Selbstverwirklichung & selbständig sein: Mütter geben offen zu, dass eigene Kinder Belastung sind

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Kind im KinderwagenKündigt sich Nachwuchs an, ist für Frauen nichts mehr so wie es war. Beruflich nicht, persönlich nicht und im Alltag sowieso nicht. Das war schon immer so und wird wohl auch zukünftig so sein. Allerdings hämmern Medien, Politiker und Fraueninitiativen den Müttern von heute ein, dass das Leben auch nach der Geburt eines Kindes genau so weitergehen kann, wie bisher. Vor allem auf der beruflichen Schiene. Die Frauenzeitungen sind voll von Müttern, die Vollzeit arbeiten und kleine Kinder haben. Solche Frauen werden gehypt. Selbstverwirklichung wird angepriesen und Karrierefrauen werden als Vorbild dargestellt. Stündlich, täglich, auf allen etablierten Kanälen.

Das geht nunmehr schon seit Jahrzehnten so und hat freilich seine Wirkung bei vielen Frauen nicht verfehlt. Nicht wenige von ihnen wollen auch nach der Geburt ihres Kindes verbissen am alten Leben festhalten, vor allem die Karriere scheint vielen weiblichen Zeitgenossinnen über alles zu gehen. Offenbar denken sie, dass sie Außenseiterinnen sind, wenn sie den Nachwuchs nicht schnell genug in die Fremdbetreuung geben und der Arbeit erstmal eine Weile fernbleiben.

Viele Frauen glauben, dass Selbstverwirklichung über alles geht

Ein ganzes Heer von Frauen scheint zu glauben, dass Selbstverwirklichung über alles geht – den unzähligen etablierten Frauenmagazinen sei „Dank“!

Denn jene sind es, die den Müttern immer wieder eintrichtern, dass das „Nur-Mutter-sein“ (und sei es nur mal für ein paar wenige Jahre) in diesem Land ein NO GO ist. Denn Mutter oder/und gar Hausfrau zu sein, wird in Deutschland seit circa drei Jahrzehnten oftmals verhöhnt und verächtlich gemacht.

Verdient der Mann mehr oder ist in einer höheren Position setzen nicht wenige Mütter alles daran, ihm nachzueifern und womöglich der „bessere Mann“ zu sein. Viele Frauen gebärden sich deshalb sehr männlich, powern sich bis zur Erschöpfung aus und wollen auf Biegen und Brechen (s)eine Karriere machen. Birgit Kelle hat dieses Phänomen auf ihre Art in „Muttertier“ ganz gut beschrieben.

Offenbar denkt ein großer Teil deutscher Mütter, dass er gesellschaftlich nicht anerkannt ist, wenn er sich nicht der Karriere trotz Kinder widmet, von einem Meeting zum anderen hetzt und am Wochenende noch auf Fortbildungen weilt. Dass viele Frauen mit Kindern so denken ist – wie eingangs schon erwähnt – dem medialen und politischen Dauerfeuer zu verdanken, das deutschen Frauen eine fragliche Ideologie vermittelt.

Mütterforen spiegeln krude Situation hierzulande wider

In welche Situationen sowas dann gipfelt, kann man tagtäglich in diversen Mütterforen beobachten. In einem solcher Foren wurde dieser Tage ein Posting abgesetzt, dass das Verfangen der kruden „Nur-Karriere-Mütter-sind-gute-Mütter“-Ideologie deutlich aufzeigt. Eine Mama schrieb dort nämlich folgendes:

„Hallo ihr lieben,

Ich stecke in einer ziemlichen Krise und weiß nicht mehr heraus.

Seit einem Jahr bin ich nebenberuflich selbstständig und es läuft grandios. Doch Corona macht mir echt einen Strich durch meine Pläne. Meine Kinder sind seit Mitte März daheim. Zwischendurch konnten sie ein paar Tage gehen und dann mit Schnupfnase wieder drei Wochen daheim. Ich konnte gerade einmal 1 Woche am Stück ohne Ausfall arbeiten.

In meiner Hauptbeschäftigung bin ich aktuell auf Kurzarbeit und arbeite nur 5h/ Woche. Zum Glück! Damit komme ich gut klar. Doch ich kann meine Kunden einfach nicht mehr richtig bedienen.

