Ghost-Restaurants: Werden sie in der Coronakrise zum rettenden Strohhalm in der Gastronomie?

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Keine Gäste, kein Inventar, keine Deko, sondern nur eine Küche und einen Abholbereich fürs Essen – das sind Ghost-Restaurants. Was vor wenigen Jahren als pfiffiger Trend in Großstadtmetropolen begann, könnte jetzt in der Corona-Krise vielleicht zum rettenden Strohhalm für manche Wirte werden.

Denn Ghost-Restaurants brauchen keine kostenintensive Location, sondern lediglich eine Räumlichkeit, wo gekocht und das Essen abgeholt werden kann. Abgeholt von einem Lieferservice, der die georderten Speisen dann zum Kunden bringt. In deutschen Städten ist dieser Kulinarik-Trend schon etabliert, obwohl das Phänomen der „Geister-Küchen“ auch dort vor Jahren noch ein völlig Neues war.

Ghost-Restaurants kommt die aktuelle Situation der Menschen zugute

Die simple Konzeption könnte auch über hippe Städte hinaus greifen und womöglich dem einen oder anderen Gastronomen die Existenz sichern. Das Gute an dem Konzept ist, das es zwei Faktoren verbindet: Einmal die Tatsache, dass viele Wirte gerade vor der Entscheidung stehen, ihre Restaurants aufgrund der Pandemie aufzugeben (oder dies schon längst tun mussten) und der Fakt, dass in Corona-Zeiten das Thema Essen einen ganz anderen Stellenwert bekommen hat. So müssen viele Familien mit Kindern nicht nur täglich ein Mittagbrot zaubern, nein – auch passionierte Restaurantgänger müssen auf den kulinarischen Genuss im örtlichen Gasthaus, beim Griechen, beim Asiaten, beim Italiener und so weiter verzichten.

All das hat den Stellenwert der Kulinarik in den Fokus gerückt und ihm völlig neue Impulse gegeben. Nicht nur, dass viele Mamas und Papas jetzt viel mehr kochen (lernen) müssen, nein; auch die Lieferdienste erleben interessante Zeiten und sind ganz klare Krisengewinner.

In Großstädten wie Berlin laufen die Geisterküchen gut

Denn sowohl DIE Leute, die im normalen Leben kontinuierlich ins Restaurant gehen, als auch Familien mit Kindern nutzen in diesen Zeiten Lieferdienste verstärkt. Sei es aus Freude am Genuss oder aufgrund des Umstands, dass man es zwischen Homeoffice, Videokonferenz und Homeschooling nicht immer schafft, eine komplett warme Mahlzeit am Mittag oder abends zu kochen.

Es ist also die große Stunde der Ghost-Restaurants, von denen sich beispielsweise in Berlin manche vor Bestellungen gar nicht retten können. Vor allem dann, wenn sie gute Produkte und achtsam gekochtes Essen anbieten.

Liefern lassen ist das Gebot der Stunde!

In diese Nische ist zum Beispiel Sachin Obaid mit seinem Geschäftspartner Suleman Thaker in Berlin gestoßen. Die beiden haben gemeinsam das Ghost-Restaurant „Tiffin“ aufgezogen und bieten dort indische Küche als Außer-Haus-Geschäft an. In den aktuellen Zeiten können sie sich nicht beschweren.

Dem tip-Berlin-Magazin gegenüber sagt Sachin Obaid folgendes:

„Wenn diese Pandemie aber etwas Gutes hat, dann dass die Leute jetzt auch zuhause Wert auf gute Produkte und wirklich achtsam gekochtes Essen legen.“

Und sie lassen eben liefern: DER wohl derzeit am meisten getätigte Vorgang in Sachen Essen, Kleidung, Bücher, Kosmetik, usw. Wo nichts weiter an Geschäften geöffnet hat, als Supermärkte muss man sich die Dinge eben liefern lassen.

So auch das leckere Mahl aus der Ghost-Küche. Dieses Konzept lässt sich derzeit wohl am einfachsten von Wirten umsetzen, die ihre Gaststätte in der eigenen Immobilie betreiben und von jetzt auf gleich auf Lieferservice umstellen können. Solche Locations sind ja eigentlich mit der Pandemie automatisch Ghost-Restaurants geworden, nur mit dem Unterschied, dass es neben der Küche weitere Räumlichkeiten mit Inventar, Deko & Co. gibt.

Ein Ghost-Restaurant als temporäre Alternative?

Wer jedoch sein Lokal aufgeben muss, weil er vielleicht pandemiebedingt die Miete nicht mehr zahlen kann, für den wäre der Zwischen- oder Neustart als „Ghost-Wirt“ ja vielleicht eine Alternative. Eine preiswerte Räumlichkeit, in der man Kochmobiliar stellen kann, schlägt bekanntlich nicht so kostenintensiv zu Buche, als ein großzügiges Restaurant mit allem Drum und Dran.

Und für die Werbung müssten eben erst einmal die guten alten Flyer reichen, mit denen man in der ersten Zeit recht billig auf Kundensuche gehen kann. Ein Online-Auftritt ist bekanntlich wesentlich teurer.

Allerdings gilt auch bei so einem Alternativ-Konzept: Geld muss immer in die Hand genommen werden, wie man es auch dreht und wendet. Und viele, viele Gastronomen haben eben derzeit keinen Penny übrig. Zumal es mit den angekündigten Finanzhilfen der Regierung auch nicht so rund läuft und die Machthaber in Berlin erst mal zusahen, dass sie sich selbst einen fetten Corona-Bonus zahlten.

Wer kann:  Machen!

Insofern wird es wahrscheinlich aktuell nur eine überschaubare Anzahl von Gastronomen geben, die auf das Alternativ-Konzept Ghost-Restaurant umsatteln können. Allerdings gilt für jene, die das finanziell noch gestemmt bekommen, ganz klar: Machen! Denn: Gegessen wird immer, Corona hin, Pandemie her…

Recherche-Nachweis: tip-Berlin-Magazin, 2/21

Bildnachweis: stock.adobe.com / william87

 

 

 

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