„Der solidarische Zusammenhalt der Menschen schwindet“

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So lautet zumindest das Fazit von Gerhild Landeck, die uns im Interview zum Thema „ehrenamtliche Hilfe“ Rede und Antwort stand.

Durch einen, im April 2016 erschienen, Artikel in der Leipziger Volkszeitung sind wir auf die Einrichtung „Durchblick“ im sächsischen Markranstädt aufmerksam geworden. Frau Landeck, tätig für diese Einrichtung, beklagte dort, dass es immer weniger Leute gibt, die ehrenamtliche Hilfe leisten.

Die Einrichtung „Durchblick“ hilft Menschen bei der Bewältigung von Alltagsproblemen – ganz gleich, ob diese Hilfe junge oder alte Leute benötigen. Egal auch, ob Hilfe bei der Beantragung von sozialen Leistungen gebraucht wird oder Unterstützungsmöglichkeiten in besonderen Lebenssituationen gefragt sind.

Da im LVZ-Artikel anklang, dass es einen großen Unterstützer-Kreis im Bereich der Asylsuchenden gibt, aber eben städtische Einrichtungen, wie beispielsweise „Durchblick“ immer größere Probleme haben, Ehrenamtliche zu gewinnen, fragten wir einfach mal nach, wo der Schuh wirklich drückt.

Nicht zuletzt, da dieses Gefühl (dass für Fremde derzeit mehr ausgegeben und organisiert wird als für die einheimische Bevölkerung) auch immer mehr Menschen im Volk haben. Gar nicht mal zu Unrecht! Denn dass Milliarden für Fremde, die sich gar nicht in Deutschland aufhalten dürften, ausgegeben werden, ist Fakt und Irrsinn zugleich! (Ex)Verfassungsrechtler haben zudem bestätigt, dass die derzeitige Regierung gesetzeswidrig handelt. Dass der Großteil der sogenannten etablierten Medien diesen Kurs nahezu kritiklos unterstützt und schamlos gegen Kritiker zu Felde zieht, können viele Menschen nicht nachvollziehen   – Honeckers schreibende Zunft lässt grüßen!

Ebensowenig versteht es „Otto Normalbürger“, dass für einheimische Kinder – wie kürzlich beispielsweise in Nordsachsen geschehen – kein (ehrenamtliches) Personal da ist, das Schulkinder vom Bus abholen und zum Hort begleiten kann, aber für Asylsuchende offenbar keine Kosten und Mühen gescheut werden, ihnen hier – auf Steuerzahlerkosten – eine „Rundum-Versorgung“ zu gewährleisten, Asyl-Paten oft inklusive!

Das allerdings ist schon wieder ein separates Thema für sich!

Lassen wir im Interview Gerhild Landeck, in Markranstädt für die genannte Einrichtung „Durchblick“ tätig (und seit Jahren auf dem sozialen Sektor engagiert), zu Wort kommen:

FP: Frau Landeck, die städtische Einrichtung „Durchblick“, für die Sie in Makranstädt zuständig sind, vermittelt ehrenamtliche Hilfe an Menschen in schwierigen Lebenslagen. Wann mussten Sie feststellen, dass Ehrenamtliche rar werden?

Die allgemeine Beratungsstelle „DURCHBLICK“ ist eine Einrichtung der Stadt Markranstädt und  deckt den Bereich „Soziales“ in unserer Stadtverwaltung  ab. Diese Aufgabe (Sozialarbeit innerhalb der Kommune) wird von der Stadt Markranstädt zusätzlich und freiwillig als ortsnahes Angebot geleistet.

Das zuständige Sozialamt für unsere kreisangehörige Stadt ist beim Landratsamt in Borna angesiedelt. Die Koordination des Ehrenamtes obliegt dem Mehrgenerationshaus (Träger des Ehrenamts-Projektes).

Ich sehe mich als „Bindeglied“ zwischen Angebot und Bedarf.  Ehrenamtliche Helfer sind schon immer gefragt – generell hat in den letzten Jahren die Bereitschaft abgenommen, sich uneigennützig für seine Mitmenschen zu engagieren.

FP: In einem Artikel der „Leipziger Volkszeitung“  vom 15. April 2016, klang leise durch, dass viele Menschen sich für „Flüchtlinge“ engagieren, aber immer weniger für die einheimische Bevölkerung – wie erleben Sie das?

