Schuleinführung – wenn der Westen über den Osten staunt!

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Ein Gastbeitrag von Silvana.

„In die Schule gehen und dann  vielleicht noch zusammen im Restaurant was essen – mehr nicht!“ So höre ich es häufig von Freunden und Bekannten aus den alten Bundesländern, wenn es um das Thema Schuleinführung geht.

Man staunt im ehemaligen Westteil unseres Landes nicht selten, welchen Stellenwert dieser Tag in Ostdeutschland hat. Auch im Internet – vorwiegend in Frauen- und Mama-Foren – sind die Schuleinführung und die damit (nicht) einhergehenden Feierlichkeiten aktuell ein großes Thema.

Denn sowohl in den jeweiligen Kommunen als auch in privaten Kreisen ist der Tag der Schuleinführung im Osten relativ hoch angebunden.

Am meisten auf dem Land – hier wird zu diesem Anlass fast überall ein richtig schönes Programm geboten: mit einer Art Feierstunde, in der die Kleinen (nach einem vorausgehenden, kleinen Entertainment in Form von Theaterstücken oder/und Gesang) auf die Bühne gebeten und feierlich in den Kreis der Schulkinder aufgenommen werden. In manchen Gemeinden fährt dann danach schon mal eine große Kolonne Feuerwehren – geschmückt mit Zuckertüten, Plüschtieren und Luftballons – mit den frischgebackenen Schulkindern an Bord und eingeschaltetem Martinshorn gen Schule.

So manche Mama verdrückt dann – logisch! – schon mal das eine oder andere Tränchen.

An der Schule selbst geht es dann meist dergestalt weiter, dass die Kinder ein Stündchen in ihrem Klassenraum weilen und vom Lehrpersonal auf die kommende Zeit eingestimmt werden.

Danach erwartet sie das lang ersehnte Highlight des Tages: die Zuckertüte. Manche Schulen nutzen diesbezüglich (und wenn vorhanden) einen großen Baum und hängen die begehrten Spitztüten in die Äste.

Wenn die Kinder dann von der Schulstunde kommen, können sie endlich ihre Zuckertüte in Empfang nehmen – unter großem Hallo der anwesenden Eltern und Verwandten und im Fokus der elterlichen (Handy)Kameras.

Meist erfolgt noch ein Gruppenfoto und dann beginnt der private Teil der Schuleinführung. Dieser war schon zu DDR-Zeiten ein großes Ding – selbst die West-Verwandten (wenn vorhanden) nutzten diesen Anlass, um diesem feierlichen Anlass bei den Verwandten in der Ostzone beizuwohnen.

Meist war der Besuch dieser Verwandten für die Kinder ein weiterer Höhepunkt – brachten doch die Onkels, Tanten oder Omas so viele bunte und langersehnte Geschenke mit – schon die Süßigkeiten waren seinerzeit eine Augenweide, die die Ostprodukte vielfach in den Schatten stellten und die kleinen Schulanfänger begeisterten.

War dann die private „Mannschaft“ komplett, gings zumeist in ein Restaurant oder man feierte in den eigenen vier Wänden ausgiebig weiter. Mit köstlichem Essen und großen Mengen von Kuchen und Torten. Zumeist selbst gebacken.

So war das damals – und so ist es bis heute geblieben, zum Erstaunen vieler Eltern aus den neuen Bundesländern. Vor allem Menschen, die nach der Wende in die ehemalige DDR kamen, staunen über den Brauch, die Schuleinführung so feierlich zu begehen. Mancher sogar bis heute, wie man den vielen Diskussionen im Web entnehmen kann.

Denn wer nur die westdeutsche Variante gewohnt und erstmalig mit einer Schuleinführung – von Mecklenburg-Vorpommern bis Thüringen – konfrontiert ist, erfährt meist zum ersten Mal in seinem Leben von dieser Art der Ostdeutschen, diesen beginnenden Lebensabschnitt des Nachwuchses zu feiern.

Manchmal gesellt sich zu dem Erstaunen auch Befremden, nach dem Motto: „ist es nicht übertrieben, eine Schuleinführung so groß zu feiern?“

Nun – da bleibt eine simple Gegenfrage: warum sollte man einen so herausragenden Lebensabschnitt des eigenen Kindes nicht rauschend feiern?

Immerhin hat dieser Tag sogar einer Hochzeit einiges voraus, denn: im Gegensatz zum angeblich schönsten Tag im Leben, der in diesen Zeiten ja oft nicht „einmalig“ bleibt, ist die Schuleinführung wirklich exklusiv und darf sich mit Fug und Recht das Etikett „einmalig“ anheften lassen.

Warum also nicht feiern, dass sich die Balken biegen? Eben!

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Datei: #159732367 | Urheber: detailblick-foto

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