„…seit Indien bin ich entspannter!“ – Maike Steuer und ihre Crowdfunding-Kampagne

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5 : 7 HochformatFrauen sind Multi-Talente. So weit – so bekannt. Manche Frauen setzen dem aber noch ein „I-Tüpfelchen“ drauf. Weil sie so vielseitig sind, dass es einem dem Atem verschlägt. Maike Steuer ist so eine Frau.

Online-Journalistin, Indien-Expertin, Salsa-Tänzerin. Und Mutter.

Die 33-jährige, die auch bei den „MOMPRENEURS“, einer Plattform für selbständige Mütter, organisiert ist, plant derzeit den nächsten Coup. Ein Café in Leipzig. Dafür hat sie eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen. Mehr zu ihr und ihrem Vorhaben im Interview:

FP: Maike, Du bist Online-Redakteurin, „Bald“-Gastronomin und Globetrotterin, erzähle uns mehr über diese Bereiche in Deinem Leben!

MS: Zuerst war die Schreiberei. Das hat ganz klassisch bei mir mit Märchen ausdenken als Zehnjährige begonnen und mündete dann irgendwann in ein Bachelorstudium zur Online-Redakteurin an der FH Köln und einem berufsbegleitenden Master in New Media Journalism hier an der Leipzig School of Media. Als Teenie kam das Fernweh. Schon mit 15 Jahren war ich ein Jahr in den USA an einer Highschool. Eine Zeit, die mich sehr geprägt hat. Seitdem packe ich mit Begeisterung meine Koffer und bin wann immer möglich unterwegs. Tja, und das mit dem Cafe und mir ist eine Geschichte, die in meinem Kopf schon vor zehn Jahren begonnen hat. Doch erst jetzt, mit 33 Jahren, habe ich den Mut, alles daran zu setzen, dass es klappt. Gerade passiert so wahnsinnig viel, aber ich genieße den Trubel, denn es macht mächtig viel Spaß, in eigener Sache unterwegs zu sein und selbst zu entscheiden, was wie gemacht wird, statt einfach nur im Auftrag anderer unterwegs zu sein.

FP: Du warst lange in Indien, ein Land, das immer negative Schlagzeilen macht, aber nichtsdestotrotz faszinierend ist. Berichte uns über Deine Zeit dort. Wie hat es Dich überhaupt da hin verschlagen?

MS: Ich bekomme jedes Mal so einen Hals, wenn in den deutschen Medien mal wieder steht: „Frau in Indien vergewaltigt“. Ja, diese Dinge passieren leider, aber so ein riesiges, unfassbar vielfältiges Land allein auf diese abscheulichen Taten zu beschränken, macht mich sehr wütend. 2007 war ich das erste Mal dort und habe in Bangalore ein Praxissemester bei einem kleinen Startup verbracht. Seitdem lässt mich das Land nicht mehr los und wann immer ich kann, reise ich wieder hin. 2008 habe ich dank des Heinz-Kühn-Stipendiums sechs Wochen zur arrangierten Ehe recherchieren können, 2012 brachte mich das Heinz-Nixdorf-Stipendium nach Mumbai, wo ich für das größte Medienhaus Indiens – die Times Group – crossmedial gearbeitet habe. Da ich nach sechs Monaten nicht schon wieder zurück wollte, habe ich mir einen Job als Reiseberaterin für deutsche Touristen gesucht und bin nach Delhi gezogen. Mittlerweile ist Indien meine zweite Heimat und mir sehr ans Herz gewachsen. Ich vermisse mein Leben dort oft, auch wenn das tägliche Chaos, die vielen Leute, die ständigen Planänderungen usw. sehr anstrengend sein können – ich find´s toll!

FP: In Leipzig, Goethes einstigem „Klein-Paris“ bist Du nun heimisch geworden, wie kamst Du auf die Pleißemetropole?

MS: Meine Eltern sind kurz nach der Wende gegen den Strom vom Westen in den Osten gezogen. Gleich ums Eck von Leipzig, sodass ich zuschauen konnte, wie aus dem hässlichen Entlein eine wunderhübsche Stadt wurde. Als ich Anfang 2013 schwanger wurde, war klar, dass meine Zeit in Indien abläuft, denn ich wollte meinen Sohnemann unbedingt in Deutschland bekommen. Um in der Nähe meiner Familie zu sein, habe ich meine Zelte in Leipzig aufgeschlagen und bin schwer begeistert von der Stadt und all den schönen Ecken, die LE zu bieten hat. Für mich hat Leipzig genau die richtige Größe. Schön kompakt, alles irgendwie in der Nähe und trotzdem genug los. Nach meiner Zeit in Delhi und Mumbai kann ich mit absoluter Ruhe nur schwer umgehen. Deshalb bin ich auch von Gohlis Süd nach Plagwitz gezogen. (grinst)

FP: Als Mama musst Du auch den Alltag mit Kind „wuppen“ – wie organisierst Du Dich?

