Alleinerziehende haben zumeist einen harten Alltag
Alleinerziehende haben zumeist einen harten Alltag

ODER auch: „warum der Amtsschimmel alles verschlimmert“. 

Wer glaubt, dass die allerhöchstbezahlten Manager die meiste Arbeit haben, irrt gewaltig. Denn einen richtig straffen und zudem meist noch sehr steinigen Alltag haben wohl die Alleinerziehenden zu bewältigen. Ohne Sekretariat und Assistenzteam – klar. 

Obgleich es bundesweit eine Menge Initiativen für Alleinerziehende gibt und auch der Staat stets darauf bedacht ist, diesen Frauen und Männern Hilfe zuteil werden zu lassen, ist er es doch, der oftmals die meisten bürokratischen Hürden auftürmt. Von diesen Schwierigkeiten und vielen anderen mehr, berichtet uns Katharina (Name geändert), 38 Jahre alt, im Interview.

FP: Katharina, Dein Sohn ist zwei Jahre alt, Du bist alleinerziehend, wie sieht Dein Alltag aus?

K: Stress und Müdigkeit sind meine ständigen Begleiter. Wenn ich nicht arbeite, widme ich mich meinem Kind, wenn ich mich meinem Kind nicht widme, arbeite ich. Freizeit ist fast ein Fremdwort geworden, die wenige Zeit, die ich abends, wenn der Kleine schläft, für mich habe, ist geprägt von Erschöpfung und Müdigkeit.

FP: Wie ist Dein persönliches Umfeld aufgestellt, hast Du Unterstützung, durch die Familie oder Freunde?  

K: Eigentlich nur durch meine Mutter. Leider kam fast der gesamte Freundeskreis aus dem Umfeld meines Ex-Partners. Wir hatten eine fast 8-jährige Beziehung, die allerdings just am Anfang der Schwangerschaft aufgrund vieler Streitereien und unterschiedlicher Ansichten über die jeweiligen Lebensentwürfe, gescheitert ist. Da viele meiner Freunde weit weg wohnen und nun die „alten“ Freunde von früher sich eigentlich kaum noch melden, habe ich hier keine Unterstützung.

Meine Mutter ist noch recht rüstig und wohnt zwei Häuser weiter. Das ist für mich der reinste Segen und meine allergrößte Stütze überhaupt. Ohne sie ginge es nicht, denn andere Verwandte – zumindest nähere – haben wir keine.

Habe ich viel Arbeit oder Termine, dann betreut meine Mutter meinen Sohn oder holt ihn aus der Kita ab. Auch wenn ich, was nun mal gemacht werden muss, die leidige Hausarbeit – den „Rundum-Putz“ jede Woche – erledigen muss, kann ich den Kleinen zu meiner Mutter geben. Allerdings genieße ich die Zeit mit meinem Sohn sehr, so dass ich ihn auch nicht weggeben mag, nur um mal freie Zeit zu haben. Da ist auch das schlechte Gewissen im Spiel, weil meine Mutter schon Mitte 70 ist. Das Resultat ist jedoch eine ständige Übermüdung und Erschöpfung….

FP: Wie schaut es arbeitstechnisch bei Dir aus?

K: Nicht gerade ideal! Meinen alten Job kann ich so wie früher nicht mehr ausüben. Ich war in einem Catering-Unternehmen tätig, wo es jedoch vordergründig zu abendlichen Einsätzen kam. Das geht nicht mehr. Ich habe mich lange um einen Job in Anstellung bemüht, das hat leider nicht geklappt. Ich denke mal, dass mein Status als „Alleinerziehende“ mit einem noch so kleinem Kind doch ein Grund für die vielen Absagen war.

FP: Wovon lebst Du, was machst Du beruflich? 

K: Ich bin mit meinem alten Arbeitgebern so verblieben, dass ich Büro- und Assistenzarbeiten von daheim aus, für ihn übernehmen kann. Das sind in erster Linie Schreibarbeiten, die ich auch anderen Unternehmen anbiete. Da keine angestellte Teilzeitlösung möglich war, habe ich mir einen Gewerbeschein besorgt und arbeite nun auf eigene Rechnung. Glücklicherweise bin ich recht gut vernetzt, was mir denen einen oder anderen Auftrag, neben dem festen Auftraggeber, meine „alte“ Firma, beschert. Allerdings kommt es durchaus auch zu Auftragsflauten. Die muss ich dann mit der Grundsicherung vom Jobcenter abfedern – fragen Sie nicht!

FP: wir fragen trotzdem….

