Möchte ich ein behindertes Kind? – Wenn Familien sich entscheiden müssen

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Embryo im Vordergrund von Hand

Entscheidung gegen ein behindertes Kind?

Diese Frage wird wohl kaum eine werdende Mutter oder ein werdender Vater mit „ja“ beantworten. Deshalb ist es auch gut nachvollziehbar, dass es rund um dieses Thema hoch emotional zugeht. Das zeigte sich auch vor wenigen Tagen, als die ARD, im Hinblick auf die MDR Reportage „selbstbestimmt“, in die digitale Runde fragte, wie wohl „die Welt ohne Behinderung wäre?“. Es entspann sich erwartungsgemäß ein lebhafter Dialog. Auch ich kommentierte und sagte frei weg meine Meinung. Und diese lautete, dass ich niemals ein behindertes Kind würde haben wollen.

Ich denke, dass wohl die allermeisten Menschen ebenso dieser Meinung sind und frage mich, ob es sein muss, werdenden Eltern, Schwangeren, Familien, die ihre Entscheidung GEGEN ein behindertes Kind treffen oder getroffen haben, ein schlechtes Gewissen einzureden?

Wird  schlechtes Gewissen eingeredet?

Denn genau das passiert, wenn es auf der ARD-Homepage (Quelle: Mitteldeutscher Rundfunk) heißt:

„Feindiagnostik, Fruchtwasseruntersuchungen, hochmoderne Bluttests – der Druck auf werdende Eltern, ein gesundes Kind zu bekommen, steigt. Opfer sind vor allem Ungeborene mit Down-Syndrom. Fast 95 Prozent der Eltern entscheiden sich für eine Abtreibung, wenn vor der Geburt dieser Gendefekt diagnostiziert wird. (…)“

Die heutigen Möglichkeiten, schon in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft, festzustellen, ob das Kind möglicherweise an einem Gen-Defekt leidet oder anderweitig nicht gesund ist, sind zweifellos ein Fortschritt. Vor Jahren war das noch undenkbar!

Doch mit diesem Fortschreiten der modernen Medizin gehen auch die verschiedensten Diskussionen los. Vor allem wird häufig und schnell auf Ethik und Moral gesetzt. Ganz oft betrifft das Diskussionen und Beiträge, wenn es um Kinder mit Down-Syndrom geht.

Selbstverständlich haben auch diese Kinder heutzutage viele Chancen, selbst was ihre (berufliche) Zukunft anbetrifft. Und oftmals – auch das zeigen viele Einblicke in Familien, die ein Kind mit Down-Syndrom haben – unterscheiden sie sich gar nicht so viel von anderen Kindern.

Belastende Gewissensfrage – pro oder contra…!

Es ist eine extrem belastende Gewissensfrage, wenn die Schwangerschaft schon weit fortgeschritten ist und man sich „gerade noch so“, vor dem erlaubten Zyklus, bis zu dem eine Abtreibung erlaubt ist, FÜR eine Abtreibung entscheidet. Weil vielleicht das Kind unter dem Down-Syndrom oder unter einem anderen schweren (Gen-)Defekt leidet. Dass hier viele Frauen und werdende Väter sagen, „wir möchten, dass unser Kind auf die Welt kommt und ihm im Rahmen seiner Möglichkeiten alles bieten“ ist ganz großartig, diese Eltern verdienen den größten Respekt, man muss den Hut vor ihnen ziehen. Aber um solche Situationen geht es mir hier nicht.

Ich finde nämlich das große Ausholen mit der „Moralkeule“ DANN nicht in Ordnung, wenn eine schwangere Frau, ein werdendes Elternpaar, sich rasch, nachdem die Schwangerschaft bekannt geworden und ein Defekt nachgewiesen ist, FÜR eine Abtreibung entscheiden. Fragen, wie „was wäre die Welt ohne Behinderung?“ sind da  irritierend und befremdend. Zudem überflüssig.

Behindertes Kind kann sehr wohl belastend sein

Denn – so offen sollte man sein – eine Behinderung ist sowohl für den betroffenen Menschen als auch für dessen Eltern, die gesamte Familie, eine immens große Belastung.

Und wenn die Medizin nunmehr in der Lage ist, früh zu erkennen, ob schwerwiegende Defekte beim Kind im Mutterleib vorliegen und sich die Familie des Kindes dafür entscheidet, dieses nicht zu bekommen, wem tun die Menschen, die diese Entscheidung getroffen haben, weh? Es ist ihre ureigenste, persönliche Entscheidung. Und nur ihre.

Zudem wüsste ich auch keinen wirklichen Nachteil zu nennen, wenn die Welt (zukünftig?) weniger behinderte Menschen beherbergt. Dass heißt selbstredend nicht, dass nicht die Menschen, die behindert sind, in unserer Gesellschaft dazugehören, gar keine Frage! Denn natürlich wird es leider auch zukünftig Menschen mit Behinderungen geben. Weil vielleicht erst während oder nach dem Geburtsvorgang etwas Unvorhergesehenes passiert, ein Defekt festgestellt worden ist, oder sie – wie es uns allen täglich passieren kann – durch andere Umstände körperlich oder / und geistig beeinträchtigt sind.

Um diese Menschen, die jedes Recht darauf haben, liebevoll behandelt, integriert und gefördet zu werden, geht es – um es nochmals zu betonen – in diesem Beitrag hier nicht.

Entscheidungsfreiheit für oder gegen behindertes Kind wichtig!

Sondern um ein Stück weit um die Entscheidungsfreiheit von Frauen und Männern, die familiären Nachwuchs erwarten. Die sich einem Leben mit einem behinderten Kind nicht gewachsen sehen, wenn denn die vorgeburtliche Diagnostik ein entsprechendes Ergebnis an den Tag bringt. Und sich deshalb für eine Abtreibung entscheiden.

Auch diesen Leuten sollte (und muss) die so häufig gepriesene Toleranz gelten!

Bildnachweis: Fotolia,  http://de.fotolia.com/id/54434692 – #54434692 – © ivan kmit

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