„Wir haben heute eine starke Frauengeneration“

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bärbel …sagt Bärbel aus Ladenburg und erzählt uns, wie sie die Dinge, das Leben und das „Frau-sein“ im Allgemeinen betrachtet.

Der Kontakt zu Bärbel kam über Facebook zustande. Mir ist dort so manches Mal aufgefallen, was für eine sympathische und frische Ausstrahlung sie hat. Ganz anders als so manche (bekannte) Frauen, die gestelzte und retuschierte Fotos von sich posten. Bärbel passte exakt zu dem Typ „Frau“ an den wir uns mit Frauenpanorama.de richten: im Leben stehend, mit positiver Ausstrahlung und humorvoll.

Dass sie zudem vierfache Mutter und bereits Großmutter ist, sowie im Leben schon so manches erlebt hat, machte sie für mich doppelt interessant.

Denn Frauen ihres Schlages sind es, mit der sich die „Frau von nebenan“ identifizieren kann, die – im Gegensatz zu mancher „Promi“-Blondine oder „Fußballer“-Frau – wirklich was zu sagen und das Leben bereits in vielfältigster Weise erlebt haben.

Lesen Sie einfach selbst, wie die charmante Mittsechzigerin aus ihrem facettenreichen Leben (und auch über das von so mancher Frau ungeliebte Älterwerden) plaudert. Die Vorlage für das Porträt im „Ich-Erzähl“-Stil waren Fragen zu unterschiedlichen Themen, die ich ihr im Vorab stellte und die im Text stichpunktartig auftauchen.

„“Vier Kinder, 3 Enkel, die rechte Hand im Familienbetrieb, der alltägliche Wahnsinn – wie bekomme ich das unter einen Hut“ fragst du mich.

Nun, ich bin auf dem Land geboren, am Rande einer wunderschönen mittelalterlichen Stadt. Ich kenne den Duft der Wiesen-und Kleeblumen und der Erde, wenn gesät oder geerntet wird und weiß, wie frisch gepflückte Äpfel schmecken oder warme Erdbeeren aus dem Garten. Schon als Kind integriert man sich wie von selbst in dieses Umfeld und hat niemals das Gefühl, man hat etwas getan, was einen Zeit gekostet hätte oder überflüssig wäre, es ist ja für einen selbst.

Das kam meinem Mann und mir zugute, als wir uns mit Anfang 20 selbstständig machten. Wir hatten überhaupt keine Angst vor der Zukunft und uns auch hier keine Zeitspanne gesetzt, wir machten das ja für uns und die rechte Hand ist nichts ohne die linke Hand und umgekehrt.  Mit den Jahren wuchs nicht nur das Geschäft, sondern auch die Familie, wir bekamen 4 Töchter, die alle unsere geistige Einstellung zur Arbeit übernommen haben. Die Schwangerschaften habe ich sehr genossen und war nicht nur damals mit Leidenschaft Mutter, das bin ich noch heute, auch wenn meine Töchter erwachsen sind und teilweise auch schon Kinder haben. „Mutter“ ist ein lebenslanger Titel und eine Auszeichnung und ich wünschte, ich könnte heute noch zu meiner Mutter „Mama“ sagen. Ich will damit sagen, dass es niemals zu einer Last wird, wenn man etwas von Herzen macht. Von daher ist das alles kein Problem, denn ich habe mich selbst nie dabei vergessen, auch wenn alles andere Vorrang hatte. Als ich mit 49 Jahren zum erstenmal Großmutter durch meine zweitälteste Tochter wurde und meine jüngste Tochter damals erst 15 Jahre alt war, ging das auch irgendwie nahtlos über in die Großmutterphase.

Nun schiebe ich schon über 40 Jahre Kinderwagen vor mir her, denn jetzt kamen vor 4 Jahren meine zweite Enkelin und vor fast 2 1/2 Jahren mein drittes Enkelkind dazu – der erste Junge in der Familie – sie machen uns alle viel Freude und ich hoffe, es kommen noch einige dazu.

