Two young office employee wearily sitting behind a desk

„Ist überbewertet“ – diese zwei Wörter liest man in letzter Zeit immer häufiger.

Ist Ihnen das schon mal aufgefallen? Vor allem in den Frauenmedien wird immer wieder von Dingen oder Handlungen geschrieben, die – nach Ansicht der dortigen Schreiberlinge – „überbewertet“ sind.

Nimmt man diese angeblich „überbewerteten“ Dinge und Handlungen mal unter die Lupe, fällt auf, dass es sich zumeist um eigentlich gute, bewährte und / oder traditionelle Dinge handelt, die eher positiv denn negativ zu bewerten sind.

Aber oftmals eben dem absurden „Zeitgeist“ unserer Gesellschaft zum Opfer fallen und deshalb mal eben als „überbewertet“ angesehen werden.
Schauen wir einfach mal auf das „Überbewertete“.

Da sind zunächst die ganz normalen Partnerschaften, zwischen Mann und Frau. Dass es genau diese Konstellationen sind, die über Jahrtausende hinweg dem Nachwuchs Halt und Struktur gaben, wird heutzutage sehr gern weg diskutiert – seit man in sozialen Netzwerken –zig Geschlechter angeben kann, sind Männer und Frauen – klar! – überbewertet. Die klassische Familie sowieso. Denn warum sonst schreibt man seit geraumer Zeit fast hämisch und abfällig über klassische Familien? „Bilderbuchfamilie“, „Haus, Hof und Garten“ – derer Worte und Wortgruppen bedient man sich meist, wenn man diese Lebensform, also die klassische Familie, diskreditieren will.

Man tut nicht selten so, als sei das alles überholt und altbacken und singt eher ein Hohelied auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften oder/und auf Menschen, die sich auf kein Geschlecht so richtig festlegen wollen, die sogenannten Transgender. Erklingt aus diesen Reihen der Wunsch, mit Kindern „eine ganz normale Familie“ sein zu wollen, wird diesem Getöse medial oft der Vorrang gegeben.

Hat das doch irgendwie was Exotisches – ganz im Gegensatz zu dem als altbacken geschmähten herkömmlichen Familienmodell. Klar hat heutzutage jede Daseins- und Familienform ihre Berechtigung, aber per se alles Herkömmliche als „überbewertet“ zu schmähen ist nicht nur ein besorgniserregender Trend einer immer tendenziöser werdenden „Presse“, nein, es offenbart auch die viele Unzulänglichkeiten, die vor allem die Generation der heute 25 bis 35-jährigen begleiten.

Da allerdings das Bewusstsein dafür fehlt, dass es Unzulänglichkeiten sein könnten (man aber wahrscheinlich unterbewusst schon irgendwie merkt, dass da irgendwas fehlt…) wird es eben als „überbewertet“ bezeichnet, als nicht so wichtig.

Gut nachvollziehbar ist das in der „Single“-Szene. Eine Gesellschaft, leider schon viel zu umfangreich aus mobil-flexiblen Arbeitnehmern und viel zu vielen willigen Konsumenten bestehend, hat nun mal viele Singles in ihren Reihen – ganz klar. Dass diese für den immer größer werdenden, globalisierten Markt besser sind als gebundene Leute, die womöglich noch irgendwo ganz unflexibel ein Haus gebaut haben, ist doch klar. Nicht zuletzt lauern an jeder virtuellen Ecke Single- und Seitensprungportale, so dass dieses Überangebot an menschlichen Kontakten bei vielen Solisten dazu führt, dass sie beziehungsunfähig sind. Macht aber nichts, der Mythos des „überbewertet seins“ verfängt auch hier und wird – auch von langjährig bestehenden Frauenzeitschriften – eifrig befeuert. Ein Zitat aus der BRIGITTE: „Glücklich Single: Das Leben als Paar ist überbewertet!“

Wie schön also, dass es in so vielen Lebensbereichen die Möglichkeit gibt, sich herauszureden! Und sei es nur vor der inneren Stimme, die vielleicht doch eher mahnt, dass eine feste Partnerschaft so schlecht ja eigentlich nicht wäre…!

Wenn man es zudem genau nimmt, sind es fast immer herkömmliche und bewährte Werte, die medial das Stigma „überbewertet“ aufgedrückt bekommen. Auch die deutsche Sprache hat man sich auserkoren.

Anreden wie „Liebe Zuschauer“ – das war mal! Eine kleine Minderheit diktiert in unserer Gegenwart, wie heute die Ausdrucksweise „zu sein hat“, denn – man ahnt es – auch die deutsche Sprache scheint „überbewertet“! Deshalb muss nun womöglich überall auch ein sperriges „_innn“ dran gehangen werden – „gendergerecht“ ist das irre Gebot der Stunde! Als hätte sich je die Mehrzahl der Frauen daran gestört auf einer Veranstaltung mit „Liebe Zuschauer“ angesprochen zu werden. Dass sich deshalb gegen das sogenannte „Gendern“ großer Widerstand regt, ist richtig und sehr gut.