Ich bin so hin und her gerissen. Das was ich mache liebe ich und möchte mich selbst verwirklichen, aber die Kinder hindern mich aktuell daran und fühlen sich wie eine Belastung an. Mir ist bewusst, dass das hart klingt und ich daran dringend etwas ändern muss. Denn ich liebe meine Kinder über alles und das ist absolut nicht fair.

Nun gibt es aus meiner Perspektive gerade zwei Möglichkeiten.

1. Aufgabe der Selbstständigkeit und gleichzeitig meine Selbstverwirklichung aufgeben.

2. Haushälterin anstellen, die die Kinder in solchen Fällen stundenweise betreuen kann. Heißt aber auch, dass mein komplettes Einkommen aus der Selbstständigkeit dabei drauf geht, ich mich aber selbstverwirklichen kann.

Mit beiden Optionen kann ich mich aktuell überhaupt nicht anfreunden. Doch mein Körper sagt mir ganz klar „Stopp“. Meine Gesundheit ist schon angeschlagen und das muss ich jetzt unbedingt ändern.

Wir leben auf dem Land und ich habe leider keine Großeltern hier, die ich ggf. einbinden kann. Aktuell behelfen ich mir mit einer guten Seele, die schon über 70 ist und unbedingt die Kids um sich haben will, aber ich sie nicht gefährden möchte. Oder aber eine liebe Freundin hilft mir Mal aus. Mein Mann ist Vollzeit in einer leitenden Funktion tätig und kann nicht ständig daheim bleiben (das macht mich übrigens richtig Neidisch, da er sich um das Thema Kind krank absolut keine Gedanken machen muss).

Habt ihr vielleicht noch Ideen, bzw. wie regelt ihr das? Wie kann ich mein Mindset verbessern?

Sorry für den langen Text, das musste jetzt Mal raus.(…)“

Die Erstellerin des Postings bekam unglaublich viele Antworten, alle waren inhaltlich so aufgebaut, dass sie Zuspruch und Beispiele beinhalteten. Dass die Thread-Erstellerin ihre Kinder als Belastung für ihre Selbstverwirklichung sieht und sie am Ende das aus der „Selbstverwirklichung“ verdiente Geld für eine Betreuungsperson ausgeben müsste, stieß keiner einzigen (!!!) anderen Mutter in dem Forum auf!

Die besagte Betroffene würde also – trotz Nachwuchs – einer Tätigkeit nachgehen, aus deren Erfolg sie nicht einmal Geld für die Familie zur Verfügung hat. Weil das eben für die Kinderbetreuung draufgeht. Wie schizophren!

Autorin Birgit Kelle hat diesen „Lifestyle“ in den Fokus genommen

Genau solche Beispiele hatte wahrscheinlich auch Autorin Birgit Kelle vor Augen, als sie in ihrem oben genannten Buch folgende Aussagen – im Zusammenhang mit der Forderung nach einer besseren Familienpolitik und der Wertschätzung der Mutter – tätigte:

„Warum investieren wir nicht in das Original statt in die Ersatzstruktur? Es wäre doch einfach. Finanzieren wir doch die Zeit der Mütter und Väter statt den Job von Erziehern, Logopäden und Ergotherapeuten.“

Oder:

„Die Mutter soll heute nicht mehr bei ihren Kindern sein, sondern berufstätig, dafür haben wir jetzt Tagesmütter, die wir bezahlen.“

Dass Birgit Kelles Buch, das von den üblichen feministischen Geiferinnen natürlich zerrissen wurde, auf realistischen Lebensumständen hierzulande aufbaut, beweist der obenstehende Thread aus der Mama-Gruppe einmal mehr.

