Frauenpower im Denksport

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Die niedrige Frauenquote betrifft nicht nur Führungspositionen und MINT-Berufe, sondern auch die Sportbranche. In vielen Disziplinen sind Frauen immer noch in der Unterzahl, obwohl der offene Zugang der Frauen zum Sport schon lange nicht mehr zur Debatte steht. Betroffen sind auch Sportarten, die nicht körperliche Stärke, sondern Denkleistung und Geschick fordern. Nur wenige Frauen durchbrechen die männliche Dominanz und beweisen, dass Erfolg im Denksport nicht nur eine Männersache ist.

Judit Polgár

Laut dem internationalen Schachverband sind nur 15 % aller lizenzierten Spieler der Welt weiblich. Frauen im Schach sind nach wie vor in der Unterzahl und finden meist keinen Platz in der allgemeinen Weltrangliste.

Denksport Schach – Frauen sind hier in der Unterzahl

Eine große Ausnahme ist die ehemalige Spielerin Judit Polgár. Bisher ist die ungarische Großmeisterin die erfolgreichste Frau der Schachgeschichte. Die höchste Bewertung ihrer Karriere ist Platz 8 in der allgemeinen Weltrangliste, den sie 2005 belegte. Ihr Erfolgsweg begann mit einer Bronzemedaille, welche sie 1986 an der U16-Mädchenweltmeisterschaft in Río Gallegos gewann. Nach zwei weiteren Turnieren speziell für Damen entschied sich Polgár jedoch, als Jugendliche nur noch an Männerturnieren teilzunehmen, um sich mit den Weltbesten im Schach zu messen, wie sie es bereits 1993 in einer Schnellpartie gegen Exweltmeister Anatoli Karpow tat.

2002 bewies sie sich auch gegen Garri Kasparow, der zwischen 1985 und 2000 den Weltmeistertitel für sich beanspruchte. 2014 gab sie zwar ihr Karriereende im Spitzenschach bekannt, doch gilt sie für viele Spielerinnen, die eine Karriere im Schach anstreben, als eine große Inspiration.

Jennifer Shahade

Auch am Pokertisch waren Frauen lange Zeit eine Seltenheit. Das theoretische Wissen über Poker sowie spielerische Fähigkeiten reichten nicht aus, um in internationalen Turnieren teilzunehmen. Hartnäckig hielt sich das Image, welches Frauen im Spielsaal nur als die schöne Begleitung des Pokerspielers darstellte. In den letzten Jahren sehen Fans jedoch immer mehr Frauen in der Poker-Szene, darunter auch die erfolgreiche Spielerin Jennifer Shahade.

Die 41-Jährige ist ein Allroundtalent, das neben Poker auch Schach spielt, Bücher rund um die beiden Spiele schreibt sowie in der Kunstbranche tätig ist. Shahade startete ihre Pokerkarriere in Online-Räumen mit Texas Hold’em, versuchte sich in weiteren Varianten des Kartenspiels und entwickelte sich schließlich zu einer Spezialistin für das Kartenspiel Open Face Chinese Poker.

Jennifer Shahade ist ein Allroundtalent

Letzteres erbrachte ihr den wichtigsten Live-Gewinn ihrer Karriere, den Sieg des Open Face High Roller Championships 2014 in Prag. Aktuell ist Shahade Botschafterin der Online-Plattform PokerStars, mit der sie nicht nur die Grundlagen des Spiels weitergibt, wie die Rangfolge der Blätter, sondern auch Themen wie Diversifizierung im Bereich Gaming konkretisiert. Gleichzeitig beteiligt sich Shahade aktiv an der Förderung der Frauen im Schach und Poker. Sie diskutiert auf Konferenzen und in Podcasts offen über die Männerdominanz in der Profiszene beider Sportarten und rät Frauen, ihre Träume nicht aufzugeben.

Sasha Hostyn

Eine Ausnahmepersönlichkeit ist auch Sasha Hostyn, die aktuell in der Gaming-Szene beweist, dass eSport nicht nur eine Männersache ist. Dass Frauen im eSport unterrepräsentiert sind, ist tatsächlich etwas überraschend. Denn gegenwärtig sind fast die Hälfte der Amateur-Gamer weiblich. Doch der Zugang zur Profiwelt gestaltet sich für Frauen deutlich schwieriger. Sasha Hostyn zählt zu den wenigen Profi-Gamerinnen, die sich in den Spitzenbereichen des eSports durchsetzen können. Unter dem Nickname „Scarlett“ hat sie sich einen hohen Platz unter den Top 50 der erfolgreichsten Gamer weltweit erspielt.

Besonders stark ist sie in StarCraft 2. In diesem beliebten Echtzeit-Strategiespiel gilt sie zu den besten Profis der Gaming-Szene. Wie Shahade erhebt auch Hostyn ihre Stimme für mehr Diversität im Sport. Immer wieder akzentuiert die Kanadierin in Interviews, dass Erfolg im eSport nicht geschlechterabhängig ist und ermuntert alle jungen Menschen unabhängig ihres Geschlechts, ihren Traum zum Profi-Gamer zu verwirklichen.

Reanne Evans

Snooker gehört zu den Sportarten, die in Sachen Gleichberechtigung deutlich der Zeit hinterherhinken. Obwohl der beliebte Präzisionssport seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts existiert, wurde die erste Weltmeisterschaft der Frauen erst 1983 ausgetragen. Die erfolgreichste Spielerin der Geschichte ist Reanne Evans. Die Engländerin ist zwölffache Weltmeisterin im Damensnooker, wurde aber trotz ihrer Erfolge lange Zeit von der Snookerwelt ignoriert und nicht in die Profiszene aufgenommen.

2014 wurde Evans schließlich nach ihrem zehnten WM-Titel der Frauen in Folge endlich zur Qualifikation der Weltmeisterschaft der Profispieler eingeladen. 2017 gelang ihr der erste Sieg einer Frau in einer WM-Qualifikation, nachdem sie sich gegen Robin Hull durchgesetzt hatte. 2020 wurde sie für ihr Engagement um das Frauen-Snooker mit dem britischen Ritterorden ausgezeichnet. Vor ihrem Karriereende plant die erfolgreiche Sportlerin, sich im Snooker Main Tour als feste Größe zu etablieren.

Auch Disziplinen, die auf mentale Leistung und Geschick basieren, besitzen oftmals eine zu niedrige Frauenquote. Einige Powerfrauen durchbrechen jedoch diese Männerdominanz. Judit Polgár im Schach und Jennifer Shahade sowohl im Schach als auch im Poker haben gezeigt, dass der Erfolg am Spieltisch nicht auf das männliche Geschlecht begrenzt ist.

Frauen werden die Szene auch weiterhin aufmischen

Weiterhin mischt Sasha Hostyn mit ihren Top-Werten die eSport-Szene auf. Reanne Evans hat dagegen endlich nach Jahren der Geduld die männerdominierte Snookerwelt davon überzeugt, dass Frauen auch einen Platz im Profisport verdienen. Der Ehrgeiz und die Erfolge dieser Sportlerinnen unterstreichen nicht nur, dass Frauen im Denksport eine gleichberechtigte Stellung verdienen, sondern inspirieren junge Frauen, die den steinigen Weg einer Sportkarriere anstreben.

Bilder: pexhere.com

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