Traummann per Mausklick – funktioniert das wirklich?

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Online-Dating scheint stetig zuzunehmen. Entsprechende Dating-Portale schießen wie Pilze aus dem Boden. Und wenn man Parship glauben darf, verliebt sich zumindest dort, alle 11 Minuten ein Single.

Dies scheint auf den ersten Blick sehr vielversprechend. Immerhin gibt es viele Frauen, die mitten im Berufsleben stehen. Häufig bleibt da wenig Zeit sich zusätzlich auf Partnersuche zu begeben.

Denn selten trifft „Frau“ zufällig an der Bushaltestelle oder in der Schlange an der Kasse auf ihren Traummann. Und Dienste für besondere Abende sowie für Begleitpersonen, aus denen sich etwas entwickeln könnte, werden häufig nur für den männlichen Teil der Bevölkerung geboten.

Somit bleibt als Frau häufig nur die Qual der Wahl zwischen unendlich vielen Dating-Portalen. Immerhin sind genau dort auch die freien männlichen Singles zu erhoffen, die genauso auf der Suche nach ihrem Glück sind. Der Erfahrungsbericht einer gestandenen Frau im mittleren Alter gibt einen Blick hinter die Kulissen. Ist die Partnersuche per Mausklick wirklich von Erfolg gekrönt, oder häufig nur ernüchternd und kostspielig?

Marie und Mr. Right

Bereits mit mehreren Portalen hat Marie (38) aus Köln ihre Erfahrung. „Ich bin jobmäßig viel auf Reisen und schaffe es zeitlich kaum in meiner Freizeit auszugehen oder mich in Vereinen einzubringen. Gefühlt verbringe ich die meiste Zeit im Auto. Dass ich da jemanden zufällig treffe, der für mich perfekt ist, ist eher unwahrscheinlich.“ Bereits seit sieben Jahren ist sie Single. Zunächst fand sie ihren wiedererlangten Singlestatus ganz angenehm.

„Anfangs hatte ich die Zeit genossen, doch seit zwei drei Jahren fühle ich mich oft allein.“ Nach einigem Zögern hatte sie sich dann dazu entschieden, Online-Dating mal auszuprobieren. Insgesamt bei vier Dating-Portalen ist sie mittlerweile Kunde. Anfangs bevorzugte sie kostenlose Portale: „Meine Erfahrung war, dass sehr viel Fake eingestellt wurde. Die Fotos entsprachen teilweise nicht dem wirklichen Aussehen und einige der Profile waren anscheinend deutlich veraltet. Zumindest warte ich bei einigen bis heute noch auf eine Rückmeldung. Auch die Klientel war sehr bunt. Häufig hat sich schon nach einigen Chats herausgestellt, dass es nicht passt.“

Den kostenlosen Dating-Portalen folgte das kostenpflichtige Portal

Ihrer Enttäuschung folgte erst Resignation. Dann wagte sie einen weiteren Schritt. Nun griff Sie auf ein kostenpflichtiges Dating-Portal zu: „Ich dachte mir, wenn die Personen auf den Portalen Geld dafür bezahlen, dann ist es ihnen zumindest ernst und das Ganze auch besser organisiert.“

Zunächst war sie begeistert. Der dreistellige Betrag für ein Jahr ließ sie zwar schlucken, doch wenn es klappen würde, hätte dieser sich ja auch rentiert. Als erstes musste sie einen psychologischen Test ausfüllen, um ihr persönliches Profil zu erfassen. „Wie gehen Sie mit Liebeskummer um?“, „Welche Literatur lesen Sie?“,  „Möchten Sie, dass Ihr Partner die gleichen Bücher liest wie Sie?“ – Nach etwa einer halben Stunde war sie mit diesem Teil durch.

„Dann durfte ich mir meinen Traummann zusammenklicken. Ich gab an, welche Größe er haben sollte, den Altersbereich, Nichtraucher und den groben Einzugsort. Zu weit weg sollte er ja auch nicht wohnen.“ Die präsentierte Auswahl der Profile war für Marie überwältigend: „Ich war überrascht. Über 1000 Profile schienen auf Anhieb auf meine Auswahl zuzutreffen!“

Mit Euphorie klickte sie sich durch die Profile. Schrieb die Personen an, deren Profil sie interessierte und bekam sogar selber einige Anfragen. „Das tat irgendwie gut. Ich sah, dass es doch noch viele potentielle Partner gab und ich offensichtlich auch noch interessant für den Markt war.“

Das zweite Treffen war ein Desaster

Marie war erfreut, nach drei Wochen schon hatte sie ihr erstes Treffen. „Er war 44 hatte kurzes braunes Haar und unglaublich dunkle Augen.“ Das Gespräch verlief gut und sie verabredeten sich für ein zweites Treffen. Dieses wurde jedoch zu einem Desaster. „Ihm rutschte bei dem Treffen heraus, dass er verheiratet sei. Damit war die Sache für mich gegessen.“ Sie konnte sich nicht vorstellen mit jemanden eine Beziehung einzugehen, der gerade dabei war seine Frau zu betrügen.

Sie benötigte fast zwei Monate, um diese Erfahrung zu verarbeiten. Doch dann fing sie wieder an zu chatteten. Immerhin hatte sie für ein ganzes Jahr bezahlt, da wäre es unklug sich wegen einem Fehlschlag direkt komplett abschrecken zu lassen.

„Ich wurde vorsichtiger und ließ mir wesentlich mehr Zeit, die Personen über das Internet kennenzulernen.“ Vor kurzem hatte sie zwei weitere Verabredungen. Beide waren gut, nur bei dem einen hatte sie das Gefühl, dass ihr Gegenüber sie langweilig fand. – Nächste Woche ist ein drittes Date gefragt, wieder mit jemand anderem.

Die Suche nach der „Liebe auf  den ersten Blick“

„Ich muss aufpassen, dass ich nicht auf Dauer Date-Hopping betreibe.“ Marie lacht. Ihr ist die Schwierigkeit der Beziehungen über Online-Portale bewusst. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie die einzige ist, die sich gleichzeitig mit mehreren interessanten Partnern verabredet ist unwahrscheinlich. „Niemand möchte etwas verpassen. Mit Sicherheit sind einige meiner Dates auch ein paar Tage früher oder später bei einem anderen Date.“

Auf Dauer sorgt das bei ihr zu einer Anspannung. Sie möchte genügend Zeit haben jemanden besser kennenzulernen. Doch es bleibt die Sorge, dass es der anderen Person nicht schnell genug geht, und diese dann das Interesse an ihr verliert.

„Oft sind die Menschen auf der Suche nach der Liebe auf den ersten Blick. Doch das funktioniert oftmals nicht, zumindest nicht bei mir. Ich denke, zwei Menschen müssen sich erste eine Zeit lang kennen lernen, um sich wirklich näher zu kommen.“ Ob sich die typischen Nutzer der Online-Dating-Portale tatsächlich so viel Zeit lassen, um jemanden besser kennenzulernen ist sich Marie nicht sicher. Sie merkt bereits bei sich selbst, dass sie einen gewissen zeitlichen Druck spürt.

Wenn man sich voll und ganz auf eine Person einlässt, sich genügend Zeit nimmt und am Ende merkt, dass es doch nicht der Richtige ist, ist wertvolle Zeit verloren. Die Suche nach dem perfekten Mann per Mausklick ist somit doch nicht so einfach, wie es sich viele wohl wünschen.

Bildquelle:

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