Bühnenprogramm Uwe Steimle: gelacht wird ostdeutsch!

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Merkel, immer wieder Merkel!

Wenn Kabarettist Uwe Steimle sie in seinem Programm „Günther allein zu Haus“ erwähnt, dann bedarf es keiner weiteren Worte mehr!

Mit tosendem Applaus quittiert das Publikum Steimes Spitzen. So zum Beispiel, als Steimle diese zwei Worte gebraucht: „elf Minuten“. Und sie nochmal – in breitestem sächsisch – wiederholt.

Jeder im Saal weiß, was gemeint ist.

In seinem aktuellen Bühnenprogramm gibt Steimle – wie so oft – den Alleinunterhalter. Abwechselnd ist er Ilse Bähnert oder Herr Zschieschang.

Mit der Figur des arbeitslosen Ossis, der langsam in die Jahre gekommen ist, bietet Steimle von (N)Ostalgie über aktuelle Politkritik den ganzen Reigen dessen, weshalb der geneigte Zuschauer ins Kabarett geht, um den Dresdner Künstler zu erleben.

„Der sagt`s doch, wie`s ist!“ Und: „Weil er der einzige ist, der die aktuellen Zustände offen anspricht, gehe ich hier hin.“ So die Meinung zweier männlicher Zuschauer, mit denen ich in der Pause ins Gespräch komme – an diesem Abend in Leipzig, im Kabarett-Theater „academixer“.

Sie sind Sachsen – wie gefühlt neunzig Prozent des Publikums. Dass sich auch einige Nicht-Sachsen in Steimles Programm verirrt zu haben scheinen, sieht man an einem Ehepaar, das verstockt – und zumeist nicht mitklatschend – neben mir sitzt. Offenbar Westdeutsche.

Steimle kennt die Befindlichkeiten der Ossis ganz genau und streichelt an diesem Abend die Seele des Ex-DDR-Bürgers sanft.

Eigentlich verstehen den Inhalt des Programms wirklich nur Leute, die einst im Arbeiter- und Bauernstaat lebten. Da reicht schon eine Gießkanne – Original Plaste und Elaste aus Schkopau! – mit der Steimle die Bühne betritt, um das Publikum zum Johlen zu bringen. Das Ehepaar neben mir verzieht keine Miene – (mit)lachen können sie nicht wirklich.

Ob es Leipzig-Touristen sind? Die für ein paar Tage in die Sachsen-Metropole reisten, um Weihnachtsmarkt, Nikolaikirche und Völkerschlachtdenkmal zu besuchen? Und auf die Frage im Hotel, was man denn hier abends so unternehmen kann, als Ausgehtipp das Kabarett „academixer“ genannt bekamen?

Wäre eine Möglichkeit. Das würde zumindest ihre (Nicht)Reaktionen bei Steimles Kalauern erklären.

Ob humorvolle Ausflüge in den Alltag der untergegangenen DDR oder bissige Anspielungen auf die vielen Westdeutschen, die sich – Glücksrittern gleich – nach der Wende am untergegangenen Regime gesund gestoßen und damit so manchem die Existenz geraubt haben: Steimle lässt nichts aus.

Das Publikum – zum Großteil ab Vierzig aufwärts, Männer und Frauen zu nahezu gleichen Teilen – quittiert es mit Begeisterung.

Tosender Beifall, zustimmendes Johlen, begeisterte Zwischenrufe, auf die Steimle gekonnt und leutselig kontert: hier ist richtig, wer die DDR noch kannte und sich ob der jetzigen politischen Lage im Land entsetzt die Augen reibt.

Asylkrise und eine Regierung, die manchen Ossi an vergangene Tage erinnert: Steimle thematisiert das alles.

Geradeheraus und nicht pseudo-intellektuell verschwurbelt, wie man es von vielen anderen Künstlern kennt. Wenn sie denn überhaupt was sagen! Meist ist das ja nicht der Fall – im Gegenteil: wer dieser Tage ins Theater oder Kabarett geht, findet sich häufig in einer Beifall-Orgie für die aktuelle Politik wieder, was man an Beispielen wie Carolin Kebekus oder Michael Mittermeier sieht. Selbst der Schlagersänger Roland Kaiser ist dem Toleranzwahn verfallen.

Das alles ist nichts für den Ossi – das kennt er von früher (wobei es dort so schlimm im künstlerischen Bereich nicht getrieben wurde!).

Wenn er in diesen Tagen also ein Kabarett aufsucht, dann will er keine Merkel-Lobhudelei hören, sondern künstlerische Systemkritik vom Feinsten. Steimle bietet das. Gekonnt und auf hohem Niveau. Die Lacher sind alle zwei Minuten garantiert, die Unterhaltung köstlich.

Als Steimle dann noch indirekt auf seinen Auftritt im „Riverboat“ zu sprechen kommt, gibt es kein Halten mehr – die Menge tobt. Zustimmend. Auch in das offensichtlich westdeutsche Ehepaar kommt nun Bewegung.

Kein Wunder – seit Uwe Steimle vor wenigen Wochen den Schauspieler Ralph Herforth der – fast schon gemeingefährlichen – Dummheit überführte und die ebenfalls in der Runde anwesende Schauspielerin Andrea Sawatzki gleich mit (ihr Mann Christian Berkel, auch Schauspieler, unterstützt übrigens die umstrittene Amadeu-Antonio-Stiftung unter Ex-Stasi-Frau Kahane), hat Steimle Kult-Status.

In West und Ost.

Und das ist gut so! Denn bei allen Befindlichkeiten aus alten Ost- und West-Tagen: das Volk sollte sich nicht noch mehr spalten lassen. Wichtig in dieser Zeit!

Dass es aber dennoch einen gewissen Humor gibt, den nur verstehen kann, wer die DDR in all ihren Facetten erlebte, das ist einfach so. Und dass unter all den Kabarettisten diesen wohl nur Steimle so exquisit bedienen kann, auch.

Deshalb wird er wohl bis in alle Ewigkeit EIN Völkchen als feste Fan-Gruppe fest an seiner Seite haben: die Sachsen!

Sein Bühnenprogramm indes wird viele Menschen begeistern – landauf-landab. Der Grund ist klar: Steimle verbiegt sich nicht.

Und das ist gut so!

Bildnachweis: Guido Werner, www.uwesteimle.de

Bild links: Steimle mit einem weiblichen Fan nach dem Auftritt.

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