Schülerbeförderungskarten abgelehnt – Alleinerziehende verfasst offenen Brief!

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Ablehnungen, Streichungen, Kürzungen – während auf der einen Seite unser Finanzminister stets neue, sprudelnde Steuermilliarden verbuchen kann, wird auf der anderen Seite gekürzt, dass die Schwarte kracht.

Ob marode Klassenräume, zugige Schüler-Toiletten, gestrichene Ferienfreizeiten für Kinder, verschwindende Bankautomaten der Sparkassen auf dem Lande, die Kürzung der Routen für öffentliche Verkehrsmittel, die zurück gestellten Instandsetzungen von Jugendclubs oder Sparmaßnahmen in Kindergärten – wohl kaum ein Bereich unserer Gesellschaft, in den eigentlich investiert werden müsste, bleibt von Kürzungen verschont.

Für viele Bürger ist das –  vor dem Hintergrund des Reichtums unseres Landes – freilich ein irritierender Zustand.

Denn Deutschland ist nicht arm. Im Gegenteil. Dass trotzdem fast überall gekürzt wird und vor allem finanziell schwache Ein- und Zwei-Eltern-Familien sowie Kinder und Senioren oftmals die Leidtragenden sind, könnte auch ein Grund für die zunehmende Politik-Verdrossenheit sein, der sich viele Politiker aktuell angeblich zuwenden wollen.

Oder eben auch für die Wut, die viele Leute, die von den Kürzungen unmittelbar betroffen sind, verspüren.

Ein bezeichnendes Beispiel dafür, wo wieder einmal am falschen Ende gespart wird, zeigt der offene Brief, den uns unsere Leserin Silke Feldmann hat zukommen lassen.

Wir veröffentlichen ihn nachstehend im Original, er bedarf keines weiteren Kommentars, denn er spricht für sich:

„Silke Feldmann

Landkreis Lüneburg

Bereich: Schule & Kultur

Ablehnung der Anträge der Schülerzeitkarten mit dem Aktenzeichen  55.21

Sehr geehrter Herr Seemann,

während Frau Merkel im Politischen Forum Ruhr in Essen, vom“ Wohlstand für Alle“ schwadroniert, bereitet mir  die Ablehnung auf Übernahme der Beförderungskosten für meine Kinder schlaflose Nächte. Dies aus verschiedensten Gründen, welche ich Ihnen hier kurz erläutern möchte.

Der wohl wichtigste Punkt ist, dass  es mir aus wirtschaftlichen Gründen schlicht nicht möglich ist, die Kosten(welche sich,  soweit ich informiert bin, auf knapp 70,-€  im Monat belaufen werden) aus meinen privaten Mitteln zu begleichen.
Nun könnte man argumentieren, dass der Schulweg für Kinder dieses Alters spielend leicht mit dem Fahrrad ( sofern vorhanden) oder eben zu Fuß (bei 3,85 km, ca. 50 Minuten) zu  bewältigen ist. So zumindest die Theorie.

In der Praxis sieht es aber folgendermaßen aus:

Der Schulweg verläuft ausschließlich an einer vielbefahrenen  Landstraße und ist auf einem Abschnitt von 1,9Km („Runtastic“ macht’s möglich) vollkommen unbeleuchtet, außerdem wird er in den Wintermonaten selten bis gar nicht geräumt. Schon gar nicht zu den Zeiten, zu denen meine Kinder dann unterwegs wären, um pünktlich zu Schulbeginn vor Ort zu sein. Dass das Unfallrisiko dadurch   massiv erhöht ist, erwähne ich nur der Form halber. Dazu kommt, dass dieser Weg regelmäßig von einer Person frequentiert wird, die das Rathaus, aus berechtigten Gründen, nur noch in polizeilicher Begleitung betreten darf.

Inwieweit dieser Punkt (Mensch) nun ein Gefährdungspotential darstellt und als Argument Gültigkeit besitzt, vermag ich objektiv nicht zu beurteilen. Ein gewisses Risiko besteht allerdings und gut fühlt sich das wirklich nicht an.

Zumal die Kinder, die einmal um die Ecke wohnen, sorgenfrei, sicher und staatlich subventioniert (trotz Doppelverdiender-Eltern), den Weg zur Bildungseinrichtung ihrer Wahl mit den öffentlichen Verkehrsmitteln  zurücklegen können.

Kann es wirklich sein, dass Sicherheit und die Möglichkeit, sein Kind morgens mit gutem Gefühl  aus dem Haus zu entlassen, damit es seinem Recht auf Bildung nachkommen kann, primär damit zu tun haben, wie die finanziellen Möglichkeiten des Einzelnen sind – und man dann eben einfach mal „Pech“ hat, wenn man einer Personengruppe angehört, welche statistisch sowieso schon das größte Armutsrisiko in Deutschland trägt?

Es handelt sich in diesem Fall eventuell um eine Grenzentscheidung.

Ich bitte Sie dies zu berücksichtigen.

Dieses Thema werde ich in Kürze mit dem hiesigen Bürgermeister und auch auf der nächsten Gemeinderatsversammlung thematisieren und hoffe somit eine adäquate Lösung für dieses Problem zu finden.

Es ist dringend. Ich bin müde.

Hochachtungsvoll und mit freundlichen Grüßen

Silke Feldmann

Melbeck, 19.07.2017″

Bildnachweis (Symbolbild): pexels.com

 

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