In Norwegen: Influencer müssen retuschierte Fotos auf Instagram jetzt kennzeichnen

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Ein makelloses Antlitz, faltenfreie Haut, kein Pickel und ein traumhafter Körper sowieso: So präsentieren sich unzählige Influencerinnen auf Instagram. Mit Augenaufschlag, Schmollippe & Co. begeistern sie nicht nur Männer, sondern auch -zig Frauen.

Die oftmals dümmlichen Posen und sinnfreien Kommentare der Internet-Sternchen haben – man glaubt es kaum – riesige Fangemeinden. Es ist unfassbar, wie viele Leute weltweit Influencern dabei zuschauen (wollen), wie sie shoppen, Champagner trinken, im Pool baden oder ihr Gesicht via Selfie ablichten.

Die Protagonisten selbst können meist gut davon leben, für ihre Fans indes bleibt ein solches Leben ähnlich unerreicht wie das richtiger Prominenter. Aber wie bei echten Prominenten auch, sind die Fans schnell dabei, ihr Idol nachzuahmen. Das trifft sehr häufig auf Mädchen und junge Frauen zu und hat fast immer mit Körperlichkeit zu tun.

Influencer sind oft Vorbilder – sehr fragliche allerdings

Weibliche Fans von Influencerinnen wollen sich oft so schminken wie das Original im Netz und ganz häufig auch in Sachen Figur so aussehen wie das vermeintliche Vorbild. Sowas kann verheerend sein! Vor allem für die körperliche Entwicklung blutjunger Fan-Mädels. Denn die sehen es nur allzu oft als gegeben an, dass man als Frau so aussehen MUSS. Dabei – und das verkennt die weibliche Anhängerschaft von Top-Influencerinnen nur zu oft – wird auf Instagram gemogelt, was das Zeug hält.

Retuschieren, retuschieren und nochmals retuschieren heißt in ganz vielen Fällen das Gebot der Stunde und betrifft den Körper der Frauen, die sich dort präsentieren ebenso wie das Gesicht. Nicht selten ist nämlich der Body via Retuschierung verschlankt, das Gesicht nur dank technischer Tricks frei von Hautunreinheiten und das Outfit mittels digitaler Finessen perfekt an den Körper angepasst.

Damit junge Menschen nicht Gefahr laufen, hier einer verzerrten Wahrnehmung aufzusitzen, hat man sich nun in Norwegen dazu entschieden, dass Influencer Fotos, die schlichtweg Fake sind, kennzeichnen müssen.

In Norwegen müssen Fake-Fotos nun gekennzeichnet werden

Auf bild.de ist dazu am 14. Juni 2021 folgendes zu lesen:

„(…)Wer kennt sie nicht, die strahlenden Influencer und Models ohne Speckröllchen und Doppelkinn, die ewig faltenlos mit glitzernden Augen und perfekten weißen Zähnen in die Kamera lächeln?

Die Wirklichkeit sieht meist etwas anders aus. Das Retuschieren – früher die hohe Dunkelkammerkunst der Fotografen – ist inzwischen dank Photoshop und immer simpler werdenden Apps für alle zugänglich. Selbst die so beliebten Selfies sind heute meist mit Filtern bearbeitet, denn jeder sieht sich gern etwas jünger, schlanker oder ausgeschlafener. Besonders Werbefotos sind heute ohne Retusche kaum noch denkbar.

Norwegen will das ändern. Am 2. Juni verabschiedete das Parlament ein neues Werbegesetz. Ab Sommer 2022 müssen retuschierte Fotos in der Werbung als solche auch markiert sein – egal ob sie von einer Agentur oder von einem Influencer kommen. Betroffen sind Fotos, bei denen etwas am Körper, an der Haut oder an der Größe des Models verändert wurde. Der Grund: Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden inzwischen unter einer verzerrten Wahrnehmung des Körperbilds. In Norwegen gibt es dafür extra ein Wort: „kroppspress“ (Körperdruck).(…)“
Gratulation zu dieser Entscheidung nach Norwegen! Denn: Ganz gleich, ob im Web, im TV oder im Print-Bereich – die Darstellung von Frauen in den Medien (egal, ob Eigen- oder Fremddarstellung) ist tatsächlich geprägt von realitätsfernen Körpern und aufgemotzten, unnatürlichen Gesichtern. Man denke nur an Daniela Katzenberger, Carmen Geiss, Micaela Schäfer, Influencerin Pamela Reif, gelangweilte Fußballerfrauen oder andere Sternchen, die medial dauerpräsent sind und ziemlich künstlich daherkommen.

Viele weibliche Fans orientieren sich an der Optik von Frauen im Netz

Im wahren Leben indes sieht kaum ein weibliches Wesen so aus, aber viele junge Frauen nehmen fälschlicherweise an, dass so eine Optik normal ist.

Nicht umsonst zog seinerzeit die Kampagne der Frauenzeitschrift BRIGITTE, die darauf abzielte, nur noch ohne Models zu arbeiten, so große Kreise. Diese Entscheidung wurde damals von den allermeisten Frauen „von nebenan“ extrem positiv aufgenommen, verpuffte aber so schnell, wie sie gekommen war. Mittlerweile arbeitet das Verlagshaus längst wieder mit professionellen Models zusammen. Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung der Norweger überaus beachtens- und nachahmenswert!

Ob eine solche Regelung mittelfristig auch in Deutschland an den Start gebracht wird, ist fraglich. Hier sieht man „Fakes“ und „Fake-News“ bekanntlich in ganz anderen Themenbereichen und damit den Wald vor Bäumen nicht. Warten wir es also ab!

Recherche-Nachweis: picture alliance / empics | David Parry
Bildnachweis (Symbolbild): picture alliance / empics | David Parry

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