K: ..na ja, allein das Einreichen der ganzen Papiere zu einem Antrag auf Aufstockung – das ist ein Thema für sich. Da unzählige Nachweise er- und beigebracht werden müssen, ist das ein wirklich großer Aufwand. Der sich – wenn man den Antrag bewilligt bekommt – aber dennoch lohnt, weil man vor allem krankenkassentechnisch mit dem Kind abgefedert ist. Allerdings ist auch die Nacharbeit nicht ohne, wenn man dann, wenn man aus dem Leistungsbezug raus ist, auch wieder alles einreichen muss.

Beantragt man dann parallel noch die Überahme der Kita-Gebühren und/oder Leistungen aus dem Bildungspaket, der Teilhabe, kann man für alles zusammen locker drei bis fünf Bürotage dafür einplanen – das nervt und raubt die Energie. Und geht nicht zuletzt von der Zeit ab, die man für Auftraggeber oder die Auftragsakquise benötigt.

FP: Dennoch ist es ja vorteilhaft, dass der Gesetzgeber überhaupt solche Möglichkeiten gewährt

K: Das stimmt – gar keine Frage. Aber – schönes Stichwort – „der Gesetzgeber“ verkompliziert auch alles. Durch meinen Expartner habe ich zu allem Überfluss auch noch Schulden, weil ich mal leichtsinnigerweise für ihn gebürgt habe. Als ich, um nicht von Gläubigern ausgesaugt zu werden, ein P-Konto eröffnen wollte, benötigte die Bank für einen höheren Freibetrag, der vom Gesetzgeber vorgesehen ist, eine Bescheinigung, dass ich alleinerziehend bin. Ehe ich die hatte – fragen Sie lieber nicht! Das hat mich viele kostbare Stunden und Rennerei gekostet und man fragt sich, warum hier der Amtsschimmel so wiehern muss? 

FP: Wie gehen Sie mit den Belastungen des Alltags persönlich um – es ist ja doch eine ganze Menge an alltäglichem, die es zu bewältigen gilt?  

K: Die Dauererschöpfung stresst schon, das stimmt. Auch weil man nie das Gefühl hat, sich auf eine Sache so ganz konzentrieren zu können. Klar, ich arbeite am Vormittag alles ab, aber oft muss diese Zeit auch für Behörden-Erledigungen wie oben geschildert in Anspruch genommen werden oder auch für die Auftragsakquise herhalten. Man ist oft schon mit dem Kopf wieder woanders, einfach damit man die Butter für sich und das Kind aufs Brot bekommt, kann niemals richtig abschalten. Das ist schon sehr zehrend.

Andererseits ist der komplette Nachmittag für mein Kind reserviert. Für mich selbst auch eine schöne Sache, weil ich – im wahrsten Wortsinn – abschalten muss. Wir gehen dann in die Natur oder auf den Spielplatz, wo ich netten Kontakt zu anderen Müttern habe. Auch am Wochenende versuchen wir meist, was schönes zu unternehmen. Große Sprünge kann ich zwar nicht machen, aber es gibt mittlerweile überall auch preisgünstige Angebote für Kinder.  Und ein Ausflug in den Wald kostet nun mal kein Geld…Die gemeinsame Zeit mit meinem Sohn wiegt – auch wenn das platt klingt – die ganzen Schwierigkeiten und Sorgen auf.

Klar gibt es Momente, wo ich mir denke „jetzt hättest Du gern Dein altes Leben zurück“ – vor allem wenn der Kleine mal kränkelt oder die Nacht zum Tage macht. Aber das ist meist nur ein Gedankenblitz, der dann auch gleich wieder verschwindet.

Insgesamt ist mein Leben okay, ich akzeptiere es eben momentan als eine Phase, in der vieles andere – auch zum Beispiel die Partnersuche – schwer oder nicht möglich ist. In ein paar Jahren sieht es vielleicht wieder ganz anders aus. Und meinen Sohn – den möchte ich niemals mehr wieder hergeben.

Aus meinem „alten“ Leben wünsche ich mir eigentlich nur das „ausschlafen können“ zurück, wohl wissend, dass es momentan nicht möglich ist, aber irgendwann mal wieder, siehe oben…!

Infos und Unterstützung für Alleinerziehende gibt es u. a. hier: http://www.shia-berlin.de/– bitte im Internet Ihre jeweilige Region heraussuchen oder beim SHIA e.V. in Berlin anrufen.

Bildnachweis: Fotolia, http://de.fotolia.com/id/73800166 – #73800166 –© composio

Hinweis: die auf dem Foto abgebildete Person ist nicht identisch mit der Person, die wir interviewt haben

 

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