Ostdeutschland: die Mär vom „abgehängt sein“

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Ein Gastbeitrag von Dorothee.

Gestern las ich einen Artikel in der Leipziger Volkszeitung über die Feierlichkeiten zur friedlichen Revolution von 1989, die seit der Wende alljährlich in Leipzig begangen werden.

Vor allem stolperte ich über einen Satz: „Bürgerrechtler warnten vor einer Bedrohung der erkämpften Freiheitsrechte.“

Wer beim Lesen dieser Worte davon ausging, dass die Bedrohung gemeint war,  gegen die man sich derzeit mit Betonsperren, Containern, Pfeffersprays und absurden Ratschlägen an Frauen, nicht mehr alleine joggen zu gehen, rüstet, der sah sich rasch auf dem Holzweg.

Denn die Bedrohung der Freiheitsrechte, das wurde in dem Text schnell klar, geht von denen aus, die derzeit ihren Unmut über die aktuelle Politik zum Ausdruck bringen.

Wie immer war das Thema verschwurbelt formuliert, aber am Ende dreht es sich doch immer wieder um den angeblichen „Hass“ oder die „Intoleranz“, die der gemeine Ossi – vorzugsweise der Sachse – an den Tag legt. Auch wenn das nicht immer wortwörtlich so dasteht, so kann  man zwischen den Zeilen sehr wohl lesen, an wen derartige Ergüsse adressiert sind.

Am Ende ist`s immer der Ossi, der abgehängte noch dazu.

Viele, viele Leute fühlen sich derzeit berufen, diese widerspenstige Spezi zu maßregeln. Das fängt bei Pfarrerin Käßmann an und hört mit irgendwelchen D-Promis noch lange nicht auf.

Ich weiß ja nicht, wie es anderen Leuten geht – aber ich fühle mich seit 2015 wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“!

Die Verdrehung der Tatsachen, wie wir sie seit dem Herbst vor zwei Jahren täglich erleben, empfinde ich fast schlimmer als zu Zeiten von Honecker, die ich bis zu meinem 17. Lebensjahr noch erlebt habe.

Da werden in Köln hunderte Frauen von Horden zugewanderter Männer sexuell belästigt und begrapscht – ein Zeichen blanken Hasses gegen die selbstbestimmte und gleichberechtigte Frau hierzulande – und den Hass? Den legen doch nicht diese Männer an den Tag, sondern die – Ossis. Die es sich herausnehmen, diesen hausgemachten Irrsinn sogar auf Bühnen und vor tausenden Leuten anzuprangern!

Da werden unzählige Volksfeste – selbst im hintersten Winkel des Landes – nun mit klobigen Pollern (Terrorsperren genannt) gesichert, aber die Freiheit – die bedroht der Ossi!

Da werden nahezu täglich Frauen und Kinder von Zuwanderern belästigt, überfallen, sexuell behelligt oder vergewaltigt, aber die freiheitliche Art zu leben, die schränkt selbstredend nur ER ein: der aufmüpfige Ossi.

Ich könnte die Liste mit den derzeitigen Realitätsverdrehungen hier noch endlos fortsetzen, aber der aufgeklärte Leser (auch der westdeutsche, das will ich betonen!) wird wohl wissen, was gemeint ist.

Insofern möchte ich noch auf ein Attribut zu sprechen kommen, das derzeit in aller Munde ist und auch dem – wem sonst?! – Ossi auf-etikettiert wird. Das „abgehängt sein“.

Wenn man das hört, da sieht man (vor allem wohl der Wessi, der noch nie einen Fuß in die neuen Bundesländer gesetzt hat) vor seinem geistigen Auge eine minderbemittelte Figur in einem altmodischen Outfit, deren ganzes Äußeres vor Schmuddeligkeit trieft. Wer eine blühende Phantasie hat, stellt sich so eine Person noch mit einer Pulle Bier vor einem runtergekommenen Spätverkauf in einer ostdeutschen Vorstadt vor.

Nun – diese Phantasie gibt es, sie blüht vor allen in den Redaktionsstuben landauf-landab und selbst Redakteure, die im Osten beheimatet sind, machen das Spiel gern mit und zeigen vorzugsweise Landsleute aus Mitteldeutschland, die primitiv rüberkommen. Gerne noch mit schlechter Aussprache und zahnlos.

„Da schaut her – das sind sie, die Abgehängten!“ – lautet die Botschaft und wer es nicht besser weiß (wie es aussieht, die Mehrheit der Deutschen) der fällt da wohl drauf rein.

Dabei sieht die Realität auch hier anders aus, ganz anders. Natürlich gibt es Leute, die jahrelang von Leistungen des Jobcenters leben, aber die gibt es in jeder westdeutschen Stadt auch. Und es gibt auch Gründe dafür, warum das so ist – auch gesamtdeutsche!

Es gibt aber auch die gut situierten Ossis. Die erfolgreichen Ostdeutschen mit eigenen Unternehmen, die Startup-Leute, die Karriere-Frauen oder die Frauen, die es sich leisten können zuhause zu bleiben, weil der Mann gut verdient, die ostdeutschen Familien, die sich ein schmuckes Eigenheim bauen (lassen) können.

