Angehörige füttern Pflegebedürftige im Heim – „Zeitbudget Pflegerinnen reicht nicht“

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Pflegepersonal das keine Zeit hat für Pflegebedürftige im Pflegeheim. Es klingt wie ein schlechter Witz, doch es ist natürlich keiner. Im Gegenteil: es ist mehr als erschütternd, was man im SPIEGEL Nr. 16 / 2018 zu lesen bekam.

Es ging um die jüngste Reform in Sachen Pflege, die für höhere Löhne in diesem Segment sorgen sollte. Denn der Nebeneffekt, den wohl kein politisch Verantwortlicher bedacht (oder sich darum nicht gekümmert) hat, ist der, dass nun die Heimkosten explodieren.

Insofern ist die Reform nur mehr eine Farce, die vor allem für die Pflegebedürftigen verheerend ist. Und für die Angehörigen natürlich nicht minder. Das Magazin schreibt dazu folgendes:

„Als im Januar 2017 die jüngste Stufe der Pflegereform in Kraft trat, versprach die Bundesregierung, demente und gebrechliche Senioren besser versorgen zu lassen und finanziell zu entlasten. Doch nun zeigt sich, dass von einer dauerhaften Erleichterung keine Rede sein kann. Kaum ein halbes Jahr nachdem das Gesetz in Kraft getreten war, teilte das Altenheim St. Josef nahe München mit, dass die Pflege künftig wieder teurer werde. Der Anteil, den die Bewohner selbst aufbringen müssen, werde zum Oktober 2017 um 116 Euro monatlich auf dann 2088 Euro im Doppelzimmer steigen, im Einzelzimmer auf rund 2280 Euro. Ohne die Hilfe ihrer Tochter wäre Edeltraut Goldschmidt auf das Sozialamt angewiesen“

Und weiter heißt es:

„Ein großer Teil der knapp 780 000 Heimbewohner erhielt in den vergangenen Wochen unerfreuliche Post. Steigende Ausgaben für die Pflege müssen die Senioren selbst tragen, weil die gesetzliche Pflegekasse über eine Pauschale nur einen Teil der Heimkosten übernimmt.“   

Und weiter:

„Denn seit der Reform gilt eine Regel, die bewirken soll, dass Pfleger besser bezahlt werden. Viele Fachkräfte wurden zuvor mit Gehältern unterhalb des Tariflohns abgespeist. Für Heime ist es nun leichter, höhere Löhne zu zahlen: Sie dürfen Mehrausgaben weiterreichen – an die Heimbewohner“  

Wie das in der Praxis ausschaut, wird im Artikel klar, in dem es um die eingangs erwähnte Seniorin und deren Tochter geht.

Die alte Dame – Edeltraut Goldschmidt – dürfte kaum intensiver betreut werden als vorher. Schlimmer noch: nun verbringt ihre erwachsene Tochter ihre Nachmittage im Altenheim um ihre Mutter mit flüssiger Nahrung (per Löffel) zu versorgen.

Die Angehörige gibt im SPIEGEL folgendes zu Protokoll:

„Wenn meine Mutter einen bockigen Tag hat, dauert es sehr lang, bis sie den Mund zum Füttern aufmacht“

Solche Verhaltensweisen legen freilich viele Pflegebedürftige an den Tag, ungewöhnlich ist derlei Verhalten in der Pflege nicht.

Allein – so konstatiert es dann auch der SPIEGEL – : das Pflegepersonal hat einfach nicht das Zeitbudget, Leute wie Frau Goldschmidt aufwändig zu füttern.

Das Ganze ist freilich Farce, Schande und Politversagen zugleich. Apropos Politik: im Koalitionsvertrag soll festgehalten sein, dass nunmehr nicht die Heimbewohner die Kosten tragen sollen, sondern die Sozialkassen, so dass die finanzielle Last auf alle Beitragszahler verteilt wird.

Nur: was kann man den aktuellen Politikern noch glauben, was wird kommen, sich positiv verändern und was nicht? Zumal schon der Vertrag von SPD und CDU mit Volksnähe schon mal gar nichts zu tun hat, nachzulesen ist das hier http://vera-lengsfeld.de/2018/03/16/angela-die-vierte-und-der-supergau/#more-2519

Und sonst? Die Hoffnung, dass die vielen, vielen aktuell unzufriedenen Bürger schon mittelfristig eine Wende der derzeitigen unerträglichen Politik herbeiführen werden, stirbt freilich zuletzt!

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