Siebtklässler sollen Grundschüler unterrichten – Bildungsminister twittert zu Elefanten!

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Leerer Klassenraum Der Lehrermangel treibt immer schlimmere Blüten. Dass die Pädagogen fehlen, ist gesellschaftlich und medial schon lange ein Thema. Und: man kann sich die Lehrer nicht aus dem Hut zaubern, logisch! Doch man darf sich fragen, wofür unsere Politiker und auch die Leute im Bundesstatistikamt bezahlt werden, wenn sie so gar nicht vorausschauend agieren? Und von einer vorausschauenden Planung in den letzten Jahren, beziehungsweise Jahrzehnten kann natürlich keine Rede sein. Die derzeitige Lage an vielen Schulen bringt es nahezu täglich zum Vorschein.

Lehrermangel: bizarre Konsequenzen in Dabrun

Was sich aber jetzt an einer Grundschule in Dabrun abspielt, spottet jeder Beschreibung. Der kleine Ort im Landkreis Wittenberg, der nicht einmal eintausend Einwohner zählt, ist aktuell mit einer ganz besonderen Misere konfrontiert.

tag24.de titelt dazu folgendermaßen:

„Grundschule in Dabrun
Weil Lehrer fehlen: Grundschüler sollen jetzt von Siebtklässlern unterrichtet werden“
Und schreibt weiterhin folgendes:
„(…)Meine Tochter geht in die zweite Klasse – aufgrund des Lehrermangels hatte sie kaum vernünftigen Unterricht“, erzählt Juliane Gucinski. Sie ist Mutter zweier Kinder und bringt am Montagmorgen ihr Kind zur Grundschule in Dabrun, einem Ortsteil von Kemberg.

Die Grundschule hatte in der vergangenen Woche für einige Tage schließen müssen. Die drei Lehrer, die dort 72 Schüler betreuen, waren erkrankt. Im Moment gibt es Ersatzunterricht mit Vertretungslehrern.

Das sei nur die Spitze des Eisbergs, meinen die Eltern. Bereits seit Beginn des Schuljahres 2018 sei die Situation schlimm: Die drei Lehrer seien für vier Klassen verantwortlich. Der Unterricht in der zweiten Klasse sei mehr Betreuung denn Lehrveranstaltung.

Die Situation habe sich verschärft, seitdem im August die Direktorin der Schule in den Ruhestand gegangen sei, meint Kembergs Bürgermeister, Torsten Seelig (CDU). Zunächst habe es eine Interims-Direktorin gegeben, die drei Stunden in der Woche arbeitete. Inzwischen sei auch dieser Posten nicht mehr besetzt.(…)Mutter Juliane Gucinski befürchtet, dass die Lernleistungen der Grundschüler nachlassen. Sie wisse nichts über die Noten ihrer Tochter Bescheid – es gebe keine Elternversammlungen und Lernstoff bleibe liegen. „Drei Lehrer sind für vier Klassen verantwortlich. Wie soll das hinhauen? Meine Tochter ist richtig traurig, da sie nichts lernt und sich das Wissen nachträglich bei der Nachhilfe aneignen muss“, sagt Gucinski. Sie habe in ungezählten Telefonaten mit dem Schulamt nur Ausflüchte zu hören bekommen. Auch einen Brief an Bildungsminister Marco Tullner (CDU) habe sie Ende Dezember geschickt, aber keine Antwort erhalten.

In der Pressestelle des Schulamtes kann man das Wort „Dabrun“ schon nicht mehr hören. Das ganze Land scheine sich dafür zu interessieren. Dabei, so ein Sprecher, handele es sich um eine unglückliche Häufung von Krankheitsfällen. „Kleine Systeme sind eben besonders anfällig“, heißt es. Und: „Wir gehen davon aus, dass die erkrankten Lehrkräfte spätestens nach den Winterferien wieder da sind.“ Das wäre also ab dem 18. Februar.

Derzeit betreut ein Vertretungslehrer vom Luther-Melanchthon-Gymnasium die Grundschüler. Dass diese Situation keine langfristige Lösung ist, weiß die zweifache Mutter Kristina Kündiger nur allzu gut. Sie lobt die verbliebenen Grundschullehrer für die Mühen, den Kindern einen halbwegs normalen Unterricht zu bieten. Das Luther-Melanchthon-Gymnasium stellt in den kommenden Tagen nicht nur einen Lehrer, der die Kinder unterrichtet. Spontan habe man außerdem noch ein eigentlich für das eigene Haus konzipiertes Projekt auf Dabrun umgewidmet, erzählt Schulleiterin Anja Aichinger.

Dabei machen ältere Schüler den Unterricht für Jüngere. Ab Dienstag sollen also Siebtklässler unter Aufsicht von Lehrern aus Wittenberg den Grundschülern in Dabrun etwas beibringen(…)“.

Tja, der Bildungsminister der „Wir-schaffen-das“-Fraktion – er hat der Mutter des Kindes nicht einmal geantwortet.

Abgehobene Hochnäsigkeit einer realitätsfernen Clique, die ins Raster der täglichen – von der Politik der Altparteien verzapften – Katastrophen passt. Warum antwortet er nicht? Hat er überhaupt Antworten? Oder Möglichkeiten? Oh – ach ja: der Herr Bildungsminister kümmert sich offenbar lieber um das Treiben der Elefanten im Zoo Leipzig und im Zoo Halle.

Siehe Screenshot oben links, den wir vom Twitter-Account des Bildungsministers gefertigt haben. Da es gegebenenfalls schlecht zu lesen ist, zitieren wir aus dem Tweet:

„Herzlichen Glückwunsch nach Leipzig. Dem kleinen asiatischen Elefantenbaby alles Gute. Afrikanische Elefanten in Halle, asiatische in Leipzig. Halzig/Leiple sind ein gutes Pflaster für Elefantenhaltung in Mitteldeutschland.“

Lösungsansätze wirken mehr als absurd!

Tja, so ist das hier im Rückschrittland Deutschland! Nichtigkeiten sind wichtig und um Wichtiges wird sich nicht selten kaum mehr noch gekümmert. Und dann die „Lösungsansätze“:

jetzt werden also Siebtklässler als eine Art „letztes Aufgebot“ vor die Grundschüler gestellt. Was für eine Farce! Und wieso unterrichten diese Schüler der 7. Klasse unter der Aufsicht von Lehrern – wo es doch kaum welche gibt? Fragen über Fragen! Die offenbar ohne Antworten bleiben.

So wie die derzeitige Politik wohl ohne Konsequenzen bleibt für jene, die das zu verantworten haben. Auf welches Niveau wir in Sachen Bildungspolitik schon gesunken sind, hat übrigens bereits Josef Kraus, einstiger Präsident des Lehrerverbandes, analysiert. Und zwar hier.

Bildnachweis (Symbolbild): pexels.com / Screenshot: Twitter-Account Marco Tullner

 

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