganisationen kümmern sich um diese benachteiligten Fellnasen und hoffen mit jeder Vorstellung, die sie in der Öffentlichkeit präsentieren, dass die Tiere ein neues, liebevolles Zuhause bekommen.

Demgegenüber stehen Menschen wie die auf welt.de porträtierten – Simone und Sven – die sich mal eben für 100.000 Dollar ihren verstorbenen Hund klonen lassen. Und das offenbar noch aus der Portokasse bezahlen.

welt.de schreibt hierzu:

„Ist Sven und Simone ein Zwilling von Marlon 100.000 Dollar wert? Das Geld ist für das Unternehmerpärchen nicht das Problem.“

Natürlich hat kein Mensch der Welt das Recht, über die privaten Geldausgaben anderer Menschen zu urteilen. Dennoch hat der Fall etwas Geschmackloses. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der Tod ja zum Leben gehört. Und bei Menschen wie dem besagten Pärchen offenbar aber keine Akzeptanz findet. Andere, denen das gelingt, machen ihren Frieden mit dem Tod des Haustieres und gehen eines Tages in ein Tierheim oder wenden sich an eine Tiervermittlungs-Organisation. Für einen neuen tierischen Begleiter. Ob das die bessere Variante ist, vermag keiner zu beurteilen, aber ethisch dürfte es durchaus vertretbarer sein, einer geschundenen Hundeseele ein neues Zuhause zu geben, als einen verstorbenen Hund für teuer Geld zu klonen.

Das Klonen wirft viele gesellschaftliche Fragen auf

Und überhaupt: Wo soll das hinführen? Klont bald auch jeder, der einen geliebten Angehörigen verliert, das einstige Familienmitglied als Kopie? Wird der Tod als solcher seinen Schrecken verlieren, weil bald jedes Lebewesen ja doch ganz schnell wieder geklont werden kann? Klonen dann erwachsene Menschen ihre Oma und ziehen sie – von Geburt an – als Baby auf?

Skurrile und absurde Fragen, die jedoch – nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer immer infantiler werdenden westlichen Gesellschaft – gestellt werden müssen. Parallel zu den wachsenden Möglichkeiten, die sich in Forschung und Wissenschaft auftun.

Zumal große Teile der Gesellschaft nicht mehr akzeptieren können. Nicht das Wetter, nicht Andersdenkende, nicht Fleischesser. Und den Tod offenbar auch nicht.

Dass zudem ein Großteil der Kundschaft der Klon-Fabrik kinderlos ist, wie in dem erwähnten Beitrag auf welt.de zu lesen ist, verwundert deshalb nicht!

Lesen Sie bei Interesse den gesamten Artikel hier.

Bildnachweis (Symbolbild): pexels.com

 

 

 

 

 

 

 

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