So war es nicht geschrieben bzw. gemeint.  Es war einerseits ein Appell an eine besonnene Herangehensweise in der Unterstützung der Flüchtlinge  (koordiniertes Helfen) – andererseits eine Art „Erinnerung“, dass der Kreis hilfebedürftiger Menschen auch diejenigen betrifft, die oft vorverurteilt und als „an ihrer Misere selbst schuld“ eingeordnet werden.

FP: Welcher Personenkreis benötigt Ihre ehrenamtliche Hilfe am meisten, in welchen Lebenslagen greift die ehrenamtliche Hilfe Ihrer Institution am häufigsten?

Menschen mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz

FP: Sie sprachen sich in der LVZ dafür aus, „ein Helfernetzwerk“ etablieren zu wollen und verwies auf viele Ideen, die es schon gibt. Können Sie uns mehr dazu sagen?

Bisher sind es nur Ideen – zur Umsetzung bedarf es nicht nur der Menschen, die diese Ideen mit tragen, sondern auch generell eines Umdenkens in der Allgemeinheit, aber auch in Ämtern und Behörden.

Wir erwarten von unserem Gegenüber immer, dass er genauso denkt, genauso handeln kann, wie wir es selbst tun würden. Bei Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz entwickeln wir mitunter einen gewissen Förderoptimismus und sind persönlich enttäuscht, wenn unsere Bemühungen nicht fruchten.

Aus meiner Sicht ist ein Großteil unserer „Hilfekonzepte“ für einen nicht unerheblichen Teil der Hilfebedürftigen unpassend. Wir setzen voraus, dass sie unsere gesprochenen Sätze verstehen, dass sie unsere (Behörden-)Schreiben lesen und vor allem sinngemäß erfassen, und wir erwarten, dass sie das alles auch umsetzen können.

Scheitern sie daran, werden sie schnell als unwillig  und faul abgestempelt.

FP: Hat sich die Zahl der Einheimischen, die in schwierige Lebenslagen geraten, in der letzten Zeit erhöht und welche „Hilfs-Situation“, in der Sie ins Spiel kommen, ergeben sich am meisten?

Dass sich die Zahl der Hilfesuchenden in der letzten Zeit erhöht hat, kann ich nicht behaupten.

Die allgemeine Beratungsstelle besteht seit März 2010 und ist seither gut ausgelastet. Das Spektrum ist breit: angefangen von der Beratung in Alltagsfragen bis hin zur Begleitung in behördlichen Angelegenheiten sowie der Organisation von speziellen Hilfe- und Unterstützungsmöglichkeiten (Beantragung von Sozialleistungen, Anregung von Betreuungen usw.).

Wichtig ist im Bedarfsfall eine aufsuchende Hilfe – und das Gespür für den Bedarf.

FP: Worauf sind – Ihrer Meinung nach – die sozial-gesellschaftlichen Probleme, mit denen Sie ja in Ihrer Arbeit täglich konfrontiert sind, zurück zu führen?

Der solidarische Zusammenhalt der Menschen schwindet, in der öffentlichen Verwaltung  gibt es zunehmend weniger ressortübergreifendes Denken und Handeln. Andererseits fehlt oftmals die Wertschätzung im Umgang miteinander: Nur wenn ich selbst Wertschätzung erfahren habe, kann ich andere Menschen wertschätzen.

FP: Halten Sie die allumfängliche Hilfe, die „Flüchtlingen“ hierzulande zuteilwird, zu hoch? Immerhin herrscht im Leipziger Raum eine hohe Kinderarmut, in vielen Familien werden Drogen konsumiert und die Kinder vernachlässigt, das Leipziger St. Georg-Krankenhaus verzeichnet einen sprunghaften Anstieg Neugeborener, die crystal-süchtig auf die Welt kommen – auch hier wären für eine engmaschige Nachbetreuung dieser Mütter satte Finanzspritzen nötig.

Und da haben wir noch nicht einmal das Thema „Altersarmut“ angesprochen, ganz zu schweigen auch von –zig Tausenden Senioren, die einsam sind und wo man kaum das Gefühl hat, dass für sie – wie für „Flüchtlinge“ – Teilhabe gefordert und geboten wird, Feste veranstaltet werden usw.

Die Fragestellung empfinde ich als sehr polemisch. Die Hilfe für Flüchtlinge halte ich nicht für zu hoch – nur oft zu unkoordiniert und vielleicht auch manchmal unkontrolliert.

Dies ist aus meiner Sicht auch der Tatsache geschuldet, dass uns die Situation „überrollt“ hat und erst im Nachhinein strukturierte Herangehensweisen entwickelt wurden. Auch hier würde ich mir manchmal mehr Verbindlichkeit wünschen.