MS: Stimmt, Organisation ist alles und das Wörtchen „eigentlich“ spielt in unserem Alltag eine große Rolle. Solange alle Beteiligten gesund sind, ist eigentlich alles gut, aber oft genug schmeißt eine Erkältung oder was auch immer meine Pläne über den Haufen. Aber seit Indien gehe ich mit solchen spontanen Änderungen viel entspannter um. Bevor ich mich über was aufrege, frage ich mich, ob es sich lohnt. Wenn nicht, atme ich tief durch, versuche dem ganzen was positives abzugewinnen und weiter geht’s. Ich bin zwar eine Solo-Mama, aber nicht allein, denn wir zwei wohnen in einer sehr lustigen Mama-WG mit einer Freundin und ihrem Sohn. Die beste Entscheidung meines Lebens, denn wir unterstützen und helfen uns gegenseitig, sodass wir Mamas auch wieder ein eigenes Leben haben und abends auch mal weggehen können.

FP: Dein Plan ist es, ein interkulturelles Café in Leipzig zu eröffnen, wann wird das sein und welches Konzept hast Du?

Der große Tag ist der 5. September, pünktlich zur Nacht der Kunst. Eigentlich trifft es interkulturelle Begegnungsstätte besser, aber ich finde den Begriff zu sperrig und sage deshalb lieber Cafe, obwohl es viel mehr als das werden soll. Mir schwebt ein Ort vor, der ein gemütlicher Anlaufpunkt für alle Leipziger ist, aber vor allem auch für alle internationalen Einwohner dieser tollen Stadt. Ich weiß selbst, wie es ist, in einem fremden Land, in einer unbekannten Kultur bei Null anzufangen. Als begeisterte Salsatänzerin waren für mich die indischen Tanzflächen der Ort, wo ich Freunde gefunden habe. Aber es tanzt ja nicht jeder und viele tun sich schwer, Einheimische kennenzulernen. Mit einem Angebot an unterschiedlichsten Kursen, kulturellen Veranstaltungen und natürlich auch lecker Kaffee und hausgemachtem Kuchen möchte ich da ein bisschen nachhelfen. Einen Ort zum Wohlfühlen, quatschen und durchatmen schaffen, mit viel Raum für Ideen und Kreativität lautet der Plan.

FP: Du hast dich für Möckern und die Georg-Schumann-Straße als Standort für dein Cafe entschieden. Wieso nicht Plagwitz oder die Südvorstadt?

MS: Stimmt, wenn man anfängt, die „hippen“ Ecken dieser Stadt aufzuzählen, taucht die Georg-Schumann-Straße nicht auf den vorderen Plätzen auf. Aber genau das hat mich irgendwie gereizt. Ich bin einfach so gestrickt, dass ich Herausforderungen liebe und selten mit dem Strom schwimme. Wo (noch) nichts ist, kann viel werden und ich find den Gedanken toll, eine der Ersten zu sein, die ihren Teil dazu beiträgt. Auch wenn´s am Anfang vielleicht schwieriger wird, die Leute zu mir zu locken, statt auf die KarLi oder die Zschochersche, ich geh da optimistisch ran.

FP: Wie andere Gründer auch, setzt Du auf Crowdfunding und hast auf http://www.visionbakery.com/bohnenbubi gerade Deine eigene Kampagne gestartet – wie klappt Crowdfunding in der Praxis und wofür lässt Du „crowdfunden“?

So ist es. Ich probiere das zum ersten Mal aus und bin echt gespannt, ob´s was wird. Besonders viel Zeit hab ich in das Projektvideo gesteckt, mir zusammen mit einer Freundin eine Art roten Faden überlegt und wie wir meinen Plan am besten in Szene setzen können. Denn das Video ist wie das Aushängeschild und überzeugt zusammen mit den so genannten „Gegenleistungen“ im Optimalfall andere, die Kampagne zu unterstützen. Tja und dann geht’s natürlich darum, mindestens der ganzen Welt von der Aktion zu erzählen, denn je mehr davon wissen, desto höher die Chancen, dass es klappt.

FP: Wie lange läuft Deine Kampagne, wie geht es danach weiter?

Die läuft insgesamt 55 Tage, als in meinem Fall bis zum Mittag des 18. Juni.  Sie hat den Hintergrund, dass ich damit das Herzstück meines Cafés, eine ausgewachsene Siebträgermaschine, finanzieren möchte.

Ich wünsch mir von ganzem Herzen, dass ich danach losziehen und diese Siebträgermaschine kaufen gehen kann. Außerdem muss noch jede Menge renoviert und eingerichtet werden. Kaufen brauch ich aber schon jetzt keine Möbel oder so mehr, denn das gesamte Inventar haben mir die unterschiedlichsten Leute geschenkt.

FP: Welche Highlights hast Du für Dein Café geplant?

Einen gemütlichen Cafebereich mit bunt zusammen gewürfelten Möbeln und netten Kleinigkeiten, die alle ihre eigene Geschichte haben. Ein extra Zimmer für die kleinen Besucher, wo sie sich austoben können, während Mama und Papa nebenan Kaffee schlürfen. Es wird ein öffentliches Bücherregal geben, im wahrsten Sinne einen Raum für Kreatives und jede Menge Überraschungen. Ideen habe ich mehr als genug.

Copyright: Maike Steuer

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