Zudem entsetzen die Antworten vieler anderer Mütter, die offenbar alle das große Rad der Selbstverwirklichung drehen. Es wird offen zugegeben, dass der Job wichtiger ist als die Kinder, was ein Zitat einer Mutter, die geantwortet hat, beweist:

„Bis der Kindergarten wieder öffnete hatte ich über ca. 5 Wochen jeden Vormittag eine Babysitterin bei meinem Sohn. Ja, es hat viel Geld gekostet, ABER mir war meine Selbstständigkeit wichtiger.(…)“

Auffällig bei der Diskussion, an der sich zur Stunde um die 70 Frauen beteiligt haben, ist auch immer wieder das künstlich kreierte Wort „Care-Arbeit“, mit dem alles gemeint ist, was daheim an Kinder- und Angehörigenbetreuung sowie Haushaltsarbeit zu leisten ist. Vor einigen Wochen – in der Coronakrise – verlangten einige Mütter sogar, dass diese „Care-Arbeit“ bitte von der Regierung bezahlt werden solle – auch so ein Ding, über das die meisten bodenständigen Frauen wohl nur mit dem Kopf schütteln dürften!

Viele Kommentatorinnen in dem besagten Posting in der Mama-Gruppe gingen die Thread-Erstellerin übrigens auch in Sachen ihres Partners an. Schäumende Kommentare, die davon handeln, warum denn der Mann in seiner Führungsposition nicht putzt, Kinder hütet und sich ansonsten im Haushalt nützlich macht, finden sich zuhauf unter dem Beitrag.

Auch das ist das Ergebnis einer Haltung, die sich seit Jahrzehnten in Deutschland etabliert hat: Wer als moderne Frau auf sich hält, basht gegen den (eigenen) Mann. So jedenfalls suggerieren es Politikerinnen, Frauenzeitschriften und fragwürdige Verbände und Initiativen.

Bodenständige Familien in Deutschland im Visier

Familien, in denen die Frauen einträchtig mit ihrem Partner leben und auch kein Problem damit haben, dass er mal alleine arbeiten geht und die Butter aufs Brot verdient, gelten bekanntlich in Deutschland schon als fast verdächtig – selbst von der amtierenden Familienministerin.

Eine solche Politik lässt freilich viele Frauen zu verbissenen Furien werden, die dann meinen, als Mutter an den verschiedensten Fronten kämpfen zu müssen, allen voran der Karriere. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass sehr viele Mütter die Elternzeit nutzen, um sich selbständig zu machen. Also genau DIE Zeit, die im Leben eines Kindes prägend ist. Vielen Frauen scheint da der Businessplan für`s zukünftige Start-up wichtiger zu sein, als Kuscheltime mit dem Nachwuchs. Traurig!

Allerdings ist die Situation natürlich nicht hoffnungslos – im Gegenteil!

Denn bei längst nicht allen Müttern verfängt die krude Ideologie des extremistischen Feminismus. Das beste Beispiel dürfte jeder in der eigenen Nachbarschaft oder/und Verwandtschaft finden: Viele Mütter genießen die Eltern(Aus)Zeit und widmen sich ihrem Nachwuchs mit Herzblut. Und eine Menge Frauen, die das Glück haben, einen Mann an der Seite zu haben, der genug für die Familie verdient, lechzt nun nicht unbedingt danach, früh das Haus zu verlassen und Karriere zu machen.

Die Mehrzahl der Mütter dürfte nicht feministisch-extrem drauf sein

Auch die Fremdbetreuung kommt für eine Vielzahl von Frauen wirklich erst dann in Frage, wenn man (FRAU) wieder in den Job einsteigt. Dass die Frau von heute das Baby von der Schwester im Kreißsaal nahezu nahtlos an die Erzieherin in der Kinderkrippe übergibt, ist eine Mär, die von wenigen Medien und Aktivistinnen geschürt wird. Und die mit der Realität herzlich wenig zu tun hat. So wie derzeit alles, was medial und politisch heraus posaunt wird!

Schaut man sich in seiner eigenen persönlichen Welt um, so ist diese zumeist ganz anders aufgebaut, als jene in der Polit- und Medienblase. Die Frauen von „nebenan“, die ganz bodenständig und normal ticken und Kinder nicht als eine Belastung empfinden, dürften noch immer in der Mehrzahl sein. Wie so oft tönt nur eine kleine Minderheit.

Die ohne die Unterstützung von Politik und Medien gar nicht wahrnehmbar wäre.

Bildnachweis (Symbolbild): stock.adobe.com / Kaspars Grinvalds

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