Freundschaftsbücher – wie kindgerecht sind sie?

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Ein Gastbeitrag von Manuela.

Ach, was waren das für Zeiten, als man stolzer Besitzer eines Poesiealbums war und selbiges einst an seine Klassenkameraden weiterreichte. Der Einband eines solchen Albums war meist sehr   ansprechend – oft auch hochwertig – gehalten, ansonsten aber wartete das Büchlein nur mit rein weißen Seiten auf.

Jeder, der sich hier verewigen sollte, musste sich selbst Gedanken machen, wie er seinen Eintrag gestaltet – der Kreativität und Phantasie waren freilich keine Grenzen gesetzt.

Und heute? Kommen diese Büchlein als „Freundschaftsbücher“ daher (von Poesiealbum ist keine Rede mehr) und das meist in schrillen, kitschigen Farben. Oft zieren Trickfilm- oder Spielfiguren den Einband.

Nun gut – jede Zeit hat ihre Sitten und Gebräuche, aber als Mutter fragt man sich schon, ob das, womit die Freundschaftsbücher aufwarten, wirklich kindgerecht ist?

Freundschaftsbücher kursieren schon im Kindergarten

Zumindest geht mir das so – ich war nämlich ziemlich irritiert, als mein Kind das erste Mal mit so einem Buch ankam. Und das wohlgemerkt schon im Kindergartenalter. Früher kreiste ein Poesiealbum ja erst in der Schule, jetzt aber kommen schon die Kleinsten mit den beliebten Alben an. Das muss irgendeiner mal irgendwann angefangen haben und seitdem geht das wohl so.

Aber gut – warum nicht auch schöne Erinnerungen an die Kindergartenzeit für die Ewigkeit festhalten? Wie gesagt: andere Zeiten, andere Sitten!

Aber zurück zu dem Teil selbst. Wie schon erwähnt, war das Ding in kreischendem Pink gehalten und innen ging es erst richtig los.

Da finden sich zum Beispiel Fragen, wie diese hier: „Hast Du schon einmal einen Liebesbrief bekommen?“ oder: „Schminkst Du Dich schon?“ oder auch: „Welche Nagellackfarbe magst Du am liebsten?“.

Noch mal: es geht um Kindergartenkinder, unter denen diese Bücher kreisen, teilweise sind sie erst vier oder fünf Jahre alt. Was soll das? Andererseits: auch in den sozialen Netzwerken sieht man es immer häufiger, dass kleine Mädchen im Vor- oder Grundschulalter lackierte Nägel haben. Absolut fragwürdig, um nicht zu sagen: hirnrissig!

Und in Sachen „Verliebt sein“ mit vier oder fünf Jahren lässt wahrscheinlich die Frühsexualisierung grüßen, die sich wie ein fauliges Geschwür seit geraumer Zeit – forciert von Politik, Medien, Initiativen und Verbänden – in unserem Land breitmacht.

Hat mit kindgerechtem Angebot nichts zu tun

Kurzum: mit einem kindgerechten Angebot hat das alles nichts mehr zu tun und solche Fragen haben – meiner Meinung nach – in einem Freundschaftsbuch nichts, aber auch gar nichts, verloren.

Ich persönlich denke ob solcher Inhalte wirklich mit Wehmut an mein gutes altes Poesiealbum zurück, im Bild links ist ein Ausschnitt daraus zu sehen.

Und zu sehen ist auch, wie kreativ die Schüler damals waren, als es hieß, sich was einfallen zu lassen, wie man die zwei weißen Blätter, die für den persönlichen Eintrag zur Verfügung standen, nutzt.

Und nahezu jeder Schüler hat sich damals was einfallen lassen! Neben einem Bild von sich (womit fast jeder Eintrag versehen war), wurde gemalt, geklebt, verewigte sich der jeweilige Schreiber mit seiner ganz persönlichen Note. Und: die für das Poesiealbum ausgewählten Verse und Zitate hatten auch immer einen Sinn, enthielten Lebensweisheiten.

Heute ist das nicht mehr der Fall, denn nahezu alle Freundschaftsbücher warten mit vorgefertigten Fragen auf, Platz für eigene Kreativität bleibt kaum.

Allerdings passt das zur aktuellen gesamtgesellschaftlichen Lage: eigenständiges Denken oder/und Handeln ist scheinbar irgendwie nicht mehr soooo gefragt, man sieht das ja in vielen Bereichen.

Wie aber als Mutter reagieren auf die dümmlichen und so gar nicht kindgerechten Fragen in solchen Freundschaftsbüchern?

Für mich ganz einfach: ich ignoriere Fragen nach Nagellack, Verliebtheit und Co. und beantworte mit meinem Kind nur die Fragen, die ich als kindgerecht erachte.

Und erinnere mich dabei nostalgischen Herzens an mein eigenes Poesiealbum, das bis heute einen Ehrenplatz in meinem Bücherschrank hat – randvoll mit Kreativität und nie aus der Mode gekommenen Sprüchen und Zitaten!

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