In diesem Zusammenhang, noch gepaart mit dem Thema „Feminismus“ las ich dieser Tage sogar eine Headline, die da hieß „Das Diktat der Ungeküssten“. Da kann sich jeder selbst seinen Reim drauf machen…!

Kommen wir zum Kochen. Eine Fähigkeit, die viele Frauen nicht mehr besitzen. Ebenso wie die Bewältigung verschiedener Dinge im Haushalt. Ich erwähne jetzt die Männer explizit mal NICHT, die sollen sich lieber um Ölwechsel und Tapezierarbeiten kümmern, von jeher bin ich dafür, dass jeder das macht, was er am besten kann und es gibt nun Mal gewisse Dinge, die Männer oft besser können.

Weil aber eben vor allem (junge) Frauen heute nicht mehr wissen, wie man diese oder jene Speise frisch zubereitet oder wie man die Wäsche so aufhängt, dass sie gut trocknet, wird auch das blitzschnell zu „überbewertet“ erkoren, damit nur nicht hinterfragt oder gar weiter gedacht wird. Mein Eindruck, der sich vor allem bei der Lektüre des Blattes „BRIGITTE MOM“ bestätigt. Dass Mamas hier Freude am Kiffen haben und stolz drauf sind, die nasse Wäsche irgendwie so über die Leine gewirbelt zu haben („trocknet auch so“ lauten dann sinngemäß die Statements), gehört wahrscheinlich zur medialen Lebenswelt der „MOM“ dazu.

Wahrscheinlich haben es die Redakteurinnen schon gar nicht mehr von ihren Müttern gelernt. Sich bewährtes bei Muttern abzuschauen, gilt sicher auch als „überbewertet“. Nicht zuletzt wird in diesem Blatt für Mütter auch immer wieder der Tenor angestimmt, dass „nichts zu sein braucht, wie einst bei Muttern“. Wahrscheinlich versteht sich das Blatt ein bisschen als „Hippie-Sprachrohr“, was beispielsweise Berichte über Mütter, die mit Kleinstkindern auf laute Rockkonzerte gehen oder mit kaum Geborenen in den Dschungel reisen, zeigen. Motto „lasst es rocken als Neu-Mama, Kuscheln und Nestwärme daheim ist überbewertet“! Man will ja nicht so sein, wie einst Mama.

Auch so eine fragwürdige Behauptung. Ich zum Beispiel hätte nichts dagegen, so zu werden wie meine Mutter, in meinen Augen hat sie alles richtig gemacht.

Tja. Die Sache mit dem „überbewertet“.

So kann man gewisse Unfähigkeiten eben auch übertünchen, wird medial noch „Beifall geklatscht“ bedarf es auch des eigenen Hinterfragens wohl nicht mehr.

Zudem scheint es als unfein zu gelten, heutzutage noch irgendetwas einen hohen Stellenwert beizumessen. Tut man es doch, kann man drauf warten, dass aus irgendeiner Ecke irgendein „Experte“ vor die Mikros tritt und auch das als „überbewertet“ bezeichnet.

Die Geburt zum Beispiel. Ich denke, dass wohl die allermeisten Frauen und Männer übereinstimmend der Meinung sind, dass die Geburt eines Menschen ein ganz besonderes Ereignis ist. Für Frauen sowieso – keine Frage!

Nun – auch hier lassen die mahnenden Stimmen aus der bunten Medienwelt nicht lange auf sich warten. “Das Ereignis Geburt wird überbewertet”, sagt so zum Beispiel die Hebamme und Buchautorin Livia Görner gegenüber der Zeitschrift BRIGITTE MOM, im Jahr 2014.
Erklärt das gar die vielen Kaiserschnittgeburten „auf Wunsch“?

Ist so manche Frau, die eigentlich keine Kaiserschnittgeburt haben sollte, vielleicht nur unfähig, sich den brutalen Schmerzen einer natürlichen Geburt hinzugeben? Das aber nicht zugeben mag und deshalb auch hier das klebrige Etikett der „Überbewertung“ zur Hand hat? Um einen unnötigen Kaiserschnitt, den man mal eben plant wie einen Friseurtermin, zu rechtfertigen?

Fragen über Fragen, die uns da medial kontinuierlich in Sachen „wird überbewertet“ entgegen springen.

Bleibt wahrscheinlich nur ein einziger Schluss: die Meinung der Medien, derzeit auch vielerorts als „Lügenpresse“ bezeichnet und derer, die das so leben, ist ganz bestimmt nur eines: ÜBERBEWERTET.

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