Zweite Frage: mein Geheimnis…Mein Geheimnis ist die Dankbarkeit – für alles, was mir zuteil wurde und für alles, was ich selbst an anderen Menschen bewirken konnte, bzw. kann. Ich ernähre mich gesund und bin immer an der frischen Luft, kann von Herzen lachen. Dankbar bin ich für die Basis, die mir meine Eltern mitgegeben haben, nämlich den freien geistigen Willen ausleben zu dürfen und Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit hoch zu halten. Dankbar bin ich für die Gabe, unschöne Situationen anzunehmen und ins Positive wandeln zu können. Eine positive Einstellung kann anstecken und neue Wege ebnen.

  1. Frage: Hobby Musik

Es ist eigentlich kein Hobby, es ist ein fester Bestandteil meines Lebens, ein Chip, der mir als Kind eingepflanzt wurde. Das sind die ererbten Gene meines Vaters, ein fröhlicher, musikalischer Mensch war er. Seit ich 11 Jahre alt bin, singe ich im evangelischen Kirchenchor im Sopran, das sind nun schon über 50 Jahre, es ist eine wunderbare und erfüllende Tätigkeit, von der ich viel mehr zurückbekomme, als ich gebe.

Was habe ich alles in diesen Jahren gelernt und gesungen – von Bach, Händel, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Brahms und vieles, vieles mehr, jüngst eine Jazz-Messe von einem modernen Komponisten. Das macht nicht nur riesigen Spass,das ist auch so etwas wie eine Festung – wie oft übten wir Chorstücke, die gerade „zufällig“ in die momentanen Lebenssituationen passten und Freude oder Zuversicht und Trost in dunkleren Stunden vermittelten.

Wir sind in diesem Jahren auch als Gemeinschaft zusammengewachsen, einige von uns kennen sich schon seit mehreren Jahrzehnten, wir hatten auch schon eine Sängerin, die war über 80 Jahre dabei.

Kürzlich begab sich etwas, das mir heute noch Gänsehaut verursacht: eine Mitsängerin war verstorben und wir sangen auf der Trauerfeier. Als die Urne hinausgetragen wurde, spielte der Organist das Lied:“ von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir, was kommen mag…“ – als plötzlich aus den Männerstimmen ein Tenor begann, die Melodie leise mitzusummen, dann wurden es immer mehr, die summten und einige sangen leise den Text dazu, alles ganz leise und wir sahen uns an.

Wir summten und sangen noch, als wir die Treppe von der Empore hinabgingen und es verlor sich erst langsam, als wir unten ankamen, so leise, wie es begonnen hatte. Es war unbeschreiblich schön.

Auf die Frage, wie ich die Frauen der heutigen Generation wahrnehme, ist meine Antwort: die jungen Frauen der heutigen Generation müssen aufgrund der bestehenden wirtschaftlichen Situation oftmals auch als Mütter zum Lebensunterhalt beitragen und sind für die Unterbringung ihrer Kinder auf Institutionen angewiesen, wenn es keine Großeltern in der Nähe gibt. Diesen Frauen gebührt Respekt für die Doppelrolle, die sie leisten und  es gibt auch viele alleinerziehende Mütter, denen viel mehr Unterstützung und Achtung zuteil werden sollte, denn sie sind für alles alleine zuständig. Nicht zu vergessen, die Frauen, die fremde Kinder infolge familiärer oder sozialer Notlagen an Kindes statt annehmen, auch sie sind Mütter. Allen diesen Frauen spreche ich meinen Respekt aus.

