„Hier spricht das Volk“: BILD startet eigenes Talk-Format – Lohnt es sich?

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Die BILD-Zeitung kommt jetzt auch als Talk-Format daher

BILD startet ein eigenes Talk-Format

Chefredakteur Julian Reichelt persönlich ist es, der vor seinen geladenen Talk-Gästen steht und die Leute auch schon mal um Handzeichen bittet. So zum Beispiel bei der Frage, ob Jens Spahn ein guter Bundeskanzler wäre oder wer mit dem Auto anreiste.

Das neue Format, von dem die Rede ist, heißt „Hier spricht das Volk“ und ist ein schon länger angekündigtes Format von Bild.de.

BILD will ganz normale Leute zu Wort kommen lassen

Zu Wort kommen sollen hier ganz normale Leute – von der Friseurin über den Beamten und das Model bis hin zum Rentner, dem Handwerker und dem Unternehmer. In der ersten Folge sind solche Leute auch reichlich anwesend.

Die Frage aber, ob es wirklich ganz gewöhnliche Bürger aus dem Volk sind, die da Chefredakteur Reichelt Rede und Antwort stehen, stellt man sich als Zuschauer unwillkürlich. Immerhin behauptet das ja eigentlich so gut wie jedes Talk-Format im deutschen Fernsehen. Stets wird so getan, als hätte man die Bürger von der Straße weg ins Studio zum Talken geholt.

Dass das aber nicht sein kann, beweisen die Gäste bei Illner, Lanz, Maischberger, Will, Plasberg & Co. bekanntlich stets aufs Neue. Fast immer ist auch die Meinung des „normalen Bürgers“, der in solchen Formaten zu Wort kommt, total „auf Linie“. Was nicht zuletzt auch ein Grund dafür sein dürfte, warum die gesamte Medienlandschaft in den letzten Jahren in Verruf gekommen ist.

Überzeugt BILD mit dem Format?

Und nun die Bild.de-Talkshow mit dem an den 1989er-Revolutionsspruch „Wir sind das Volk“ angelehnten Titel. Überzeugt sie?

Bislang (noch) nicht. Warum? Weil viele der geladenen Gäste einmal mehr die veröffentlichte Einheitsmeinung wiedergeben und die wenigen Stimmen, die so reden wie wohl die meisten Leute im Volk, etwas alibimäßig daherkommen. Ganz nach dem Motto: „Schaut, wir haben durchaus politkritische Gäste dabei“.

So spricht zum Beispiel ein Polizist davon, dass er es nicht so empfindet, dass die Messerangriffe nun so dramatisch zugenommen haben. Die zurückgebliebene Göre Greta, die „draußen“ – bis auf wenige Verblendete – kaum Anhänger haben dürfte, scheint vielen Bild.de-Talk-Gästen sympathisch. Und nicht zuletzt prahlt eine kecke Friseuse mit ihrem Antifa-Tattoo und – Achtung: Klischee-Alarm! – man plappert davon, dass die AfD „Flüchtlinge“ in Lager stecken will.

AfD-Bashing und Gekeile gegen Trump – man kennt das

Zum schon altbekannten und abgenutzten AfD-Bashing gesellt sich Gekeile gegen Trump – auch das kennt man ja nun vom Relotius-Heer schon zur Genüge.

Aufgesetzt und unglaubwürdig wirkt es denn auch, wenn die bereits genannte Friseuse – Stichwort: Sicherheit – damit prahlt, dass sie keine Angst in öffentlichen Verkehrsmitteln hat und angeberisch auf ihr gutes Selbstbewusstsein verweist. Realitätsverleugnung in Reinkultur. So als hätte es die Verbrechen in Augsburg und anderswo, bei denen Deutsche von Zugewanderten in der Öffentlichkeit ermordet, behelligt, beraubt oder anderweitig kriminell angegangen wurden, nie gegeben.

Insofern: Bislang setzt sich die „Wir sind das Volk“-Talkshow kaum bis nur minimal vom gewohnten deutschen Talk-Einheitsbrei ab.

Seltsam ist in diesem Zusammenhang auch, dass es nirgends einen Hinweis darauf gibt, wo sich denn der einfache Mann oder die einfache Frau aus dem Volk melden kann, wenn sie als Talk-Gast eingeladen werden möchte. Entweder sind diese Informationen irgendwo total versteckt veröffentlicht oder das „Volk“ wird einmal mehr vorausgewählt, damit bloß kein zu arger Politkritiker den Weg ins Studio findet.

Wieder Volksverdummung?

Das wäre dann mal wieder – VOLKsverdummung!

Wer sich das Format, in dem es unter anderem auch um Altersarmut, Löhne und Sprachverbote geht, anschauen mag – hier der direkte Link.

Bildnachweis (Symbolbild): picture alliance/dpa
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