Kellner überflüssig, Bestellung per Touch: Startup überzeugte VOX-Löwen nicht

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Das Lieblingsrestaurant besuchen und ein paar Worte mit dem Kellner wechseln. Oder in ein neues Restaurant gehen, sich von der Atmosphäre und Speisekarte inspirieren lassen und vom Kellner ein paar gute Tipps zu den Empfehlungen des Hauses bekommen. Alltägliche Szenen, wie sie wohl im Zusammenhang mit dem Essen gehen jeder kennt. Geht es allerdings nach dem Startup Lampix sind solche Momente bald Geschichte und bestellt wird im Restaurant nur noch via Touch – ähnlich einem Touchscreen.

Gründer stellten VOX-Löwen ihre Erfindung vor

Die jungen Gründer stellten ihre Geschäftsidee Ende Mai 2022 in der VOX-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ vor. Im Studio hatten sie dafür einen Tisch und ihre Gerätschaft aufgebaut. Ihre Technik besteht aus einem Kasten, der eine Lampe, drei Kameras und einen Beamer beherbergt. Dieser Kasten wird – geht es nach der Idee der Erfinder – dann in einem Restaurtant eingebaut und oberhalb des jeweiligen Tisches per Montage platziert. Mittels dem Beamter wird dann die Speisekarte auf den Tisch projiziert.

Die Restaurantgäste müssen dann nur noch ihre Finger über das Tischtuch oder den Tisch gleiten lassen und können dort – einem Touchscreen ähnlich – aus der projizierten Speisekarte die gewünschten Speisen und Getränke auswählen. Ihre Bewegungen werden von der Kamera verfolgt und mittels KI (Künstlicher Intelligenz) „merkt“ die Technik sogar, wann der Gast ein Glas leer getrunken hat und animiert zur Nachbestellung.

Soweit – so neu. Und ein Stück weit auch faszinierend. Zeigt dieses Modell doch, was IT (Technik) heutzutage alles schon kann. Doch wie so oft stellt sich bei dieser Erfindung die Frage, ob tatsächlich alles, was machbar ist, auch zum Einsatz kommen soll?

Kellner bald überflüssig?

Denn das Geschäftsmodell von Lampix scheint so, dass zukünftig Kellner und anderweitiges Servicepersonal in der Gastronomie überflüssig werden. Bestellt der Gast via Touch und erkennt das System sogar noch, wann wer ausgetrunken hat und kümmert sich um die Nachorder – dann hat das Ganze doch eher etwas von einer kalten, industriellen Atmosphäre.

Wo bleibt da die Lebensfreude, die sich bei einem Restaurantbesuch doch gerade daraus speist, einen kleinen Plausch mit dem Kellner zu halten und in der Speisekarte zu stöbern? Einen weiteren wichtigen Aspekt, der dieses Modell eher abstoßend macht (im Sinne des Handlings, nicht der Technik – da haben die Gründer schon Erstaunliches geleistet), thematisierte VOX-Löwe Carsten Maschmeyer in der Sendung. Er verwies auf die Erleichterung, die die meisten Menschen aktuell in Sachen Wegfall der Corona-Maßnahmen empfinden und nun wieder mit Freude in Restaurants gehen.

Im Lockdown wurde genug via App oder PC bestellt

Zuvor, als der Lockdown die Deutschen im Griff hatte, war die Bestellung von Speisen nur via App oder Computer möglich. Sprich: Die Leute haben in dieser harten Zeit sowieso schon viel über Tastatur & Co. geordert. Nun – so Maschmeyers Argumentation – genießt man es wieder in vollen Zügen, ins Restaurant und somit unter Leute gehen zu können. Das bezieht das Servicepersonal natürlich explizit mit ein.

Ähnlich äußerte sich Löwe Nico Rosberg, der den Smalltalk mit dem Kellner stets als eine Bereicherung im Restaurant empfindet und deshalb von einem Deal absah.

Den bekamen die Gründer in der Sendung letztlich von Löwin Dagmar Wöhrl. Doch später wurde bekannt, dass das gemeinsame Geschäft hinter den Kulissen geplatzt ist.

So oder so: Der Deutsche wird wohl auch in nächster Zukunft kein Touch-System zur Bestellung im Lokal wünschen, sondern einen Service aus Fleisch und Blut. Das trifft übrigens auch auf den Pflegebereich zu, wo so mancher technikverliebte Experte schon den Roboter statt eine Pflegerin oder einen Pfleger bei einer kranken oder alten Person zum Einsatz kommen sieht.

Mögen diese Entwicklungen an Branchen, in denen es menschelt und der persönliche Kontakt zählt, vorbei gehen!

Bildnachweis: Foto: RTL / Bernd-Michael Maurer
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Michael
Michael
3 Monate zuvor

Die Grundidee ist gut, die Umsetzung Mist. Und außerdem schon ziemlich alt, auch die Sache mit der projezierten Speisekarte.

Die Speisekarte auf dem Tablet, bei dem man vielleicht auch ein Bild des Gerichts sehen kann und per Tastendruck bestellt, ist doch hervorragend. Man kann in Ruhe aussuchen und bestellen. Der Kellner kann sich um die Gäste kümmern, die schon bestellt haben oder eine Beratung wünschen. Mal ehrlich: entweder der Kellner steht nervend daneben, bis man gewählt hat oder fragt dauernd nach und wenn man gewählt hat, sind alle Kellner verschwunden oder kümmern sich um andere Gäste. So läuft es doch üblicherweise ab. Und was soll ich im Ausland mit dem Kellner reden? Selbst wenn die Speisekarte auch auf Deutsch angeboten wird, der Kellner versteht es meistens doch nicht. Das Tablet kann die Speisekarte in hundert Sprachen vorhalten und Analphabeten können nach Bildern und Icons bestellen. Man braucht auch nicht für jeden Gast eine Karte, ein Tablet pro Tisch genügt. Jeder gibt seine Bestellung ein, OK drücken und der Kellner kommt zum Servieren. Wäre für mich perfekt.

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