Insgesamt würde ich die heutige Generation als starke Frauengeneration bezeichnen, denn sie stehen ihre „Frau“ und sind aus keinem Beruf mehr weg zu denken, selbstbewusst und zielstrebig. Die Emanzipation ist allerdings kein Aspekt des 20.oder 21. Jahrhunderts, das wir gerade miterleben. In allen zeitlichen Epochen gab es starke Frauen – z.B. Königin Kleopatra, Hildegard von Bingen, Jeanne d´Arc, die Päpstin Johanna, Marie Curie und ohne Bertha Benz gäbe es nicht die legendäre erste Autofahrt nach Pforzheim. Meine Mutter kannte beide – Carl und Bertha Benz – noch und sie haben auf dem hiesigen Friedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden.

In meiner eigenen Familie war es meine Großmutter, die damals das Hofgut regierte, das Gesinde nannte sie respektvoll „Madame“ und mein Großvater war der „Alte Herr“. Als Deutschland seine dunkelste Zeit hatte, mussten die Großeltern gegen Lebensmittelmarken Milch, Eier etc. vergeben. Innerhalb der Familie kann ich mich nicht daran erinnern, dass darüber gesprochen wurde, aber eine außenstehende Frau sagte mir mal, sie werde meiner Großmutter niemals vergessen, dass sie ihr für sich und ihre Kinder immer mehr Lebensmittel gegeben hat, als sie durfte, sie hatte sich also mutig über diese Verordnungen hinweggesetzt – auch das sind starke Frauen.

Es gibt viel mehr mutige, selbstlose Frauen- überhaupt in diesen Kriegsgenerationen – als wir jemals erfahren werden, denn sie haben darüber geschwiegen und sich nicht in den Vordergrund gestellt. Mit Beginn des Wassermannzeitalters dürfte nun endgültig dieser Wandel zur Anerkennung der Frau vollzogen werden.

Deine Frage nach dem Glauben.

Ja, der Glaube an Gott gehört zu meinem Leben, er ist das Fundament an sich. Es ist ein Glaube, den mir keine christliche Institution vorschreibt, es ist meine eigene innere Einstellung, die sich im Laufe meines Lebens ergeben hat und ich glaube an die universellen Resonanzgesetze, das Ursache/Wirkungs-Prinzip.

Ich habe eine Schulkameradin, die sagt, sie könne nicht an Gott glauben, weil sie ihren Bruder durch Krankheit verloren habe, aber sie ist so lieb und freundlich, dass sie in Wahrheit alle Eigenschaften eines Christen in sich trägt, sie weiß es nur nicht. Solche Menschen sind mir lieber als diejenigen, die sich Christen nennen und sich nicht so benehmen.

Frage „40. Geburtstag“ – zu diesem Thema muss ich sagen, dass ich bis vor meinem 60. Geburtstag überhaupt keine Zeit hatte, darüber nachzudenken, dieses Thema – mit „hadern“ oder so – total verschlafen habe. Gut, der Hormonhaushalt wird anders, auch nicht schlecht, die Kinder sind aus dem Haus und kommen nur noch zum Essen, aber sonst alles wie gehabt!

Der bevorstehende Sechser hat mich zum ersten Mal in meinem Leben – sagen wir – nachdenklich gemacht. Dann habe ich mir gesagt “ machen kannste nix, weh tut es auch nicht – mach halt irgendwas“. So habe ich den Entschluss gefasst, an meinem 60. Geburtstag die „aller-aller“-coolsten Fotos vorzuzeigen, die jemals von mir gemacht wurden.

Das Fotoshooting war erfolgreich und hat  mir soviel Spass gemacht, dass ich das nun regelmäßig praktiziere.

Frage zur Zufriedenheit. Mein persönlicher Tipp für ein zufriedenes Dasein als reifere Frau: nicht alles so ernst zu nehmen, das Glas halb voll zu sehen. Alter ist relativ und hat mit gelebten Jahren nichts zu tun, ein jüngerer Mensch kann physisch oder psychisch älter sein als der an Lebensjahren ältere Mensch. Eine positive geistige Einstellung bewahren, denn das Innere spiegelt sich ja im Äußeren wider – es steht ja schließlich keinem auf der Stirn geschrieben wie „alt“ er ist – Gott sei Dank und das meine ich wörtlich!““

 

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