Beziehungen – alles außer Treue?

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Girl running on the field with balloons at sunset. Happy woman on nature.

Oder anders gefragt: macht sich heutzutage der oder diejenige lächerlich, der oder die in einer Beziehung treu ist? Natürlich nicht – zumindest nicht Otto Normalverbraucher von nebenan.

Denn Treue ist in den meisten Beziehungen (noch immer!) angesagt, obgleich es auch zur Wahrheit gehört, dass viele Leute ihren Partner betrügen.

Dass dieser Betrug, das Fremdgehen, in der Gesellschaft mittlerweile eine gewisse Akzeptanz hat, beweisen fast ausnahmslos alle Medien, die sich mit emotionalen Themen beschäftigen.

Und da liest man immer mehr von „polyamoren“ Beziehungen, von Dreiecksbeziehungen, von Affären und Doppelleben.

Immer mit einem wohlwollend scheinenden Tenor – ganz nach dem Motto: „gehört alles dazu, in unserer modernen Gesellschaft“.

Heutzutage – aber das nur am Rande – macht sich ja schon der fast verdächtig, der sich nur zu einem der beiden biologischen Geschlechter (männlich oder weiblich) bekennt und gar einen Partner, statt einen „Lebensabschnittsgefährten“ an seiner Seite hat.

Zurück zur Untreue.

Das dieses – von Betrogenen – allseits verhasste Phänomen in den letzten Jahren zu einer Art „Lifestyle“ hochgepusht wurde, ist wohl keinem verborgen geblieben, der Medien – vor allem Online-Magazine  – konsumiert.

Da wird dort mal fast schwärmerisch über ein neues Seitensprungportal berichtet oder da sensationsheischend der Besuch im Swinger-Club als „völlig normal“ für Paare kommuniziert. Und das freilich nicht von irgendwelchen Schmuddel-Blättchen, sondern durchaus immer häufiger in den sogenannten etablierten Medien, allen voran in alteingesessenen Frauenmagazinen.

In denen viele Beiträge immer häufiger absolut realitätsfern oder/und verblödend daherkommen.

So erst kürzlich in der BRIGITTE MOM, wo werdenden Müttern der Ratschlag gegeben wurde, unter der Geburt zu masturbieren – wir berichteten hier:  https://frauenpanorama.de/brigitte-mom-verdummung-fuer-muetter/

Oder eine gewisse Simone Buchholz, die für das Frauenmagazin MYSELF den absolut sinnfreien und überflüssigen Tipp in die Welt hinausschrie(b), dass Frauen, die keine Lust auf Sex mehr haben, einfach sauteure Wellness-Treatments buchen könnten und dann die Welt wieder in Ordnung sei….

Auch über diesen haarsträubendenUnsinn berichteten wir, siehe hier: https://frauenpanorama.de/keine-lust-auf-sex-fuer-fast-400000-e-gibt-es-sie-zurueck/

Und weil wir gerade bei „Unsinn“ sind, steigen wir doch ein in die Thematik des „Hochjubelns“ der Untreue. Und sind damit schon wieder bei Simone Buchholz, die ihre seichten und überflüssigen Ergüsse scheinbar über mehrere Frauenmedien verbreiten darf.

In der Frauenzeitschrift ALLEGRA, die als fader, medialer Aufguss (das Magazin erschien seinerzeit in den Neunzigern und wurde dann eingestellt) wieder aufgelegt wurde, begegnet einem diese Dame, Frau Buchholz, nämlich schon wieder.

Mit einem wieder ziemlich dümmlichen Artikel über „Fantasien in der Beziehung“, der meines Erachtens die eingangs geschilderte These, dass Medien gern DIE Menschen als altmodisch wirken lassen wollen, die treu sind, untermauert.

Zwar ruft Simone Buchholz in dem Beitrag nicht direkt dazu auf, fremdzugehen, aber ihre süffisant-überhebliche Sicht auf Paare, die lange schon so zusammen sind, offenbart, wie sie über solche Partnerschaften denkt.

Sie dagegen hat – laut eigener Aussage – mit ihrem Mann eine Art „Agreement“ getroffen, wonach jeder für eine andere Person schwärmen und sich in diese auch verlieben kann, aber eben auch nicht MEHR.

