Tragen Shows wie Germanys next Topmodel oder der Bachelor zu einem ambivalenten Frauenbild bei?

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Alle Jahre wieder verteilt ein Rosenkavalier seine Rosen und testet seine männliche Qualität an einem freiwillig zur Verfügung stehenden Frauenschwarm aus, während Frau Klum ihre Models auf dem Laufsteg nach bestem Wissen und Gewissen und dem ein oder anderen Stereotyp auswählt. Das Prozedere und auch die Auswahlkriterien sind nicht neu – doch auch nach etlichen Jahren verstummen die Stimmen nicht, die solchen TV Formaten Frauenfeindlichkeit und Sexismus zusprechen.

Viele wissen dennoch, was passiert

Wie ambivalent das Verhältnis der einzelnen Zuschauer zu solchen TV-Formaten wirklich ist, zeigt allein die Tatsache, dass die meisten jungen Menschen sehr genau wissen, was in diesen TV-Formaten vor sich geht. Unterhaltungsformat – ja, Identifizieren: nein. Ist das die Lösung? Viele Menschen neigen ja dazu, andere Lebensweisen und Religionen abzuurteilen, die sich von ebensolchen Formaten nicht wirklich unterscheiden. Dabei ist doch alles eine Sache des Blickwinkels. Wer ist denn wirklich der Idiot: Die Frauen, die einen großen Traum haben – sei es die vollkommene Liebe oder eine einzigartige Karriere als gefragtes Model – oder die Jurymitglieder und der Bachelor, die austauschbare Rollen einnehmen und sich mit gängigen Klischees in ihrer Beliebtheitsskala nicht gerade einen Gefallen fürs Leben tun? Die Kandidatinnen dürfen und können anschließend wohlwollend in der Versenkung verschwinden – den Jurymitgliedern gelingt dies wohl eher nicht. Den Vorwurf des Feminismus dürfen sie sich so oder so auf Ewigkeiten nachsagen lassen. Und somit sind allem voran die Verantwortlichen das Freiwild in diesem Format – ebenso wie der Bachelor, der lediglich suggeriert bekommt, er wäre das dominante, unwiderstehliche Alphamännchen.

Ideale landen auf dem Prüfstand

Vielen stößt es sauer auf, dass sich diese Sendungen die Wertevorstellungen der einzelnen geschickt zunutze machen. Im Bachelor ist die Rose das ultimative Symbol für Hingabe und vollkommene Liebe – dabei steht sie in diesem Zusammenhang für etwas gänzlich anderes, und zwar für mediale Aufmerksamkeit, Berühmtheit und dem möglichen Sprungbrett einer Karriere. Den Frauen geht es auch immer ein wenig um Selbstdarstellung, um Gefühle des Begehrt-Werdens, sich nicht verstecken müssen. Ähnliche Aussagen treffen auch die Mädchen auf dem holprigen Laufsteg zum nächsten Topmodel, die sich endlich nicht mehr verstellen möchten, eine Plattform finden, um sich zu präsentieren und endlich wahrgenommen zu werden. Vor allem geht es darum, eine Rolle zu spielen – für sich selbst und auch die Zuschauer. Was wären TV-Formate ohne die entsprechenden Rezipienten, welche die sozialen Handlungsrollen annehmen?

Wir sind nur so feministisch, wie wir es zulassen

Jeder entscheidet selbst, Teil dieser medialen Spektakel zu sein – oder eben nicht. Die Phänomenen und Strukturen dahinter sind keinesfalls neu und lassen sich auch mit anderen TV-Formaten verbinden. Ähnliche Begeisterungsstürme und Skandalschreie sind beispielsweise immer wieder bei Fußballstars zu hören. Wetten hier, Skandale da und mittendrin die schönen Models an der Seite der erfolgreichen Fußballer. Alles sexistisch? Wohl kaum. Eher alles eine Frage des Selbstwerts. Frauen, die sich dafür zu schade sind und einen gesunden Wert haben, wissen sehr wohl um den Unterschied von Statussymbolen, Glanz und Glorie und Sexismus. Vielleicht geht es aber auch darum, nicht ständig zu beurteilen und den Frauen zu sagen, wie sie zu fühlen und zu sein haben. Das kann Frau nämlich immer noch selbst am allerbesten entscheiden.

 

Bildnachweis: pexels.com

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