Kampf gegen den Pflegenotstand – was hat sich geändert?

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Pflegenotstand – was hat sich eigentlich getan?

Den seit Jahren bekannten Pflegenotstand wollte die Politik laut eigenen Angaben mit diversen Verbesserungen bekämpfen. Hierfür wurde unter anderem das „Sofortprogramm Pflege“ ins Leben gerufen. Höchste Zeit, kritisch zu hinterfragen, was sich seit dem Pläneschmieden der Bundesregierung tatsächlich getan hat.

Das Problem ist kein neues

Bereits seit einigen Jahren zeichnet sich der Pflegenotstand ab. Der Grund dafür: fehlende Attraktivität von pflegerischen Berufen und eine alternde Gesellschaft. Auch die schlechten Arbeitsbedingungen in der Branche führen vielerorts zu Problemen. Denn auf diese ist zurückzuführen, dass der Krankheitsstand von Pflegern gestiegen ist. Nicht nur die körperliche, auch die psychische Belastung im Berufsalltag, sorgt dafür, dass es immer höhere Ausfallzeiten gibt. So fällt männliches Pflegepersonal 4,6 Tage pro Jahr und damit 2,4 Mal so häufig aus wie männliche Berufstätige insgesamt.

Unbesetzte Pflegestellen sind längst keine Seltenheit mehr. Doch woran liegt das? Ob zu niedriges Gehalt, fehlende Wertschätzung, immer weniger Zeit für pflegebedürftige Menschen, Arbeiten unter Zeitdruck, unbezahlte Überstunden – die Liste möglicher Gründe nimmt kein Ende. Um diesem Problem entgegenzuwirken, soll der Beruf des Pflegers attraktiver gestaltet werden. So könnten Weiterbildungen in der Pflege dafür sorgen, die Anzahl an Pflegekräften aufzustocken.

Das „Sofortprogramm Pflege“

Zum 1. Januar 2019 ist das „Sofortprogramm Pflege“ in Kraft getreten. Dieses beinhaltet unter anderem:

  • die Aufstockung von Pflegestellen in Krankenhäusern sowie die Schaffung neuer Ausbildungsplätze
  • zusätzliche Finanzmittel für Pflegepersonal
  • eine zusätzliche Kostenvergütung in Krankenhäusern bei erhöhtem Pflegeaufwand
  • Entlastung der Pflege durch bessere Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten
  • medizinische Rehabilitation für pflegende Angehörige
  • betriebliche Gesundheitsförderung für Pflegekräfte

Kostenumwälzung auf Heimbewohner und Angehörige

Soweit der Plan der Bundesregierung. Doch bereits zu Beginn des Jahres 2019 zeigt sich, dass die Kosten für die geplanten Maßnahmen offensichtlich auf die Angehörigen pflegebedürftiger Heimbewohner umgelegt werden. Viele Heimbewohner wurden über gestiegene Heimkosten informiert. Laut Internetportal tag24.de ist in einem Pflegeheim in Sachsen der Beitrag von 1.322 auf 1.734 Euro gestiegen.

Die „Ausbildungsoffensive Pflege“ soll die Pflegeausbildung attraktiver machen

Ebenfalls 2019, genauer gesagt am 22. Oktober, wurde eine Aktion mit dem Titel „Ausbildungsoffensive Pflege“ gestartet. Diese verfolgt ein festes Ziel: Von 2019 bis 2023 sollen dank konkreter Ziele und rund 100 Maßnahmen neue Pflegefachkräfte und Ausbildungsinteressenten gewonnen werden. Man hofft, so die Anzahl der Auszubildenden sowie die Zahl der ausbildenden Einrichtungen im Bundessschnitt um jeweils zehn Prozent anheben zu können. 

War es bislang üblich, bei einer Pflege-Ausbildung Schulgeld bezahlen zu müssen, entfällt dieses fortan. Außerdem sollen alle Azubis eine angemessene Ausbildungsvergütung erhalten. Parallel dazu handelt es sich bei der „Ausbildungsoffensive Pflege“ um eine Informationskampagne, mit der Ausbildungsbetriebe und Pflegeschulen fit bei der Beratung von Ausbildungsinteressierten gemacht werden sollen. Das Ziel sei eine gezielte Berufsberatung für die Pflege, um so mehr Menschen aller Altersgruppen für den Beruf begeistern zu können. Zudem könnten gezielte Weiterbildungen in der Pflege dafür sorgen, die Arbeit zu erleichtern und die Anzahl an Pflegekräften aufzustocken.

Gleichzeitig sollen der Arbeitsalltag und die Arbeitsbedingungen von Pflegekräften spürbar verbessert werden. Mit einer Entlastung von Pflegekräften und einer gleichzeitigen Stärkung der Pflege-Ausbildung hofft man, dem Pflegenotstand angemessen begegnen zu können. Hierfür sollen Betroffenenverbände, Kirchen, Verbände von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, Berufsgenossenschaften und die Bundesagentur für Arbeit eng mit den Bundesländern zusammenarbeiten.

Bildnachweis: pixabay

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