Familie & Beruf: ohne Oma geht’s nicht!

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…und ohne Opa oft auch nicht! Meint unsere Gastautorin Lisa-Marie. Sie berichtet aus ihrem Alltag mit folgendem Artikel:

Kürzlich beim Kinderturnen.

Beginn um fünf Uhr nachmittags, eine drahtige Endsechzigerin – Typ fitte Oma – im Gespräch mit einer anderen Dame gleichen Alters.

Während die kleinen Freizeitsportler darauf warten, dass die Sportstunde losgeht und im Vorraum der Sporthalle ein großes Gewusel aus Erwachsenen und Kindern zu verzeichnen ist, höre ich, wie sie zu ihrer Gesprächspartnerin – untersetzt mit einem Seufzer – sagt: „..tja, ohne Oma geht’s eben nicht!“

Ich weiß sofort, worauf sie es bezieht – auf das Chauffieren des Nachwuchses zur wöchentlichen Sportstunde und zurück.

Zu dieser Zeit nämlich – um 17.00 Uhr – arbeiten viele Mamas und Papas noch.

Insofern kein Wunder, dass der Tross der Betreuungspersonen in der Turnhalle mit einem Altersdurchschnitt von 60plus aufwartet.

Auch ich bin um diese Uhrzeit sonst eigentlich noch auf der Arbeit und muss auf meine Eltern oder eben die Schwiegereltern zurück greifen, damit mein Kind die wöchentliche Kindersportstunde im örtlichen Turnverein wahrnehmen kann.

Heute bummele ich Überstunden ab, deshalb musste keiner der Großeltern einspringen, aber ansonsten bin ich – aufgrund meiner Arbeitszeiten – nicht in der Lage, die Hin- und Rückfahrt meines Kindes zur körperlichen Ertüchtigung einmal wöchentlich zu übernehmen.

Ich arbeite im Einzelhandel und meine Feierabendzeit beginnt stets nach 17.00 Uhr. Von meinem Mann, der als Vertriebler im Außendienst arbeitet und auch mal zwei, drei Tage am Stück deutschlandweit unterwegs ist, ganz zu schweigen!

Unser Glück ist, dass sowohl meine als auch seine Eltern in unserer Nähe wohnen und sie fast jederzeit supergern für unsere Tochter, fünf Jahre alt, da sind.

Aber: wie viele Eltern oder auch alleinerziehende Mamas oder Papas haben diesen Luxus nicht?

Was dann?

Tja, im Falle des besagten Kinderturnens müsste das Kind dann eben auf derlei Hobby verzichten und stattdessen eben länger in der Kindergarten-Betreuung bleiben.

Traurig eigentlich.

Aber dennoch bittere Realität im Jahre in Deutschland 2017.

Denn die vielgepriesenen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf mögen auf Papieren des Familienministeriums gut daherkommen, real umzusetzen sind sie kaum. Vor allem nicht in Großstädten oder/und Metropol-Regionen, in denen viele Ein- und Zwei-Eltern-Familien gänzlich ohne familiäre Unterstützung auskommen müssen.

Großeltern, Tanten oder andere Verwandte wohnen meist weit weg und sind im Fall des Falles nicht verfügbar.

Wer hier kein Netzwerk aus anderen (alleinerziehenden) Müttern oder Vätern hat, ist oftmals mehr als aufgeschmissen.

Wir selbst wohnen ländlich und ich muss sagen, dass der familiäre Zusammenhalt auf dem Land noch ein ganz anderer ist.

Hier wohnen Familienmitglieder nicht weit auseinander und der Alltag mit den Kindern wird so ganz selbstverständlich von fast allen Familienmitgliedern (von denen die jungen Mamas und Papas durchaus fast immer in der nächstgelegenen Stadt arbeiten) „gewuppt“.

Kinderschwimmen, Kinderturnen, das Abholen aus dem Kindergarten – im ländlichen Raum tritt hierzu meist die Generation 60plus auf den Plan, die Großmütter und die Großväter eben.

Eine Bekannte von mir – ein Dorf weiter – ist alleinerziehend und absolviert in der Stadt, 20 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt, eine zusätzliche Spezialausbildung.

Sie verlässt das Haus morgens um sieben und kommt gegen sechs abends heim. Ihr Sohn ist ebenfalls fünf Jahre alt und die meiste Zeit in der Obhut seiner Oma.

Diese gehört zur oben erwähnten „fitten“ Fraktion – mit Führerschein und Auto, so dass sie die Betreuung des Enkels während der Abwesenheit seiner Mama komplett abdecken kann – inklusive Abholung aus dem Kindergarten und der Fahrten zu Sport, Ausflügen & Co.

Insofern – das ist meine Meinung – ist das A und O einer Vereinbarkeit von Familie und Beruf in erster Linie der familiäre Zusammenhalt.

Dass auf diesen wieder verstärkt Wert gelegt wird, zeigen die vielen Mehrgenerationenhäuser, die deutschlandweit neu entstehen, hergerichtet oder gekauft werden.

Eltern, Kinder und Enkel unter einem Dach, aber jeder mit seinem separaten Privatbereich – das ist längst kein altbackenes Lebensmodell über das man müde lächelt, sondern erweist sich mehr und mehr als überaus gefragte Zukunftsvision. Auch und vor allem bei jungen Leuten.

Auch wenn immer mehr Unternehmen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Thema für ihre Belegschaften entdecken und auch die Politik in den letzten Jahren erkannt hat, wie wichtig der Einklang dieser Lebensbereiche ist: in Sachen Kinderbetreuung ist die die eigene Familie, die Verwandtschaft, noch immer erste Wahl!

Und ohne Oma (oder Opa) läuft in –zig Tausenden Familien: eben gar nichts!

Bildnachweis: pexels.com

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