Die Definition des  Begriffes „Kinderarmut“  in Deutschland hat aus meiner Sicht eine gesonderte Erörterung verdient.

Für mich stehen hier nicht an erster Stelle materielle Dinge.

Ich bin seit ca. 30 Jahren ehrenamtlich und auch beruflich im sozialen Bereich tätig, Vernachlässigungen von Kindern gab es von jeher – der besorgniserregende  Konsum von Drogen in Familien ist aus meiner  Sicht nicht in erster Linie Folge fehlender öffentlicher Finanzen, sondern eher der Verfügbarkeit und des niedrigschwelligen Zugangs dazu.

Die seit Jahren explodierenden Kosten in der Kinder- und Jugendhilfe,  die zur Verfügung stehenden Mittel  und vielfältigen Hilfeangebote für Familien in schwierigen Lebenslagen werfen für mich eher die Frage der Nachhaltigkeit auf.

Eine engmaschige, hoch finanzierte Nachbetreuung von Crystal konsumierenden Müttern ist wichtig – setzt aber auch voraus, dass diese Mütter die Hilfe annehmen und umsetzen können.

Hilfe und Unterstützungsangebote sind immer freiwillig – für mich stellt sich auch oft die Frage der Verbindlichkeit.  Ich bin nicht davon überzeugt, dass mehr Geld das Problem lösen würde.

Ich engagiere mich seit 25 Jahren für Kinder und Jugendliche (inzwischen auch erwachsene Betroffene), die durch Alkohol in der Schwangerschaft geschädigt zur Welt kommen – diese Kinder haben zeitlebens oftmals mit noch gravierenderen Folgen zu kämpfen. Hilfe und Unterstützung beginnt für mich im Kopf all derer, die sich mit dem Thema befassen: Mediziner, Politiker, Behörden, usw. und der Bereitstellung passgenauer und flexibler Hilfen.

Auch das Thema „einsame Senioren“ tangiert mich in meiner täglichen Arbeit und lässt mich immer wieder darüber nachdenken.  Ihren Gedanken, für Senioren würde – analog wie für Flüchtlinge – keine Teilhabe angeboten, kann ich aus meiner Erfahrung so nicht nachvollziehen.

Diese Behauptung ist auch ungerecht den vielen fleißigen Helfern gegenüber, die sich haupt- oder auch ehrenamtlich in den zahlreichen sozialen Trägern für ältere Menschen tagtäglich engagieren (Diakonie, Arbeiterwohlfahrt, Caritas, DRK, Pflegedienste, Mehrgenerationshäuser  usw.).  Da gibt es schon eine Reihe von Aktivitäten, auch Feste und Feiern.

Ich erlebe eher, dass ältere Menschen auch Hemmschwellen haben, diese Angebote wahrzunehmen oder  aber auch aus den unterschiedlichsten Gründen keinen Zugang dazu finden.

Und genau hier können ehrenamtliche Besuchsdienste Brücken bauen – oder aber auch  den individuellen Wunsch nach Kontakten erfüllen (z.B. Besuch zum Geburtstag statt Gemeinschaftsfeier im Club, Begleitung beim Kinobesuch und vieles mehr…).

FP: Hat der Artikel in der „Leipziger Volkszeitung“ etwas bewirkt – haben sich Leute für die  Übernahme eines Ehrenamtes gemeldet?

Ja!

FP: In welchen Bereichen besteht derzeit Ihr Bedarf an engagierten Menschen?

In der Entwicklung von alternativen Hilfe- und Unterstützungskonzepten, in der Begleitung älterer und einsamer Menschen sowie auch Kinder und Jugendlicher im Freizeitbereich

FP: Mit welchem Gefühl gehen Sie, bei dem, was Sie leisten, in die Zukunft?     

Ich blicke immer optimistisch in die Zukunft, sonst könnte ich die Menschen nicht ermutigen und  ihnen nicht vermitteln, wie man sich für seine Belange selbst einsetzen kann.

Infos zur Einrichtung „Durchblick“:

http://www.markranstaedt.de/markranstaedtdok/dok/LGtRGvLXDDo7E4kAfzjoSEBuPMeD6eanrXalxrZjE3qj6cTRWF/Flyer%20Durchblick.pdf

Bildnachweis: Fotolia, https://de.fotolia.com/id/108012166#

Datei: #108012166 | Urheber: Picture-Factory

 

 

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