Bundesverband Alleinerziehender: „Massnahmepaket GroKo zur Bekämpfung Kinderarmut nur kleines Päckchen“

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Was für ein Postengeschacher haben wir in den letzten Wochen erlebt!

Was für ein widerliches Verhalten abgewählter Politiker, die alles daran setzen, ihre Macht zu behalten, obwohl der Unmut der Bürger, darüber, dass die alte und neue Regierung die Augen vor dringlichen Problemen im Land verschließt, wächst.

Eine der Hauptaufgaben Deutschlands ist die Beseitigung der Kinderarmut – und das seit vielen Jahren schon! Doch: außer schöner Worte aus Politkermunde tat und tut sich nicht viel. Die eigenen Diäten und inhaltsloses Geschwätz auf Parteitagen und vor wohlwollendem Publikum waren und sind – so scheint es – immer wichtiger, als die Nöte der Bürger.

Wie groß die Not armer Ein- und Zwei-Eltern-Familien noch immer ist, belegt ganz klar der aktuelle, dringliche Appell des Bundesfamilienverbandes Selbsthilfeinitiativen Alleinerziehender (SHIA) e. V. Wir veröffentlichen die heute heraus gegebene Pressemitteilung dieses Verbandes im Original:

„Berlin, 8. März 2018: Der Bundesfamilienverband Selbsthilfeinitiativen Alleinerziehender (SHIA) e.V. appelliert dringlichst an die neue Bundesregierung, eine bundesweite Gesamtstrategie gegen die ARMUT ALLEINERZIEHENDER ELTERN UND DIE DRASTISCHEN FOLGEN DER KINDERARMUT IN DEUTSCHLAND vorzulegen, diese mit ausreichenden finanziellen Mitteln auszustatten und zielgerichtet umzusetzen ! 

19,3 Prozent aller Kinder in Deutschland – d.h. jedes 5. Kind – sind laut Daten des europäischen Statistikamtes Eurostat von Armut und Segregation betroffen. Dabei dürfte die Zahl armer Kinder, wie Wissenschaftler_innen der Universität Bochum im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung im Februar veröffentlichten, aufgrund unangemessener Berechnungsmethoden noch weit höher liegen.

Über die Hälfte dieser Kinder wächst länger als zehn Jahre in Armut auf und ist aufgrund der prekären finanziellen Situation ihrer Eltern von gleichberechtigter soziokultureller Teilhabe in den Bereichen Bildung, Kultur und Sport ausgegrenzt. In dem sich durch soziale Selektivität auszeichnenden bundesdeutschen Bildungssystem werden arme Kinder bereits im Kleinkind- und Vorschulalter, fortgesetzt im dreigliedrigen Schulsystem und in der weiterführend Ausbildung wie  im Studium benachteiligt, mit schwerwiegenden Folgen für den gesamten Bildungs-, Entwicklungs- und weiteren Lebensweg dieser Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Arm zu sein bedeutet für diese Kinder unfreiwilliger Verzicht auf das, was für andere ganz selbstverständlich zu einem normalen Leben gehört: ausreichend witterungsgerechte Kleidung, gesunde Ernährung, Mitgliedschaft im Sportverein, Erlernen eines Musikinstrumentes, Kinobesuche mit Freundinnen und Freunden, Kindergeburtstage, Urlaub in Familie etc.

Armut bedeutet Scham und Ausgrenzung.

Insbesondere die Kinder Alleinerziehender leben dauerhaft in Armut. Deutschlandweit sind 43 Prozent der Alleinerziehendenhaushalte auf Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II angewiesen, in deutschen Großstädten sind bis zu 70 Prozent aller Kinder alleinerziehender Mütter arm.