Wie gesagt: das ist alles keine (körperliche) Untreue, aber so wie die Autorin dafür plädiert, dass sowohl sie als auch ihr Partner ungeniert – auch vor dem jeweils anderen – mit Fremden flirten und gern auch ein gewisses Kopfkino anwerfen solle, schon haarscharf dran am emotionalen Betrug.

Denn schlussendlich ruft sie zu nichts anderem auf, als das Männer oder Frauen in festen Beziehungen auf Teufel komm raus andere Menschen anbaggern sollen, womit die meisten Leute in einer festen Partnerschaft ihre Probleme haben dürften.

Deshalb finde ich – wie schon geschrieben – diesen Artikel völlig sinnfrei und, sofern er als Ratschlag gemeint ist, auch fragwürdig.

Denn viele Menschen (vor allem Frauen), das weiß ich nicht zuletzt aus unglaublich vielen Gesprächen mit Nutzerinnen unserer Partnerseite, dem Fremdgeher- und Lügner-Aufdeckportal www.wen-datet-er-noch.de , empfinden bereits die von Simone Buchholz lancierten „Tipps“ (also Flirten mit anderen VOR dem Partner) als Vertrauensburch, manche sehen bereits sowas als Untreue, als Fremdgehen – schlichtweg als emotionalen Betrug – an.

Das umfasst auch die Situation, in der der Partner heimlich in Singlebörsen unterwegs ist und sich dort womöglich als „solo“ ausgibt.

Für Frau Buchholz wären das wahrscheinlich eher „lust- und beziehungsfördernde Maßnahmen“ – für den Großteil der Bevölkerung allerdings nicht.

Denn die meisten Menschen wollen – zu Recht! – dass sie für ihren Partner DER Herzensmensch, DER Seelenverwandte, sind, der Einzige noch dazu. Und möchten das umgekehrt meist auch für den Partner sein.

Natürlich werden viele Leute in festen Beziehungen auch immer mal Gedanken haben, in denen andere erotische Begegnungen eine Rolle spielen – diese in der Partnerschaft auszubreiten würde wohl aber weniger gut ankommen und es wäre zudem sicher auch nicht gewünscht.

Bei echten Seitensprüngen, Affären oder gar Doppelleben sieht es dagegen anders aus: ahnt der Partner, dass das hinten rum noch was läuft, möchte er fast immer Auskunft und Gewissheit darüber haben – eben die Wahrheit wissen.

Dies allerdings wäre nichts für Simone Buchholz!

Würde ihr eigener Partner sie betrügen, findet sie, dass es besser sei, wenn er darüber nicht spräche. Sie geht sogar noch weiter mit ihren kruden Gedanken, indem sie schreibt: „Dem anderen – unter dem Deckmantel von Ehrlichkeit – wehzutun, nur um das eigene Gewissen erleichtern zu können, ist so was von erbärmlich, das wäre für mich viel eher ein Trennungsgrund, als ein Betrug“.

Nun ja – klingt schon ein wenig wirr!

Schon deshalb, weil die meisten Menschen ja so „gestrickt“ sind, dass sie – im Falle, man hat sie in der Beziehung betrogen – einfach nur die Wahrheit wissen wollen.

Unwissend Statist in einem miesen Beziehungsspiel zu sein, wo noch andere mitmischen, man aber davon nichts weiß – das ist wohl für die meisten Menschen eher nichts!

Insofern zeigt der Artikel einmal mehr, dass wahrscheinlich die meisten Leute, die für bekannte Medien schreiben, den Bezug zur Realität verloren haben. Und wenn dann noch dazu angestiftet wird, dem Partner das Fremdgehen zu verschweigen, dann sind wir wieder dort, wo man durchaus vom „Lifestyle-Faktor“ „Fremdgehen“ sprechen kann.

Der aber in erster Linie eben medial gemacht ist und die Lebenswirklichkeit der meisten Menschen gar nicht erreicht.

Und sich – wenn man es zu Ende denkt – damit selbst ad absurdum führt. Weil es einmal mehr so scheint, als schrieben Verfasser solches Schmarrns sowieso nur für sich und ihren, aus Medienleuten bestehenden, Kreis.

Weitere Erklärungen zu Auflagen- und Vertrauensverlusten braucht es dann auch nicht mehr – die liefern Verfasser/innen solcher unmöglichen Beiträge unfreiwillig gleich selbst…

Bildnachweis: Fotolia, https://de.fotolia.com/id/82816554

Datei: #82816554 | Urheber: kuznetsov_konsta

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