Neuland?! Von der Schwierigkeit, mit Behörden digital zu kommunizieren

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Ein Gastbeitrag von Undine.

Start-ups, digitale Klassenzimmer, Apps & Co. – das Digitale ist in aller Munde. Und zum Großteil auch fester Bestandteil unseres Alltags.

Allerdings wird man in manchen Situationen in die Urzeit des Internetzeitalters gebeamt, nämlich dann, wenn man mit so mancher Behörde zu tun hat.

Das geht schon damit los, dass viele Behörden auf ihren Briefköpfen gar keine E-Mail-Adresse preisgeben. Surft man zu mancher Amtsstube auf digitalem Wege im Web, landet man meistens bei einem Kontaktformular, das es auszufüllen gilt, aber eine konkrete E-Mail-Adresse? Ist meist Fehlanzeige.

Viele Leute, darunter ich, mögen diese umständlichen Kontaktformulare nicht. Es beschleicht einen immer irgendwie das Gefühl, dass das eigene Anliegen auf diesem Wege wahrscheinlich untergeht.

Muss nicht sein – klar! Aber kann.

Deshalb wird so mancher Bürger noch immer auf die gute alte postalische Beförderung setzen – sicher ist sicher.

Ich bin dazu meist zu bequem und rufe in solchen Fällen lieber bei der jeweiligen Behörde an.

So auch dieser Tage bei einem Amtsgericht in der tiefsten sächsischen Provinz. Ich wollte denen ein Dokument zukommen lassen, aber eine E-Mail-Adresse fand sich auf deren Briefbögen einfach nicht.

Meine Recherche im Netz förderte nicht einmal das erwähnte Kontaktforumular zutage. Nun ja – die Gerichte sind ja bekanntlich allerorten überfordert, man hört`s ja jeden Tag.

Also rief ich dort an, um mich nach der E-Mail-Adresse zu erkundigen. Ein Ratschlag, den ich im Übrigen gern weitergebe – an alle, die ebenfalls nicht mehr auf das umständliche Befördern via Post setzen sondern ihre Papiere rasch auf digitalem Wege übermitteln wollen!

Ich hatte Glück, eine nette Dame gab mir Auskunft. Auf meinen dezenten Hinweis, dass ich die E-Mailangabe auf dem Behörden-Kopfbogen vermisst habe und wir immerhin das Jahr 2017 schreiben, meinte sie: „Ja das stimmt leider, aber unser Netzwerk ist dafür noch nicht ausgelegt“.

„Ist also noch Neuland für Sie – so wie es einst auch die Bundeskanzlerin formulierte?“ erwiderte ich und meine Frage wurde ebenfalls – wenn auch halbherzig – bejaht.

Es kam am anderen Ende der Leitung dann noch der resignierte Zusatz: „…immerhin haben wir ja schon über 25 Jahre die Bundesrepublik“.

Tja – das ist wohl so, aber: was will man da noch sagen?

Ich verkniff mir einen weiteren Kommentar, immerhin konnte die Frau am anderen Ende ja herzlich wenig dafür, dass selbst im fortschrittlichen Sachsen behördentechnisch oft noch die digitale Steinzeit herrscht.

Ich notierte mir deshalb die E-Mail-Adresse, die mir am anderen Ende diktiert wurde und mailte meine Dokumente per E-Mail an die Behörde. Auch das war wieder zeitaufwändig, aber immerhin habe ich mir den Gang zum Briefkasten gespart.

Dennoch: gerade für Selbständige mit knapper Zeit hält sowas alles nur unnötig auf. Zumal der Staat ja sowieso schon dafür sorgt, dass ein Selbständiger oder Freiberufler viele Stunden im Monat damit zubringen muss, seinen Behördenkram zu machen.

Bei mir gibt`s nicht selten Wochen, in denen dafür manchmal ein halber Tag pro Woche draufgeht. Die oben aufgeführte Kommunikation in Sachen E-Mail-Adresse ist nur ein Zeitfresser von vielen, im Zusammenhang mit behördlichem Schriftkram.

Insofern ist gerade der öffentlichen Hand dringend angeraten, mit der Zeit zu gehen, damit sowohl selbständige als auch privat agierende Bürger selbige zukünftig einsparen und sinnvoller nutzen können.

Denn: „Neuland“ – das war einmal! Seinerzeit hat man den Ausspruch der Kanzlerin noch als „putzig“ eingeordnet, heute ist sowas antiquiertes nur noch peinlich!

Bildnachweis: pexels.com

 

 

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