Was der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD als „Maßnahmepaket zur Bekämpfung von Kinderarmut“ ankündigt, ist kein schlechter Witz, sondern ein tatsächliches politisches, moralisches und menschliches Armutszeugnis für alle Großkoalitionärinnen und Großkoalitionäre, deren Parteien „christlich“ und „sozial“ im Namen tragen:

  • eine Kindergelderhöhung um sagenhafte 25 Euro monatlich bis 2021 und eine Erhöhung des steuerlichen Kinderfreibetrages – beides erreicht arme Familien aufgrund der Anrechnungsmodalitäten nicht !
  • eine Aufstockung der Bildung-und-Teilhabe-Leistung Schulstarterpaket, das in seiner jetzigen Verfassung den Schulbedarf von Kindern nicht ansatzweise deckt und aktuell aus vielerlei Gründen nicht von allen armen Familien in Anspruch genommen wird;
  • die vollständige Übernahme des bisherigen Eigenanteils zur gemeinschaftlichen Mittagsverpflegung, der sich auf ca. 22 Euro pro Monat beläuft;
  • die Übernahme von Lernförderung, auch ohne unmittelbare Versetzungsgefahr;
  • außerdem soll der Kinderzuschlag für einkommensschwache Familien, insbesondere Alleinerziehende und kinderreiche Familien, erhöht werden – nach derzeitigen Berechnungen um 37 Euro, von maximal 170 Euro auf 207 Euro, mit dem absolut zynisch-diskriminierenden Zusatz: „Damit wollen wir die Leistungsbereitschaft fördern und Anreize zur Aufnahme und Steigerung von Erwerbsarbeit der Eltern setzen.

Die Politik blendet, wie schon seit Jahren, die Lebenswirklichkeit von Alleinerziehenden und ihren Kindern bewusst aus und verweigert konsequent eine durch verschiedene Studien dringend angemahnte wirksame bedarfsgerechte Unterstützung von Alleinerziehendenfamilien.

Bereits heute kommen Alleinerziehende regelmäßig an ihre physischen und psychischen Grenzen: Es ist für die meisten von ihnen schier unmöglich, durch Vollzeiterwerbstätigkeit – zudem im Rahmen familieninkompatibler Arbeitszeiten – alleinverantwortlich ein für die Familie existenzsicherndes Einkommen zu erwirtschaften und gleichzeitig unter häufig prekären Lebensverhältnissen und bei dauerhafter Überlastung den Erfordernissen und Verpflichtungen einer verantwortungsvollen Familienfürsorge, Kindererziehung, Haushaltsarbeit und Alltagsorganisation gerecht zu werden.

Damit muss endlich Schluss sein !

Der Bundesfamilienverband Selbsthilfeinitiativen Alleinerziehender (SHIA) e.V. fordert ein Aktionsprogramm gegen Kinderarmut, das diesen Namen verdient:

ALLE Kinder und Jugendlichen müssen gerechte gesellschaftliche Teilhabe und die beste ihren individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten entsprechende Bildung und Förderung erfahren !

ALLEN Kindern und Jugendlichen ist das Recht zu gewähren auf:

  • kostenfreien Zugang zu allen Schulen und Bildungseinrichtungen,
  • unentgeltliche und qualitativ hochwertige Kindertages- und Hortbetreuung,
  • umfassende Schul-, Lern- und Lehrmittelfreiheit,
  • kostenfreie und qualitativ hochwertige musische, kreative und sportliche Förderung,
  • uneingeschränkte Mobilität und unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Personennahverkehr,
  • freien Eintritt zu öffentlich geförderten kulturellen Einrichtungen, Museen,  Theatern, Bibliotheken, Bädern und Sportanlagen,
  • ein kostenfreies gesundes Mitagessen in Kindertageseinrichtungen und Schulen,
  • sowie vollumfängliche kostenfreie Gesundheitsversorgung und -vorsorge.

Das Deutsche Kinderhilfswerk konstatierte am 02.02.2018 in seinem Kinderreport 2018 als Ergebnis einer Befragung von Erwachsenen und Kindern ein „hohes gesellschaftliches Problembewusstsein angesichts der anhaltend großen Kinderarmut in Deutschland“ – der Wähler_innenauftrag kann eindeutiger nicht formuliert sein:

Die Bekämpfung und Prävention von Kinderarmut muss umgehend zur politischen Aufgabe von höchster Priorität werden ! 

Birgit Uhlworm                                                                          Brunhild Fischer

SHIA-Bundesvorstandsvorsitzende                                       SHIA-Pressesprecherin“

Bildnachweis:

Fotolia, Datei: #104186478 | Urheber: Photographee.eu

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