Mütter, lasst die Busen drin!

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Stillen ist ein natürlicher Vorgang

Komplett entblößte „Still-Busen“-Fotos nerven langsam. Seit die Welt digital geworden ist, scheint es „en Vogue“ zu sein, auf Tabus oder solche, die zwar keine sind, aber wie welche behandelt werden, online ausufernd zu reagieren.

Still-Busen überall präsent

Soziale Netzwerke und Online-Medien mischen kräftig mit in diesem – oft fragwürdigem – Spiel. Aktuell ist mal wieder der Busen ins Visier geraten. Aber nicht der schnöde blanke Busen, der `eh schon auf fast jeder Litfaßsäule präsent ist, sondern der „Still- oder auch Muttermilch“-Busen.“

Irgendwann hat es mal irgendwo damit begonnen, dass sich irgendwer behelligt fühlte, weil eine Frau in der Öffentlichkeit ihr Baby stillte. Auch ein soziales Netzwerk soll angeblich entsprechende Fotos, auf dem ein solcher „Still“-Busen zu sehen war, entfernt haben.

Daraufhin brach eine Welle der Empörung los und ab da erschienen kontinuierlich Artikel und Kolumnen, in denen Frauen sich FÜR das Stillen in der Öffentlichkeit stark machten. An und für sich ist dagegen auch gar nichts zu sagen, denn gestillt werden kann ein Kind nun mal fast überall.

Frauen wollen beim Stillen keine Glotzer in Sachen Busen

Nur, die allermeisten Frauen stillen in der Öffentlichkeit, z. B. in Cafés so, dass die Intimität gewahrt wird, meist tragen sie Kleidung, die so sitzt, dass der Stillvorgang ohne großes „Busen entblößen“  einhergeht. Das – und so belegen es auch unsere Recherchen zum Thema – ist vom Großteil der Frauen auch gewollt. Nicht umsonst führt so manche Frau, die weiß, dass sie irgendwo unterwegs ihr Kind stillen wird, ein großzügiges Tuch oder einen Schal mit sich, um sich mit einer solchen Geste bewusst eine Intimität zu schaffen.

Da sich aber die leidige Diskussion nun ihren Bann brach, wird das Web gefühlt stündlich von Fotos geflutet, auf denen stillende Frauen zu sehen sind. Aber nicht nur das: diese Fotos zeigen häufig den blanken Busen der Frau – nix mit Bluse oder Pashima-Schal drüber! Oft auch in Großaufnahme…

Protest oder Trotz?

Ob das aus Protest und Trotz („jetzt erst recht!“) geschieht oder einfach mal wieder einen (lächerlichen) „Aufschrei“ vermitteln soll, bleibt offen.

Was aber in der Woge der Entrüstung untergeht, sind die vielen Stimmen von Müttern, die meinen, dass ein Stillvorgang sehr wohl ein intimer Moment ist und es für sich eher befürworten, wenn man sich als stillende Mutter in der Öffentlichkeit an einen ruhigeren Ort zurückzieht (was die meisten ja sowieso machen) und seine Brust nicht allen Anwesenden präsentiert.

Das kann ein Platz im nicht so hektischen Teil eines Restaurants sein oder im Park eine Bank, die ein wenig abseits vom Trubel steht. Die allermeisten Frauen, die ich dazu befragt habe und die ich auch persönlich kenne, handhaben das ganz von selbst genau SO. Und nicht anders.

Provokante Bilder im Netz irritieren und provozieren

Umso mehr irritieren die provokanten Bilder, die sich im Netz – teilweise in Verbindung mit entsprechenden Medienartikeln – zu den oben erwähnten Artikeln und Kolumen gesellen und vielfach veröffentlicht werden.

Blanke Busen, an denen ein Baby hängt, sind da zu sehen.

Dazu meist noch Unterschriften á la „Diese Frau ist eine Heldin“. Oder auch „diese Frau lässt sich nichts vorschreiben“ und „diese Frau hat Mut“. So oder ähnlich werden die Bilder textlich flankiert, man kann es eigentlich schon gar nicht mehr sehen. Denn es wirkt ganz einfach: unangebracht und unangemessen. Deplatziert.

Auffällig auch, dass keine Gelegenheit ausgelassen wird, auf die „Natürlichkeit“ des Stillvorgangs hinzuweisen.

Dass das auch moderne, aufgeschlossene und intelligente Frauen so sehen und dass das freilich so ist, daran besteht kein Zweifel! Jedoch besteht bei aller Natürlichkeit absolut kein Grund, sich beim Stillen womöglich in Szene zu setzen.

Auf Toilette gehen ist auch „natürlicher Vorgang“

Ein Kommentator fasst das in einem Posting ganz knackig zusammen. Er meinte, dass ja auch der Vorgang des „auf die Toilette gehens“ was ganz Natürliches ist.

Kein Mensch würde jedoch auf die Idee kommen, hierzu Fotos oder Statements kursieren zu lassen.

Ich denke, diesen Kommentar sollten sich diejenigen, die mit reißerischen „Milchbusen-Fotos“ daherkommen, mal durch den Kopf gehen lassen. Und – nebenbei gesagt – finde ich es persönlich höchst fragwürdig, dass Frauen derlei Fotos von sich vor einer breiten, digitalen Masse ausbreiten. Denn immerhin ist da ja auch das Baby mit drauf.

Ob der Nachwuchs das so toll finden wird, wenn er erwachsen ist? Denken wir DARÜBER jetzt mal lieber nicht nach…!

Bildnachweis: Fotolia, http://de.fotolia.com/id/42290921 – #42290921 – © Marcito

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