Man sollte nur mal durch die mitteldeutschen, dörflichen Lande fahren – ein Häuschen / Anwesen schöner als das andere. Gepflegt, ausgebaut, angebaut und zurechtgemacht: hier lebt kaum ein Abgehängter!

Obgleich man selbstredend auch diese Realität medial gern verdreht und das ostdeutsche platte Land darstellt, wie eine Kolchose in Sibirien!

Letztens war ich mal wieder im Kosmetik-Studio. Es hat lange gedauert, bis ich einen Termin bekam und als ich ihn hatte, kam ich mit der Inhaberin des Studios (beste Innenstadtlage, nicht billig) ins Gespräch. Sie sagte, dass das Studio fast täglich ausgebucht sei und sie noch zwei Kosmetikerinnen einstellen könnte, allein: es fehlten die Fachkräfte.

Als ich auf die Aussagen unserer Politiker verwies, wie viele Fachkräfte doch seit 2015 ins Land strömen, lachte sie nur und winkte ab. „Hören Sie auf, mir reicht es, wenn ich merke, wie die Sicherheit für Frauen flöten geht, wichtig ist das Kreuz auf dem nächsten Wahlzettel“.

Eine Abgehängte? Für die Besserwessis wohl ja…..!

Auch hier könnte ich mit unzähligen weiteren Beispielen aufwarten, aber ich erspare es Ihnen, wahrscheinlich sehen Sie auch, was los ist.

Aber kurz zu mir noch – auch ich bin eine Ossi-Frau und fühle mich keineswegs abgehängt. Ich leite selbständig eine Werbeagentur in einer ostdeutschen Großstadt, fahre ein schickes Auto und habe eine niedliche 3-Raum-Wohnung in bester Lage. Inklusive großer Terrasse und Fußbodenheizung. Die Miete ist ein wenig teurer, als in anderen Gegenden, aber ich kann sie mir leisten.

Ich bin kritisch im Denken, interessiere mich für aktuelles Zeitgeschehen und Politik.

Bin ich also abgehängt, wenn ich als Frau sage, dass ein Großteil der aktuellen Straftaten von Zuwanderern begangen wird und ich mir die alte Sicherheit wieder her wünsche? Die ja auch keine perfekte Sicherheit war, aber sie war zumindest zum Großteil gegeben.

Bin ich abgehängt, wenn es mich schockiert, dass in Leipzig mitten am Tag eine Frau von einem Asylbewerber niedergestochen wird, weil sie seiner Ansicht nach zu luftig bekleidet war? Und ich nicht möchte, dass solche Menschen in unser Land gelassen werden? Freilich kann man es keinem Menschen ansehen, wie er tickt, aber dass die Öffnung der Grenzen prinzipiell gegen geltendes Recht verstößt und diese Asylbewerber hier fast alle nichts zu suchen haben, ist mittlerweile bekannt. Bin ich abgehängt, wenn mir also die Umsetzung geltenden Rechts am Herzen liegt?

Bin ich abgehängt, wenn ich in diesen Zeiten abends Angst um meinen Freund haben muss, da allethalben die medial niemals näher definierten „Männer“ versuchen abzustechen oder auszurauben, was ihnen gerade des Weges kommt?

Bin ich abgehängt, wenn ich es irrsinnig finde, dass man ob der unzähligen, meist importierten, Gefährder in unserem Land über Präventions-Workshops und Anlaufstellen für diese Leute spricht, als sie kurzerhand des Landes zu verweisen?

Bin ich abgehängt, wenn ich von dem Staat, den ich nicht unerheblich mit meinen Steuern mit finanziere, erwarte, dass er seine Grenzen schützt und für die Sicherheit der Bürger sorgt?

Bin ich abgehängt, wenn ich der Meinung bin, dass kriminelle Zuwanderer und die vielen anderen Fremden, die Tag für Tag an Bahnhöfen, Innenstädten und in sozialen Brennpunkten herum hängen, nicht integrierbar sind?

Und ist es nicht doch eher so, dass genau wegen diesen realen Gefährdungen viele Bürger – vorzugsweise eben Ossis – die gewohnte Freiheit in Gefahr sehen? Die zudem ein Großteil der Ostdeutschen 1989 – teils unter Lebensgefahr – erkämpft hat?

Natürlich ist es so! Und jeder mit klarem Verstand merkt und sieht das auch.

Für die absurden Verdrehungen der aktuellen Realitäten, die politisch und medial allerorten von sich reden machen, habe ich, als Ossi-Frau, nur eine Erklärung: man hat sich so tief in seinem Lügendschungel verstrickt, dass es kein Zurück mehr gibt. Denn ein Zurück würde bedeuten, dass man sich seine Verblendung und seine tagträumerischen Illusionen als Irrweg eingestehen muss.

Genau das jedoch scheint den Verdrehern nicht (mehr) möglich zu sein.

Bildnachweis: pexels.com

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