„Hilfe – ich werd wie meine Mutter“ – was ist schlecht dran?

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Betreuerin liest Seniorin Buch vorGanze Bücher, viele Artikel und unendliche (Web)Diskussionen handeln davon: dass man (oder besser gesagt: vornehmlich FRAU) darüber stöhnt, wenn sie feststellt, Eigenschaften der eigenen Mutter an den Tag zu legen.

Besagte Publikationen gibt es freilich auch einen Zacken schärfer, dann in dem Tenor „Hilfe – jetzt wird ich schon wie meine Mutter!“. Ich verstehe das – ehrlich gesagt – nicht und mich wundert, dass das Thema so negativ besetzt ist.

Und ich überlege, ob das vielleicht wieder so eine medial „gemachte“ Thematik ist, so wie ja auch schon der „Mütterkrieg“ (den es so gar nicht gibt) oder die ganzen Diskussionen um Quotenkrieg, Hausfrauen & Co. Hier wird ja auch meist so getan, als wenn die meisten Frauen in einem Vorstands- oder DAX-Unternehmen arbeiten möchten (deshalb die Quote) oder dass Hausfrauen sich mit Karrierefrauen ständig irgendwie in der Wolle haben. Was alles totaler Quatsch ist.

Deshalb bin ich überaus misstrauisch, wenn jetzt – in Anbetracht des nahenden Muttertags – wieder der Chor der vermeintlich so vielen Frauen mit der „bitte-nicht-wie-meine-Mutter“-Jammer-Orgie einsetzt.Gut möglich, dass hier viel mediales „Herbei-Gerede“ (mit gefakten, gar nicht mal real existierenden, Personen, die angeblich diese Nummer abziehen) im Spiel ist!

Schon deshalb, weil ich in diesem Leben eine Menge Frauen getroffen habe, die mit ihrer Mutter ein super Verhältnis haben und die Ratschläge und gemeinsamen Stunden mit ihr nie und nimmer missen möchten.

Nächste Woche, am Sonntag, den 8. Mai 2016, ist der Ehrentag für die Mütter in unserem Land und es kann sein,  dass es nun wieder in dem „bloß-nicht-wie-meine-Mutter“-Tenor los- und weitergeht.

Wofür ich eher wenig Verständnis habe, wie ja oben schon angerissen.

Zunächst: meine eigene Mutter lebt nicht mehr. Mit ihr ging seinerzeit die beste Freundin meines Lebens!

Denn im Gegensatz zu so vielen jammernden Frauen, die sich scheinbar mit so gar keiner Eigenschaft ihrer Mutter identifizieren können, war meine Mutter auch Ratgeberin, Trösterin und eben – ja – auch eine Freundin.

Neben meiner besten, gleichaltrigen Freundin, die glücklicherweise noch immer in meinem Leben präsent ist!

Meine Mutter war auch über meine Kindheit hinaus – oder da vielleicht sogar noch viel intensiver – immer für mich da. Mit ihr konnte ich die Probleme und Nöte des Alltags besprechen und wusste: hier bekomme ich guten Rat! Ich hatte das große Glück, dass meine Mutter in meiner Nachbarschaft lebte, so dass es eine gute, lieb gewonnene, Gewohnheit war, zwischen zwei Terminen in meinem hektischen Alltag bei ihr rein zu schauen.

Ich rief vorher immer kurz an und je nachdem, ob es Mittagszeit war oder schon Nachmittag, kam das vertraute: „na, da mach ich Dir schon mal was zu Essen warm“ oder „ich mache uns einen Kaffee mit einem Stückchen Kuchen!“.

Dann saßen wir zusammen, besprachen dies und das, wenn ich Kummer oder Probleme hatte, war sie mit einem lebenserfahrenen Rat zur Stelle.

Klar stritten wir auch mal miteinander – aber wie!

Jedoch: auch wenn wir den heftigsten Streit vom Zaune gebrochen hatten (gern auch mal am Telefon) – spätestens am Abend desselben Tages griff eine von uns noch mal zum Hörer und schlug versöhnliche Tön an. Weil keine von uns verstritten in die Nacht gehen wollte – es war halt so.

Mit meiner Mutter verreiste ich auch immer mal. Keine wochenlangen Urlaube, aber verlängerte Wochenenden oder ein paar Wellnesstage: die waren zweimal im Jahr mindestens angesagt! Wir ließen es uns bei Massagen gut gehen, bei ausgedehnten Spaziergängen, genossen schönes Essen, vertraute Gespräche.

Heute bin ich froh, dass ich so viel und so intensiv Zeit mit meiner Mutter verbracht habe. Denn kaum war ich 35 Jahr alt geworden, wurde meine Mutter – in eigentlich noch recht jungen Jahren – schwer krank.

Für mich war es selbstverständlich, dass ich sie in jeder freien Minute pflegte und mich – gemeinsam mit meinem Vater – um den ganzen Behördenkram, der ja dann nicht ausbleibt, kümmerte.

Schritt für Schritt nahm die Krankheit Besitz von meiner Mutter, irgendwann erkannte sie weder mich noch meinen Vater mehr. Eine schlimme Zeit, auch weil ich damals gerade mein erstes Kind bekommen hatte.

Irgendwann kam der bittere Tage, als meine Mutter starb. In meiner Kindheit malte ich mir das immer als das absolute Horrorszenario aus, was es zweifelsohne natürlich auch irgendwo ist.

Aber als es dann soweit war, musste ich stark sein, mit meinem Vater alle Formalitäten rund um den Tod und die Beerdigung organisieren und mich zudem um mein damals sehr kleines Kind kümmern.

Man funktionierte eben irgendwie und meine Trauer verarbeitete ich eher im Alltag, gemeinsam mit meinem Nachwuchs, der die Erinnerung an Oma bis heute tagtäglich lebendig hält.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht zumindest einmal von meiner Mutter sprechen, der Oma eben, die der Nachwuchs glücklicherweise noch kennen gelernt hat, wenn leider auch im Krankheitsstatus.

Insofern – um auf den Kern des Themas zurück zu kommen – bin ich keine Frau, die jemals darüber stöhnen würde, wenn ich feststellte, dass ich (in manchen Dingen) werde, wie meine Mutter.

Im Gegenteil:

ich wünsche mir von Herzen, dass meinem eigenen Nachwuchs das Verhältnis zu mir, bis in mein hoffentlich hohes Alter hinein, ebenso angenehm und wichtig ist, wie das bei mir, mit meiner eigenen Mutter der Fall war.

Insofern wünsche ich schon heute allen, denen die eigene Mutter so wichtig ist, wie meine es für mich war, einen schönen Muttertag und kann nur allen sagen: genießen Sie die Zeit mit ihr – solange es möglich ist!

Bildnachweis: Fotolia, https://de.fotolia.com/id/90640471

Datei: #90640471 | Urheber: Printemps

 

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