Wenn das Zentralgestirn plötzlich mal fehlt – ein Lob auf die moderne Mutter

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Man with laundry basket and huge pile of clothes

Ein Gastbeitrag von Frank Neubert.

In Zeiten eines grassierenden, fehlgeleiteten Feminismus mit immer absurderen Quotenregelungen ist der folgende Text vielleicht kontraproduktiv für die Sache des Mannes. Aber einmal muss gesagt werden, was gesagt werden muss. Ein Lob auf die moderne Mutter.

Vor einigen Jahren gab es doch da diesen Film, in dem die Erdrotation zum Erliegen und damit alles auf dem Planeten durcheinanderkommt.Vögel fielen orientierungslos vom Himmel, das Magnetfeld drohte zu kollabieren. Alles ein ziemlicher Weltuntergang.

Aber nichts im Vergleich zu dem, was passiert, wenn plötzlich das „Zentralgestirn“ der Familie, die Mutter, fehlt.

Dabei muss man nicht gleich an das Schlimmste denken. Es reicht, wenn Mama in den Zeiten der Globalisierung wie eine tatkräftige Uckermärkerin gern sagt, zum Auslandseinsatz muss. Mutter in Spanien, Polen offen.

Mit der Formel lässt sich umschreiben, was sich schon an Tag zwei (In dem Hollywoodfilm wurde zur Dramatisierung auch immer „Tag eins“, „Tag zwei“  usw. eingeblendet) ohne den Dreh- und Angelpunkt des Familienuniversums abspielt. Nicht nur, dass plötzlich die Wärme fehlt, auch die Bahnen sämtlicher Trabanten kommen in Unordnung, wenn  der Vater unversehens von seiner gemütlichen Außenbahn ins Zentrum rücken muss.

Selbst die Katze guckt scheel und stellt auf Selbstversorgung um.

Fällt die mütterliche Absenz zusammen mit einem typisch deutschen Schulanfang ist D-Day und Apokalypse now an einem Tag. Als Vater und Mann pfeift man tatsächlich dann und wann die alte Schlagerzeile „das bisschen Haushalt macht sich von allein“. Sicher. Die Wäsche wird schon mal  aufgehängt und auch das Kochen am Wochenende für die Lieben macht Spaß. Aber das viele Klein-Klein aus Kita und Schule ist bei der Mama besser aufgehoben.

Die hört selbst nach einem Zehn-Stunden-Tag noch zu, welche Plastikmännlein gerade en Vogue sind und was der Marvin heute wieder auf der großen Hofpause in der Lehrertoilette gemacht hat. Das spätestens ist der Punkt, wo der Vater sich gedankenschwer mit einem Bierchen in die Hobbywerkstatt zu Größerem zurückzieht. Aber das alles geht nicht, wenn Muttern plötzlich nur noch über Skype am Abendbrottisch erscheint. „Sun always shines on TV“ von Aha hilft hier nur kurzfristig weiter.

Einiges lässt sich noch über die vielgepriesenen modernen Kommunikationsmittel regeln, aber dem großen Tsunami ist Mann nun allein ausgesetzt.

Und dabei  steht er vor Unerbittlichem, wie es Herbert Grönemeyer einst als forscher Kriegsberichter in Wolfgang Petersens preisgekrönter Serie „Das Boot“ beschwor. Was es alles zu beachten gibt!

Da müssen Brotdosen nach den speziellen Vorlieben gefüllt werden. „Keine Butter unter den Frischkäse.“ Die Trinkflaschen im richtigen Verhältnis Saft-Wasser  gefüllt werden. Wohl dem, der hier auf Milde und Nachsicht seiner Kinder zählen kann. Am Nachmittag geht es dann erst richtig los. Vor allem in der ersten Woche nach den großen Ferien.

So etwa muss es in großen Wirtschaftskanzleien zugehen, wenn der Vorstand neu besetzt wird oder die Fusion zweier Großkonzerne ansteht. Gefühlt 50 Seiten prasseln auf das zeitweilig alleinige und vor allem in diesen Dingen völlig ungeübte Elternteil ein. Das sind Telefonnummernlisten mit zig Alternativangaben („falls keiner der Obigen erreichbar ist“) auszufüllen. Fehlt nur noch, dass „Berliner Testament“ oben drüber steht und gefragt wird, was mit Hund und Motorrad werden soll, wenn an besagten Nummern niemand nach dem dritten Klingeln abnimmt.

Dazu kommen Warentermingeschäfte in Form von Milchgeldabrechnungen mit der Bemerkung des Kleinsten, das Geld wäre eigentlich schon gestern fällig gewesen. Essenbestellungen werden teilweise online, teilweise noch old school auf Papier gemacht. Dazu kommen noch die Ankündigung für die Klassenfahrt, samt Kostenanforderung bis Ende August, die Reiterlaubnis, die Mitfahrerlaubnis, die Fahrraderlaubnis und die Genehmigung für die Benutzung der Straßenbahn. Letztere noch ohne Nachweis eines Kurses in Selbstverteidigung.

Ergänzt wird das Genehmigungswesen von der Fotoerlaubnis und diversen Hinweisen zu Schuhwerk, Kleidung und Schmuck im Sportunterricht.

Das alles muss in Echtzeit erledigt werden, nur unterbrochen vom Einschlagen der neuen Lehrbücher. Damit dabei gar nicht erst Routine aufkommt, wird das Ganze aufgelockert durch Telefonate, deren Ziel es ist, die neuen Stundenpläne mit dem Klavierunterricht der Tochter, dem Karatetraining des Kleinen und dem Schlagzeugkurs des Großen zu synchronisieren.

Man versteht, warum die Vorväter lieber die warme Höhle verließen, um Mammuts und wilde Keiler zu jagen. Das ist weniger anstrengend und man muss nicht so viel reden dabei. Die erste Nacht n. M.A. (nach Mamas Abflug)  endete mit einem merkwürdigen Geräusch, das das Auto von sich gab, von dem der Vater gerade träumte als der Morgen graute. In Wirklichkeit kam es aus einem kleinen Funkwecker, den er sicherheitshalber, weil lauter, gekauft hatte.

Die nächsten Nächte waren schon komplett traumlos.

Die Tage endeten jetzt um die Zeit, wenn Claus Kleber üblicherweise mit seiner Volksaufklärung gerade anfängt. Vorbei auch die Marotte, noch bis Mitternacht auf Facebook ein bisschen in die Runde zu klönen und zu schauen, was es so Neues im bunter werdenden Land gibt.

Immerhin gibt es erste Erfolge bei der systematischen Bewältigung der Krisensituation zu vermelden.

Das Milchgeld für den Kleinsten wurde persönlich im Sekretariat der Schule abgeliefert. Zusammen mit der Bemerkung: Mama ist zur Zeit nicht da. Dieser Joker sticht alles. Man muss nichts hinzufügen. In Sekundenbruchteilen ist alles gesagt und erklärt. Alles halb so schlimm. Nächste Woche hätte auch gereicht, sagte die Sekretärin mit einem Blick, den man Menschen schenkt, die einem gerade unter Tränen gestanden haben, dass sie selbst nach 40 Jahren nicht lesen und schreiben können.

Die Kinder können es schon. Sie funkten eine SMS nach Südeuropa: Mama, wann kommst Du wieder? Der Vater schließt sich an und gesteht unter Zeugen: Es ist doch ein bisschen mehr als das bisschen Haushalt.

Bildnachweis: Fotolia, https://de.fotolia.com/id/100675100

Datei: #100675100 | Urheber: mokee81

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